Ein halbes Jahr alt und schon 800 Zuschauer: die Freiburger Band Vino Vino

Stefan Mertlik

Vino Vino gibt es erst seit einem halben Jahr. Deshalb verstecken sich die drei Musiker aber nicht im Proberaum, sondern spielen vor 800 Zuschauern im Vorprogramm von Otto Normal. Jetzt veröffentlichen sie ihre erste EP.

Es sind nur noch wenige Wochen bis zum 1. April 2019 – der Tag, an dem Vino Vinos Debüt-EP "Twentyone" erscheint. Und obwohl noch nicht alles im Kasten ist, wirkt Sänger und Bassist Marvin entspannt. Er freue sich auf das, was nach der Veröffentlichung geschieht. Fünf Songs nahm die Band in kürzester Zeit auf. Die Grundideen stammen von Marvin, ausgearbeitet wurden die Stücke von der kompletten Band.


Wein Wein – der Name ist Programm

Vino Vino, das sind neben Marvin Schlagzeuger Phil und Gitarrist David. Sie lernten sich auf dem Southside Festival 2018 kennen, mochten sich auf Anhieb und verbrüderten sich mit Wein. Bereits auf dem Zeltplatz kam die Idee zur Bandgründung. Ein Name lag dank der geteilten Liebe für alkoholische Traubensäfte ebenfalls auf der Hand. Wieder zuhause zeigte eine erste Probe, dass der Plan trotz Katerstimmung gut war.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Am ersten November 2018 spielten sie im White Rabbit als Vorband der britischen Punk-Kombo Death By Shotgun. Zwei Wochen später folgte vor 800 Zuschauern der Support für Otto Normal im E-Werk. "Rückblickend war es für uns natürlich sehr stressig, weil wir Konzerte zusagten, aber erst zwei fertige Songs hatten", erinnert sich Marvin und kann dabei die Freude über das Geschaffte nicht verbergen. Im Eiltempo erarbeiteten sie neue Lieder, die rechtzeitig fertig sein mussten.

Starthilfe von Otto Normal

Wie es der Name der EP verrät, sind alle drei Mitglieder 21 Jahre jung. Natürlich gibt es Rockbands wie Greta Van Fleet oder Van Holzen, die in diesem Alter schon die ganz großen Konzerte spielten, doch die Realität sieht für junge Bands in der Regel anders aus. Ein Mangel an Proberäumen und Auftrittsmöglichkeiten erschwert gerade dem Freiburger Nachwuchs den Start erheblich.

Vino Vino scheinen Glück zu haben. Phil studiert an der Hochschule Macromedia Schlagzeug im Hauptfach, weshalb die Band die dortigen Räumlichkeiten nutzen kann. Jetzt schon große Gigs spielen zu können, erklärt sich Marvin mit dem Anspruch, den die drei an das Projekt stellen: "Jeder von uns hat sieben bis acht Jahre Banderfahrung, deshalb wollten wir nicht bei null anfangen und in Jugendhäusern oder auf Bandcontests spielen."
Ein weiterer Grund für die frühen Meilensteine ist die starke Vernetzung mit der hiesigen Musikszene. Marvin gerät ins Schwärmen. Er zählt dutzende Bands auf. Darunter auch Otto Normal, die ihnen die so motivierende Starthilfe gaben. Als selbstständiger Fotograf begleitete er die Hip-Hop-Band für ein Jahr auf Konzerte und schloss dabei Freundschaft. Sebastian Scheipers, Gitarrist bei Otto Normal, wird Vino Vino zukünftig sogar live unterstützen.

Auf keinen Stil festlegen

Doch wie klingen Vino Vino, von denen es bisher so gut wie keine Mitschnitte gibt? "Wir benutzen wahnsinnig viele Elemente aus unterschiedlichen Musikrichtungen", erklärt Marvin, "mal ist es elektronisch, mal geht es in die Post-Hardcore-Richtung, mal in den Pop, Rock, Indie oder Alternative." Ein Adjektiv, das die Musik am besten beschreibt, lautet emotional. Die Lieder handeln von Selbstmord, Entfremdung und Flucht, sollen aber nur Impulsgeber sein, um Hörerinnen und Hörer an eigene Erfahrungen zu erinnern.

Auf ihr Alter möchte Marvin trotz des EP-Titels "Twentyone" nicht reduziert werden: "Viele Songs handeln von Themen, die auch Menschen mit 30, 40 und 50 betreffen, da zwischenmenschliche Beziehungen niemals aufhören." Tatsächlich könnten Vino Vino bei einem breiteren Publikum punkten. Ihr Sound fordert zwar heraus, ist aber trotzdem eingängig. Und sollte der große Erfolge nicht kommen, bleibt Marvin auch weiterhin entspannt: "Wir erwarten nicht, dass jeder die EP mag. Wenn wir zufrieden sind, reicht uns das."
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