Ein Freiburger hat eine App entwickelt, die auch im niederländischen Wahlkampf eingesetzt wird

Joshua Kocher

Plakatkarte.de heißt die App, die der ehemalige Freiburger Stadtrat Sebastian Müller entwickelt hat. Sie hilft dabei, das Plakatieren zu organisieren – zum Beispiel im Wahlkampf in den Niederlanden.

Am 24. September ist Bundestagswahl. Der Wahlkampf kommt spätestens seit dem #schulzzug langsam ins Rollen und bald ist auch schon wieder Zeit zum Plakatieren. Von jeder Straßenecke lachen uns in Kürze die sanftmütigen Politikgesichter entgegen und werben um unsere Stimme. Wer die Plakate eigentlich aufhängt, wissen nur Wenige.


Ebenso, wie die Plakatierer den Standort jedes einzelnen Plakats nach der Wahl erinnern. Die Antwort darauf liefert der ehemalige Freiburger Stadtrat Sebastian Müller. Der Soziologie-Master-Student hat eine App entwickelt, mit der man die aufgehängten Plakate verorten und so nach der Wahl wiederfinden kann: Die Plakatkarte.

Schwierig, den Überblick zu behalten

Wer schon einmal für einen Wahlkampf plakatiert hat, kennt das Problem: Es gibt nur wenige Plätze, die in Frage kommen, die Plakate müssen zu bestimmten Fristen abgehängt und dafür erst einmal wiedergefunden werden. Leicht verliert man den Überblick und es kommt auch durchaus vor, dass Plakate beschädigt oder gestohlen werden.

Sebastian Müller hat eben diese Erfahrungen machen müssen – für "Junges Freiburg" begleitete er fünf Kommunalwahlkämpfe. Gerade in solchen breit angelegten Plakatieraktionen ist es schwierig, die Übersicht zu behalten. Viele Plakatierer schnappen sich einfach eine Stadtkarte und zeichnen die Standorte von Hand ein. Das hat sich seit dem allerersten Wahlkampf nicht wirklich verändert.

Im Oktober 2016 ging die App an den Start

Diesen Umstand nahm sich der 33-Jährige zu Herzen und suchte nach einer Lösung. Nach anfänglichem Herumexperimentieren mit Google Maps, das sich als äußerst zeitaufwendig erwies, kam ihm Ende 2015 die Idee, eine App zu entwickeln, die genau dieses Problem löst.

Müller holte sich verschiedene Angebote von Programmierern ein und wurde in Dresden fündig. Im Oktober des vergangenen Jahres war es dann so weit: die App "Plakatkarte" wurde für Android und iOs veröffentlicht.

Video: Pitch der App



Um sich anmelden zu können, ist eine Registrierung notwendig. Diese soll in Zukunft zwischen fünf und zehn Euro pro Monat kosten. Überschaubar, wenn man bedenkt, dass eine Kampagne mit 1000 Plakaten rasch zwischen 3500 und 4000 Euro kosten kann. Nach der Anmeldung lässt sich ohne großen Aufwand eine Karte aufrufen, in der man die Plakate mit einem Klick auf den Standort verorten kann. Dafür ist nicht zwingend eine Internetverbindung notwendig. Die Standorte werden über GPS erkannt.

Zusätzlich können sie benannt und Fotos hinzugefügt werden. Auch zwischen verschiedenen Plakatieren einer Kampagne können sie ausgetauscht werden. Das macht es einem Wahlkampfmanager leichter, zu überprüfen, wo noch plakatiert werden muss. Auch lassen sich Plakate als defekt oder geklaut markieren und können dann ausgetauscht werden.

Plakatkarte wird auch in den Niederlanden verwendet

Ein vergleichbares Projekt gibt es bereits in Hamburg. Eine hanseatische Werbeagentur führt die App "Plakatmanager", betreibt allerdings kein Marketing dafür.

Müllers Anwendung "Plakatkarte" wird derzeit im Wahlkampf in den Niederlanden sowie von den Grünen bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein verwendet. Auch professionelle Plakatierunternehmen in Freiburg, Heidelberg, Dresden und Österreich nutzen die Anwendung bereits – für (unpolitische) Veranstaltungen ist sie natürlich ebenfalls nutzbar.

Plakatierphase beginnt etwa sechs Wochen vor der Wahl

"Für mich wäre es besonders interessant, wenn Parteien die App als Gesamtpaket kaufen und personalisieren lassen, um sie dann ihren Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung zu stellen", sagt Müller. Den Freiburger Parteien hat er die App bereits vorgestellt und darüber diskutiert. Die Plakatierphase beginnt jedoch meist erst sechs Wochen vor der Wahl.

Bei extremistischen Parteien betreibt Müller kein Marketing. Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass diese die App verwenden – anmelden kann sich schließlich jeder. Außerdem würde ein Ausschluss mit dem Gleichheitssatz im Verfassungsrecht kollidieren.

Für die Zukunft kann sich Müller vorstellen, mit einer ähnlichen App den Haustürwahlkampf zu begleiten. Er selbst würde gerne in die Politikberatung wechseln. Derzeit ist er noch beim Rettungsdienst und als Moderator bei Bürgerbeteiligungen aktiv.

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