Ein Georgier betreibt in Tiflis einen "Freiburg-Döner"

Holger Lühmann

SC-Freiburg-Poster, Schwarzwald-Postkarten und eine Kuckucksuhr hängen an den Wänden. Warum Koba Bebiashvili in der georgischen Hauptstadt das Döner Haus Freiburg eröffnet hat:



Wer aus Freiburg nach Tiflis reist, kann die deutsche Botschaft – einen herrschaftlichen Kolonialpalast mit Marmorsäulen – getrost links liegen lassen. Schließlich lockt ein Besuch in der südbadischen Botschaft: ein Schnellrestaurant, mit dem Namen "Freiburg-Döner".


SC-Freiburg-Poster, Schwarzwald-Postkarten und eine Kuckucksuhr – alles mitten in Tiflis, der Hauptstadt der kaukasischen Republik Georgien. Koba Bebiashvili hat seinen Laden so eingerichtet, dass er vom Küchenbereich aus stets freie Sicht auf das Münster und den Schwarzwald hat. Mit dem Namen Freiburg-Döner erinnert Koba an seine Studienzeit im Breisgau.

Die Reminiszenz an Freiburg wirkt hier keineswegs fehl am Platze, denn es gibt einige Parallelen: Freiburg hat fast so viele Sonnenstunden wie die georgische Hauptstadt und beide Städte sind umringt von Bergen – neuerdings hat Tiflis sogar einen Pendelzug am Hang, ähnlich der Schlossbergbahn in Freiburg.

Kobas Imbiss liegt vor einer Metrostation. Weil die Pendler wenig Zeit haben, konzentriert sich die Speisekarte auf das Wesentliche. Neben kaukasischen Köstlichkeiten gibt es vor allem deutsch-türkische Gerichte. "Bei Döner und Falafel orientiere ich mich vor allem an der Zubereitung, wie ich sie aus Deutschland kenne", sagt Koba. "Dort wurde der Fladen ohne Fleisch, Soße und Krautsalat geröstet, hier in Tiflis jedoch pflegt man den kompletten Döner im Ofen zu grillen. Aber das ist ungesund." Und nicht nur das: Der georgische Döner, meint Koba, werde traditionell mit Majonaise gemacht. Als er ihnen seine deutsche Variante servierte, hätten anfangs viele Kunden mit dem Kopf geschüttelt. "Doch mittlerweile sind die Meisten hier überzeugt von Geschmack und Qualität."



Zeit genug, sie zu erlernen, hatte Koba. Zwölf Jahre lang hat er in Freiburg studiert – Geschichte, Politik und das Leben in Deutschland. Vor zwei Jahren ist er in seine Heimat zurückgekehrt. "Nach dem Studium war es nicht einfach, in Freiburg zu bleiben", meint der Jungunternehmer. "Denn Georgien liegt außerhalb der Europäischen Union und so brauchen wir immer ein Visum für Deutschland." Obwohl er gehen musste, lassen ihn seine Erinnerungen nicht los, zumal noch seine Schwester mit ihrer Familie in Freiburg wohnt.

Einen besonderen Platz an der Fotowand im Laden nehmen die Stars des Sportclubs ein. Kein Wunder: Als Koba Ende der 1990er Jahre nach Freiburg kam, fühlte er sich im Stadion wie zu Hause. Es war die große Zeit der Georgier beim SC. Seine Landsleute Alexandre Iaschwili und Lewan Kobiaschwili spielten den Sportclub 1998 in die Erste Bundesliga. Bis heute verfolgt Koba die Bundesligatabelle und die Spielberichte der Freiburger. Der nächste Stadionbesuch jedoch steht erst 2015 an; dann ist ein längerer Urlaub in Deutschland geplant.

Bis dahin jedoch kommt Freiburg zu ihm, Exil-Georgier, die in Freiburg leben, aber auch Freunde aus der Zeit in Deutschland. "Manch einer bringt mir dann auch Postkarten oder Plakate mit, die meine Freiburg-Wand bereichern," erzählt er – und fügt lächelnd hinzu: "Wenn ich schon keine Schwarzwälder Kirschtorte servieren kann, so zumindest ein Gefühl davon, wie schön es in Freiburg war."

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[Fotos: Holger Lühmann]