Ein Leitfaden für die Praktikumssuche

Johanna Schoener

Alle reden von der Generation Praktikum. Und du? Du findest dein Studium zwar interessant, weißt aber nicht, wo es dich hinführen soll oder brauchst dringend eine Abwechslung vom trockenen Lektürealltag? Der richtige Moment für einen Ausflug ins Berufsleben. Keine Angst, nicht jeder Praktikant ist Postsortierer oder Fotokopierer. Allerdings bedarf es einiger Planung, bis du das perfekte Praktikum gefunden hast. Johanna hat eine Anleitung verfasst, wie du am besten vorgehst.



Jetzt oder nie: Wann bin ich reif für ein Praktikum?

Wenn man Medizin studiert, zieht man sich irgendwann einen weißen Kittel an. Besucht man Architekturvorlesungen, ist man später mit Häuserplanung beschäftigt. Allerdings steht bei den wenigsten Studienfächern am Ende ein genau definierter Beruf. Deshalb liegt es an euch, eurem Studium eine Richtung zu geben, die auf ein konkretes Berufsfeld hinausläuft.

Damit man weiß, wie das aussehen könnte, braucht man Praxiserfahrung – am besten noch vor dem Einstieg ins Hauptstudium. So hat man dann noch die Möglichkeit, Studienschwerpunkte zu setzen, die auf das erwünsche Berufsfeld abzielen. Oft weiß man nach einem Praktikum nur, was man nicht will.

Vielleicht müsst ihr zwei, drei verschiedene Richtungen ausprobieren, bis ihr klarer seht. Auch deshalb ist es sinnvoll, früh mit dem Praxistest anzufangen. Erst recht, wenn ihr euch nicht ganz sicher seid, ob euer Studium überhaupt das richtige für euch ist.

Durchblick durch Rückblick: Was will ich und was kann ich?

Um herauszukriegen, wo die eigenen Interessen und Fähigkeiten liegen, solltet ihr euch vergegenwärtigen, woran ihr bisher Spaß hattet, was ihr gut hingekriegt habt und wobei ihr euch wohl gefühlt habt. Ihr wart jahrelang mit Begeisterung Betreuer der örtlichen Jugendgruppe und habt eure halbe Kindheit in Zeltlagern verbracht?

Offensichtlich seid ihr gern mit Menschen zusammen. Ihr habt schon in der Schule eure Projektarbeit allein durchgezogen und trainiert gerade für den nächsten Halbmarathon, während eure Kommilitonen sich auf dem Bolzplatz treffen?
Vielleicht ist dann eigenständiges Arbeiten eher euer Ding, als sich in ein großes Team einzufügen.

Um sich über die eigenen Fähigkeiten klar zu werden, ist die Erstellung eines Stärken-Schwächen-Profils hilfreich. Hört sich vielleicht ein wenig esoterisch an, aber seien wir mal ehrlich: Wer von uns hat schon mal ernsthaft über seine Fähigkeiten nachgedacht? Im Internet gibt es gute Fragebögen (Beispiel), die bei der Selbstreflexion hilfreich sind. Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, könnt ihr diese auch noch jemandem geben, der euch kennt und dem ihr eine einigermaßen ehrliche und neutrale Einschätzung zutraut. Von Partnern oder Eltern sollte man da lieber absehen. Stimmen die Eigenwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung überein, wisst ihr schon ziemlich genau, in welchen Bereichen ihr was drauf habt.

Recherche: Wie finde ich eine Firma/ Institution/ Einrichtung, die zu mir passt und – ganz wichtig – bei der ich Chancen habe?

Wenn ihr ungefähr wisst, wo ihr steht, beginnt die eigentliche Suche nach einem Praktikumsplatz.

Bei der Recherche heißt es mehrgleisig fahren und alle Infos zusammentragen, die ihr bekommen könnt. Wo gibt’s die? An der Uni, im Internet, in eurer Umgebung und bei Bekannten.

Uni: Die wichtigste Anlaufstelle in Sachen Praktikumsvermittlung ist in Freiburg inzwischen das Career-Center. Das „Bindeglied zwischen Studium und Beruf“ ist eine Kooperation zwischen der Universität Freiburg und der Agentur für Arbeit. Mit allen Fragen rund ums Praktikum kann man in die persönliche Beratung des Career-Centers kommen. In der Mediathek gibt es Bücher zum Thema Praktikumssuche und Adressverzeichnisse von Praktikumsgebern (CD-ROM und Buchform). Zudem gibt es auf der Homepage des Career-Centers Praktikumsauschreibungen.

Im Moment ist man mit dem Aufbau einer Datenbank beschäftigt, wo die Firmen die Möglichkeit bekommen sollen, ihre Angebote selbst ins Netz zu stellen. Zum Sommersemester soll sie fertiggestellt sein. „Die Praktikumsvermittlung wird zu unserem Hauptbeschäftigungsfeld werden“, sagt Michael Borchardt, Geschäftsführer des Career-Centers.

Internet: Es gibt eine Vielzahl von Praktikabörsen, in denen ihr online herumstöbern könnt (siehe unter „Mehr dazu“). Generell heißt es bei diesen Börsen: Vorsicht, was die Aktualität der Ausschreibungen betrifft. Die Faustregel ist also, immer erst Erkundigungen einziehen, bevor ihr euch bewerbt, sonst war die Mühe nachher umsonst.

Umgebung: Macht die Augen auf, schließlich kommt ihr jeden Tag an einer Menge von Firmen, Einrichtungen und so weiter vorbei. Wenn euch etwas interessant erscheint, überprüft das. Scheut euch nicht davor, Initiative zu zeigen und einfach mal nachzufragen, wie es dort aussieht mit einem Praktikum.

