Ein Freiburg-Wettkampf: Wer trägt sie zuerst, die kurze Hose?

Marius Buhl

Jedes Jahr, wenn nach eiskaltem Februar der März die Straßen wärmt, entbrennt in Freiburg ein Wettkampf: Welcher Mann trägt zuerst 'ne kurze Hose? Dieses Jahr gab's einen Überraschungssieger:



Vermutlich ist es eine Art Wettbewerb: Jedes Jahr, es ist meist Anfang März und der Schnupfen rafft die halbe Stadt nieder, beginnen manche Männer Shorts zu tragen. Die Regel: Wer zuerst kurze Hosen anlegt, gewinnt. Die Botschaft: Ich bin ein Mann, ich friere nicht. Recht eindeutig waren die Kurzhosenträger bislang auch einer Gattung zuzuordnen. Kurze Hose im März, das hieß übersetzt: Gib mir einen Hammer und ich baue dir ein Baumhaus.


Zu erkennen war dieser Typ Mann an dem, was er durch den Verzicht auf langes Beinkleid freilegte. Kräftige Waden lugten da aus grünen Cargos hervor, zudem waren sie bleich und haarig. Karl Lagerfeld, von einem Reporter einst zu seiner Einschätzung zu eben diesem Modephänomen befragt, antwortete präzise: "Dumme Jungs."

Es war Sonntagnachmittag, als der diesjährige Gewinner dieses kapriziösen Kurzhosen-Kampfes die Kaiser-Joseph-Straße hinabging. Ein Schreck war jedoch nicht der frühe Zeitpunkt (in vergangenen Jahren wurden Sieger oft schon Ende Februar gekürt), es war die Shorts: blau, apart, seiden. Dazu kombinierte er ein weißes Hemd, eine kragenlose Wildleder-Jacke und feine Slipper und die ganze Erscheinung des Dandys sagte: Weder weiß ich einen Hammer zu schwingen, noch damit ein Baumhaus zu errichten.

Das Aufregendste am Blaubehosten aber waren seine Waden: braun gebrannt und gänzlich haarlos glänzten sie mit dem Rahmen des Rennrads um die Wette. Als ob das alles nicht genug wäre, hätte der Rennradler dann auch noch fast Karl Lagerfeld widerlegt: Unter seinem Arm klemmte eine Wochenzeitung. Dumm, so würde der Modepapst apodiktisch behaupten, sei der Ästhet dennoch. Schließlich bezahlte er seinen Sieg im Kurzhosen-Kampf mit einem Schnupfen.

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