Ein Freiburger Judoka bei der Sommer-Universiade: Interview mit Soshin Katsumi

Fabian Vögtle

Soshin Katsumi aus Freiburg ist einer von über 200 Athleten, die der Deutsche Hochschulsportverband zur 27. Sommer-Universiade nach Russland geschickt hat. Bei den Weltsportspielen der Studenten nehmen derzeit rund 13.000 Teilnehmer aus mehr als 170 Ländern teil. Für den Judoka, der gerade seinen 25. Geburtstag gefeiert hat, ist es nach der Teilnahme im chinesischen Shenzhen vor zwei Jahren bereits die zweite Universiade. Direkt aus dem Athletendorf in Kazan hat er Fabian Vögtle von seinen Eindrücken vor Ort erzählt.



Die Eröffnungsfeier der Universiade am Wochenende mit Einlauf der Nationen, Entzündung der Flamme sowie der Rede von Wladmir Putin stand der üblichen Show bei Olympischen Spielen in kaum etwas nach. Wie hast du die Atmosphäre erlebt?

Soshin Katsumi: Die Stimmung war schon sehr gut als wir noch draußen auf den Einmarsch gewartet haben. Es wurde gesungen und getanzt und wie wild Fotos geschossen. Drinnen haben wir das alles auf Sitzplätzen erlebt. Die Show war sehr imposant, und man kam aus dem Fotografieren und Filmen kaum raus. Dass Putin da sein wird, ahnten wir schon, aber wirklich beeindruckt haben mich dann die Grüße der russischen Astronauten aus dem All.

Die deutsche Botschaft hat das ganze Team vor Beginn zu einem Empfang eingeladen. Während den kommenden Tagen seid ihr im Athletendorf untergebracht. Fühlst du dich schon wie ein Olympionike? Wie ist die Stimmung unter den Studenten verschiedener Nationen im Vergleich zu sonstigen Wettkämpfen?

Ich habe das ganze ja schon mal bei der Universiade 2011 in China erlebt, und es verhält sich hier auch sehr ähnlich. Die Stimmung innerhalb des deutschen Teams ist klasse. Alle grüßen sich immer freundlich, und natürlich kennen wir auch die meisten Athleten anderer Nationen aus unserer eigenen Disziplin. Es sind hier ja auch viele Olympioniken mit dabei (etwa Turner Fabian Hambüchen), aber die Stimmung ist nicht so sehr angespannt wie bei Olympia, weil nicht alle Nationen und Disziplinen gleich viel Wert auf dieses Event legen. Bisher war die Atmosphäre ziemlich entspannt, aber so langsam komme ich auch in Wettkampfstimmung.



Du studierst in Stuttgart Industrial Design. Wie viel Zeit bleibt da zum Training, und wie sah deine Vorbereitung auf die Universiade aus?

Ich trainiere täglich zwei bis fünf Stunden. In der  Woche komme ich so auf etwa 20 Stunden - mal etwas mehr, mal etwas weniger. In der Uni bin ich dann die übrige Zeit. Meine Vorbereitung für die Universiade lief genauso wie für jeden anderen Wettkampf auch. Techniktraining und Wettkampftraining sind die beiden zentralen Bestandteil. Natürlich gehören Ausdauer und Krafttraining auch dazu. Die Gewichtung variiert bei jedem Judoka. Ich benötige beispielsweise viel Techniktraining um mich dann im Wettkampf wohl zu fühlen, wobei das Wettkampftraining doch am meisten Spaß bereitet. Krafttraining versuche ich auf einem Minimum zu halten, des Gewichts wegen. Deshalb habe ich mit Gewicht stemmen erst hier nach der Anreise begonnen.

Welche Ziele hast Du Dir für die kommenden Tage gesteckt und was kommt noch in diesem Jahr?

Dieses Jahr hatte ich schon einige sehr anspruchsvolle Wettkämpfe. Im April bin ich bei der EM gestartet, aber leider ausgeschieden. Dieses Jahr ist die Universiade im Judo sehr stark besetzt - in meiner Gewichtsklasse habe ich auch schon Weltmeister und viele weitere aus der Weltspitze gesichtet. Dennoch will ich meinen fünften Platz von 2011 toppen. Also wird es zwar sehr hart, aber eine Medaille habe ich auf jeden Fall ins Auge gefasst. Am 20.Juli folgen gleich die German Open in Sindelfingen und bald danach die WM, wobei hier noch keine Nominierung vorhanden ist.



Ringen wird in Zukunft wohl nicht mehr olympisch sein. Auch Judo ist außerhalb von Olympia in der Öffentlichkeit nicht immer so stark präsent. Was macht für Dich die Sportart aus?

Die Entscheidung des IOC Ringen aus dem Kreis der olympischen Sportarten zu nehmen,  hat uns sehr geschockt, denn es ist eine der Sportarten die schon immer mit Olympia assoziiert werden. Judo ist leider echt selten in den Medien. Wenn man Glück hat, sieht man bei Olympia vielleicht mal etwas im TV, was wirklich schade ist, denn Judo ist überaus faszinierend. Man kann sich 1:1 mit seinem Kontrahenten messen und ist alleine auf der Matte. Da gibt es keine Ausreden mehr. Man muss alles geben und zeigen was man sich im Training erarbeitet hat und oft werden schon kleinste Fehler mit einer Niederlage bestraft. Denn ein Kampf kann in zehn Sekunden vorbei sein, man kann aber auch genauso bis zur letzten Sekunde (8min) auf seine Ausdauer angewiesen sein. Aber vor allem: Jeder Gegner ist anders. Deswegen muss man auch mal schnell umdenken können. Es gibt kaum eine Sportart die so vielseitig ist wie Judo.

Sehen wir Dich auch bei den Olympischen Spielen in Rio 2016?

Ich arbeite dran und das ist auch mein langfristiges Ziel. Die Qualifikation ist im Judo extrem hart, denn es geht über den gesamten Olympiazyklus (Olympiade). Man muss sich bei World Cups oder Grand Slams Weltranglistenpunkte erarbeiten. Die besten knapp 30 Athleten im Mai 2016 sind dann bei den Spielen in Rio dabei. Und natürlich nur ein Kämpfer pro Nation. Momentan springe ich in der Weltrangliste bei Platz 60 rum. Also habe ich da schon noch etwas vor mir.  

Zur Person

Soshin Katsumi betreibt seit seiner Kindheit Judo. Der 25-Jährige gehört der FT Freiburg an und ist in der Bundesliga derzeit für den JC Ettlingen aktiv. Er startet in der Gewichtklasse bis 73kg. Zu seinen bisher größten Erfolgen gehört der Gewinn der Deutschen Meisterschaften 2010 sowie den Vize-Titel bei der EM der U23 im selben Jahr. In diesem Jahr holte er beim World Cup in Warschau Bronze. Bei der Universiade 2011 erreichte er den 5. Platz.

Kampf um Bronze beim World-Cup 2013 in Warschau

Quelle: YouTube


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[Fotos: Privat]