Start-Up

Ein Freiburger und zwei Colmarer wollen euch durch Fähigkeiten vernetzen

Jana Luck

Mal eben kurz das Fahrradlicht reparieren lassen? Spitzen schneiden? Jeder kann was, aber niemand alles: Deshalb haben drei Tüftler eine App entwickelt, mit der man Fähigkeiten anbieten und suchen kann – im direkten Umfeld. In Freiburg launchen und testen sie ihre App imachs.

Die Idee…

… hatte Dominic Lammert, als er ein Auslandssemester in Frankreich, Aix-en-Provence, machte. Dort suchte er einen Tandempartner, um sein Französisch zu verbessern. Beim Blick auf das Schwarze Brett dachte er: so eine Vernetzung muss doch auch digital gehen.

Das Produkt

Als Dominic dann Rachid Mahdi und Amine Cherrered kennenlernte, begannen sie gemeinsam, Dominics Idee in die Tat umzusetzen. Seit Anfang dieses Jahres tüfteln die drei an einer App, die Nutzer anhand von Fähigkeiten vernetzt. Man kann so genannte Hilferufe empfangen oder versenden. "Das Besondere dabei ist, dass man nur Hilferufe erreicht, die man selber aufgrund der angegebenen Fähigkeiten beantworten kann und nur dann, wenn man sich in der Nähe befindet", sagt Dominic.

"Nähere Umgebung" heißt dabei maximal zehn Kilometer Entfernung. Es geht nicht darum, Fähigkeiten direkt zu tauschen (Lasagne gegen Unkrautjäten), denn so eine direkte Vernetzung sei eher unwahrscheinlich, meint Dominic. Stattdessen geben Nutzer ihre Fähigkeiten in der App an und können dann gezielt Hilferufe suchen oder beantworten. "Das ist wirklich motivierend", sagt Dominic, "wenn man alle seine Fähigkeiten in den 28 Rubriken angegeben hat, sieht man mal, was man alles kann!"

Datenschutzrechtliche Sorgen, weil die Nutzer viele persönliche Informationen von sich preisgeben, habe das Team nicht. "Die Leute geben ja nur von sich an, was sie möchten. Außerdem sind die meisten glaube ich mittlerweile für das Thema sensibilisiert."

Die Gründer

Dominic, Rachid und Amine sind das Team hinter imachs. Sie haben sich vor allem wegen der Entwicklung zusammengeschlossen. Dominic ist 27 Jahre alt und Digital-Projektmanager im Freiburger Verlag Herder, er leitet – wie passend – den Start-Up Corner. Das ist ein Förderprogramm für Innovationen. Rachid, 32, und Amine, 28, kommen aus Colmar. Sie bringen Fähigkeiten im Ingenieurwesen, Marketing und für Kundenbeziehungen mit.

Zukunftspläne

Aktuell läuft die App nur in Freiburg. "Das ist sozusagen unser Test", sagt Dominic. Wenn der gut läuft, ist die nächste Station Straßburg. Das Ziel ist, imachs in ganz Deutschland laufen zu lassen.

Tipps für andere Gründer

"Man muss aktiv eine Idee suchen", sagt Dominic. "Es gibt so viele Metaphern wie ’einen Geistesblitz haben’, ’von der Muse geküsst werden’ – letztendlich kommt es aber darauf an, aktiv an einem Projekt zu arbeiten." Und: eine Idee sei am Anfang nie gut. Dominic: "Um bei den Metaphern zu bleiben: Die Perle muss geschliffen werden." Das heißt vor allem, sich viel Feedback zu holen, indem man "den Markt sofort betritt" – also aus Fehlern zu lernen und zusammen mit den Nutzern das Produkt zu verbessern.

Finanzierung und Geschäftsmodell

"Wir haben am Anfang vor allem unsere Zeit investiert", sagt Dominic. Weitere Finanzierung brauchten sie bisher nicht, das Team hat aber ein Stipendium vom Social Innovation Lab
im Freiburger Kreativpark Lokhalle bekommen: einen Arbeitsplatz für ein Jahr. "Das war Gold wert", meint Dominic. In Freiburg wollen die Gründer erst einmal lernen und die App verbessern. Wenn imachs sich etabliert hat, soll es möglicherweise bezahlte Prämienaccounts für Freiberufler geben, um ihre Dienstleistungen zu bewerben – "aber eher im Laienbereich", betont Dominic. Sonst könnte es steuerlich-rechtliche Probleme geben. Eine Vermittlungsprovision werde es aber nie geben und die App soll immer kostenlos bleiben.


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