Ein Freiburger beim Strongman Run

Amelie Herberg

Extremsportler André Mergener (34) aus Freiburg startet am Sonntag beim Strongman Run im niederrheinischen Weeze, auch genannt "der stärkste Lauf aller Zeiten". Wie er sich auf die ungewöhnliche Aktion vorbereitet hat, hat er fudder-Autorin Amelie verraten.



Wenn auf einen die Beschreibung „Ein Mann wie ein Baum“ passt, dann auf André Mergener. Sein schwarzes Poloshirt spannt über den Bizepsmuskeln, ein bisschen erinnert er an eine Mischung aus Popeye und Meister Propper. Zu verdanken hat er die athletische Figur seinem fast täglichen Training. „Der Mooswald ist sozusagen mein Spielplatz“ erzählt André Mergener.


Statt wie alle anderen Jogger und Spaziergänger die befestigten Wege zu nehmen, rennt er buchstäblich querfeldein durch den Wald, nimmt jeden Hügel, jede Matschgrube und jeden umgefallenen Baumstamm mit. Noch dazu hält er sich beim Kickboxen und beim Krafttraining fit. Fußball habe er ebenfalls lange Zeit gespielt und sogar den Trainerschein gemacht. Diese Vielseitigkeit ist zur Vorbereitung auf den 'Fisherman's Friend Strongman Run' allerdings auch nötig.

Denn der Minzbonbon-Hersteller und Hauptsponsor des Events könnten seinen Werbeslogan „Sind sie zu stark, bist du zu schwach“ im Grunde eins zu eins auf das Rennen übertragen. Die insgesamt 18 Kilometer lange Strecke ist kein gepflasterter Asphalt einmal quer durch Weeze, sondern ein Querfeldein-Parcours mit 32 Hindernissen, bestehend aus riesigen Matschgruben, Wassergräben und Netzen, durch die sich die Läufer kämpfen müssen. Um den Teilnehmern zusätzlich Respekt einzuflößen und das Ganze noch etwas spektakulärer zu gestalten, tragen die Stationen dann auch solche Namen wie Der Golf von Weeze oder Danger Zone.

Sogar einen 8 m hohen ehemaligen Flugzeug-Hangar muss André Mergener auf seinem Weg zum Ziel bezwingen. Ein großer Teil der 7000 Teilnehmer wird es bis dahin allerdings gar nicht schaffen. André Mergener erinnert sich an seinen Start im vergangenen Jahr: „Viele haben vorher aufgegeben, weil sie die Hindernisse nicht überwinden konnten und sich zu schnell ausgepowert haben.“ Oder, weil sie einfach zu langsam waren. Jeder, der für die Strecke mehr als 3,5 Stunden braucht, wird nicht mehr gelistet.

Ins Ziel hat es der Freiburger allerdings auch schon 2008 geschafft. Schon jetzt graut es ihm vor der riesigen Schlammgrube, dem Loch Nass in Weeze: „Der Matsch ist wirklich das Schlimmste, er zerrt und beißt richtig in den Waden.“

Die Vorstellung, an einem Sonntagnachmittag nassgeschwitzt durch eine riesige Matschlache zu hechten, noch dazu bei frühlingshaften Temperaturen, Wind und vielleicht sogar Regen, hält ihn trotzdem nicht davon ab, dieses Jahr wieder an den Start zu gehen. „Warum das alles?“, mögen sich viele fragen, die den Sonntagnachmittag, statt in einer Matschgrube lieber auf dem Sofa vor dem Fernseher verbringen. Eine Antwort auf diese Frage weiß André Mergener selbst nicht so genau. Es mache ihm eben einfach Spaß.



Vor acht Jahren hat er bei einer ähnlichen Veranstaltung zum ersten Mal teilgenommen und sich mit dem Virus für diesen Sport, für den es eigentlich gar keinen richtigen Namen gibt, infiziert. 2001 war das, in der Fernsehsendung 'Mega Man', die damals auf RTL II lief. Danach folgten der 'XtremeMan' und die 'Highland Games'. Und nun eben der zweite Start beim Fisherman`s Friend Strongman Run, das „Leiden des Las Vegas“, wie es in Weeze auch genannt wird.

Klar, es wird jedes Jahr mehr Überwindung“, gibt André Mergener zu. Ans Aufhören denkt er trotzdem noch lange nicht, plant stattdessen sogar für die Zukunft. Er könne sich gut vorstellen, eine ähnliche Veranstaltung in Freiburg auf die Beine zu stellen, auch wenn das viel Arbeit und viel Organisation bedeuten würde. Doch die Gedanken daran schiebt er bis Sonntag erstmal zur Seite, denn im Moment gilt seine volle Konzentration Loch Nass, Matsch Pitt und dem Golf von Weeze.

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Web: Strongman Run

[Fotos: (c) André Mergener/Fotograf: Axel Gill]