Ein Konzert im Knast: Wie wars bei … TTR in der JVA Freiburg?

Alexander Link

Die Freiburger Band TTR (Tamer, Thias, Richy) rocken seit 2016 Blues- und Rockabilly-Klassiker. Am Samstag spielten sie zum ersten Mal vor rund 60 Insassen in der Justizvollzugsanstalt Freiburg. Wie ein Inhaftierter am Mikrofon mitrockte.

Der erste Eindruck

Beklemmend. Ein Rock 'n' Roll-Konzert, das in einem Gefängnis hinter hohen Mauern und Stacheldraht stattfindet, das erinnert an die legendären Johnny Cash-Konzerte in den kalifornischen Gefängnissen Folsom und San Quentin Ende der 1960er Jahre. Auch die Freiburger Band TTR wollen "den grauen Alltag" ihres Gefängnis-Publikums "etwas aufhellen".



Die Band

TTR – das sind Tamer Demirel an der E-Gitarre, Thias Salhab am elektronisch aufgerüsteten Kontrabass und Richy B. Goode am Gesang und der Gitarre. Sie spielen in einer Dreierformation ohne Schlagzeug und unterstreichen ihre Verehrung der Ursprungszeit des Rock 'n' Roll der 50er Jahre, in denen das Schlagzeugspiel an vielen Orten noch verboten war. Thias hatte bereits einen Auftritt in der JVA Offenburg, doch auch er ist wie seine beiden Bandmitglieder relativ aufgeregt bis das Konzert beginnt.

Publikum

Rund 60 Gefangene haben sich für das Konzert angemeldet. Es ist Teil eines von dem "Verein für Gefangenenhilfe" mitfinanzierten Bonusprogramms, das Frank Meyer, Abteilungsleiter der Sport- und Freizeitabteilung der JVA mit seinen Kollegen Sven Bayer und Sven Stöcks organisiert hat. Die Inhaftierten betreten größtenteils lächelnd und sichtlich erfreut über die Abwechslung die Kirche der JVA, in der das Konzert stattfindet. Die Insassen nehmen auf den Holzbänken rund um die vor dem Altar stehende Band Platz. Einer der Häftlinge fragt, ob man mitsingen dürfe, was der Frontsänger Richy ausdrücklich bejaht.

Stimmung

Spätestens beim dritten Song – es ist Johnny Cashs "Folsom Prison Blues" – bricht das Eis und viele der jüngeren und älteren Männer im Publikum beginnen im Takt des treibenden Kontrabasses mit den Füßen zu wippen. Die meisten der Gefangenen sind begeistert von den authentisch und energetisch dargebotenen Interpretationen alter Rock'n'Roll und Rhythm'n'Blues Songs und honorieren ihre Begeisterung mit Applaus am Ende jeder Nummer.

Die Band nimmt nach jedem Song Kontakt mit den Gefangenen auf und versucht den Knast-Kontext mit der "gemeinsamen Sprache Musik" vergessen zu machen. Je mehr sich das eineinhalbstündige Konzert dem Ende neigt, umso deutlicher sieht man den Inhaftierten jedoch an, dass sich Ernüchterung in ihren Gesichtern breitmacht und der Gefängnisalltag bald wieder losgeht. Währenddessen stehen vier JVA-Beamte im Hintergrund und nicken im Takt des druckvollen Kontrabasses.

Die Set-Liste

Das Trio spielt viele Blues- und Rockabilly-Klassiker, darunter stechen vor allem die den Gefängnis-Kontext thematisierenden "Folsom Prison Blues" und "25 Minutes To Go" heraus. Bei "Johnny B. Goode" stimmt das Publikum im Refrain mit ein und klatscht begeistert im Takt. Die einzige Eigenkomposition "Get Me A Pint" auf der Songliste kommt als einer der letzten Songs und Elvis Presleys "It"s Now or Never" sorgt improvisiert und durch das Publikum angeregt noch für das Highlight des Auftritts.

Was in Erinnerung bleibt

In der letzten halben Stunde des Konzerts fordern die Inhaftierten einen älteren Mitinsassen aus der ersten Reihe erneut zum Singen auf. Er hatte sich bereits im Vorfeld als ziemlich textsicher hervorgetan. Auf seinen Wunsch hin, spielen TTR gemeinsam mit ihm Elvis Presleys "It’s Now or Never" und übergeben ihm dafür das Mikrofon. Seine Mithäftlinge stimmen zahlreich in den Refrain mit ein und feiern den gemeinsamen Überraschungsauftritt mit standing ovations und Jubel. Am Ende des Konzerts bedanken sich viele der Häftlinge persönlich bei den Bandmitgliedern – hat man so auch nicht oft.



Fazit

Ein gelungener Gig im Stile von Johnny Cashs Gefängniskonzerten für TTR und ein besonderer Nachmittag mit Rock 'n' Roll und Blues für einige Insassen der JVA Freiburg.