Bekannte: Da heißt es, immer die Ohren spitzen. Hat die Freundin deines Kindergartenfreundes nicht schon mal ein spannendes Praktikum bei der und der Firma gemacht, war der Vater von deiner Kommilitonin nicht bei sowieso tätig? Heute sollte sich keiner mehr davor scheuen, Vitamin B zu verwenden. „Networking“ ist – so genervt man bei dem Schlagwort auch mit den Augen rollen mag – alles. Und denkt immer daran, am Ende seid ihr es, die sich während des Praktikums beweisen müssen. Dass jemand ein gutes Wort für euch eingelegt hat, interessiert dann keinen mehr.

Bei allem Übermut, den einen bei der Recherche packen kann, heißt es realistisch bleiben. Das erspart jede Menge Frust. Wenn ihr bisher keinerlei praktische Erfahrung habt, könnt ihr nicht erwarten, gleich ein Praktikum beim Auswärtigen Amt oder bei der ARD zu ergattern. Also nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gehen. Wenn das erste Praktikum prima läuft, könnt ihr euch mit dem Zeugnis in der Tasche beim nächsten Praktikum an größere Kaliber wagen.

Das erste Mal: Wie nehme ich Kontakt auf?

Es ist soweit, ihr habt eine Ausschreibung gefunden, die euch wirklich interessiert. Wenn dort keine genaue Bewerbungsfrist angegeben ist, solltet ihr zum Telefonhörer greifen. Aber nicht spontan. Informiert euch vorher ein wenig über das Unternehmen und überlegt euch, warum ihr die richtigen für das Praktikum seid.

Wer weiß, vielleicht habt ihr jemanden an der Strippe, der die Gelegenheit nutzt und euch schon mal ein paar Fragen stellt.

Wer völlig unvorbereitet nur ein, zwei Sätze darauf stammeln kann, hinterlässt bestimmt nicht den besten Eindruck. Andersrum habt ihr eine gute Chance, dass eure Bewerbungsunterlagen mit Interesse erwartet werden, wenn ihr sympathisch und informiert erscheint. Grundsätzlich gilt: Mit einer vernünftigen Frage gut vorbereitet anzurufen, wird euch nie schaden, sondern eher nützen. Vielleicht tritt ein Wiedererkennungseffekt ein oder eine vage Erinnerung an ein nettes Telefonat, wenn euer Ansprechpartner ein paar Wochen später euren Namen auf der Bewerbung liest.

Ich bin ich: Was muss ich bei der Bewerbung beachten?

Auch wenn es „nur“ um ein Praktikum geht, wird heutzutage meist eine tadellose Bewerbungsmappe erwartet. Dazu genügt es nicht, mal kurz durchs Netz zu surfen und ein paar Bewerbungstipps durchzulesen oder euren Namen in die letzte Bewerbung des Kumpels einzusetzen.

Nutzt die Angebote, die ihr kriegen könnt, um zu lernen, wie eine Bewerbung auszusehen hat. Geht ins Career-Center, werft dort einen Blick in die einschlägige Literatur oder noch besser: Besucht eines der Bewerbungstrainings, die jedes Semester umsonst dort angeboten werden. Ihr könnt auch in der persönlichen Beratung des Career-Centers eure Unterlagen checken lassen. Wichtig bei all diesen Möglichkeiten ist, dass ihr nicht einfach etwas abschreibt, sondern bei euch bleibt. Ihr seid es, die sich be-werben und da wird Authentizität großgeschrieben.

Das Finanzielle: Ohne Moos nix los?

Ihr habt schon einiges an Qualifikation durch Schule und Studium bekommen, da ist es nur verständlich, dass ihr für eure Leistungen auch angemessen bezahlt werdet, denkt ihr. Stimmt, aber leider ist das nicht Usus. Ihr müsst euch also genau überlegen, unter welchen Bedingungen es für euch in Ordnung ist, ein Praktikum zu machen.

Wenn ihr rechtliche Fragen zum Praktikum habt, könnt ihr euch wiederum an das Career-Center wenden. Außerdem berät auch das DGB-Hochschulinformationsbüro (hib) der Uni Freiburg euch bezüglich arbeits- und sozialrechtlichen Fragen. Wenn ihr Zweifel an der Fairness einer Praktikumsausschreibung habt, nehmt sie mit und sprecht sie in der Beratung durch. Wenn es soweit ist, und ihr einen Praktikumsvertrag ergattern konntet, könnt ihr auch diesen mitbringen. „Wir raten eher davon ab, unbezahlte Praktika zu machen“, so Joachim Ruth vom hib. Am Ende müsst ihr das jedoch für euch selbst entscheiden.

Zu guter Letzt: Nur Mut!

Ihr seid ganz erschlagen von den vielen Dingen, die man bei der Praktikumssuche beachten sollte? Keine Angst, das hört sich schlimmer an, als es ist. Schließlich könnt ihr euch jede Menge Hilfe bei der Suche organisieren. Die Bewerbung ist leider eine Fleißaufgabe, die unumgänglich ist. Aber wenn es dann klappt, hat es sich ja auch gelohnt. Also los geht’s, viel Glück!

Mehr dazu:

Nächste Veranstaltungen zum Thema Praktikum
  • "Bewerbungsstrategien für Praktikantinnen und Praktikanten" (Career-Center), 02.02.2007, Achtung, mit Anmeldung! Website
  • "Generation Praktikum: Prekäre Beschäftigung oder Chance zur Integration?" (hib), 05.02.2007, Website
Beratungsangebote
Praktikumsbörsen im Internet
  • weitere nützlich Praktikumsbörsen (auch für Auslandspraktika) auf der Website des DGB-Hochschulinformationsbüros
  • sehr gut ist auch die Linksammlung (national und international) des Career-Centers
Sonstiges