Ein familiäres Festival für die Region: Open Air Endingen-Veranstalter Henning Kosog im Interview

Bernhard Amelung

Ein Höhepunkt im Sommerkalender: Seit 1978 findet im Schambachtal das Open Air Endingen statt. An diesem Wochenende treten Bands wie Rockin" Carbonara und Otto Normal auf. Wie sich das Festival entwickelt hat und ob er selbst noch Konzerte besucht, erzählt Veranstalter Henning Kosog im Interview.

Henning, welches Konzert hast du zuletzt besucht?

Henning Kosog: Ich war im Juni bei Iron Maiden in Freiburg. Das war mein sechstes Maiden-Konzert. Also eigentlich nichts Besonderes.

Dann wird Iron Maiden bald auf dem Open Air Endingen spielen?

Henning Kosog: Das würde mich freuen. Aber bei den Gagen-Forderungen kann ich als Veranstalter aktuell nicht mithalten. Es sei denn, ich gewinne irgendwann einmal im Lotto.

Kannst du als Veranstalter eigentlich andere Konzerte genießen?

Henning Kosog: Ich kann mich sehr gut fallen lassen, wenn das Konzert oder Festival außerhalb unserer Reichweite liegt. Bei den ganz großen Festivals wie Southside oder Happiness bei Pforzheim zum Beispiel. Bei kleinen Events kann ich die Veranstalterbrille nicht ausziehen. Ich schaue genau, was die anderen machen, wie es bei ihnen läuft. Rock am Bach in Kirchzarten ist ein gutes Beispiel. Ich habe großen Respekt vor den Jungs und ihrer Arbeit. Was die dort auf die Beine stellen, ist großartig.

Du bist seit 1994 beim Open Air Endingen mit dabei. Wie bist du zum Veranstalter-Team gekommen?

Henning Kosog: Beim zweiten Open-Air, das nach der längeren Pause in den Achtzigerjahren und Anfang der Neunziger wieder stattfand, war ich als Helfer dabei. Ich kannte die Leute, die das organisiert haben und habe einfach mitgemacht. Klassisches Kleinstadtgeschehen. Anders als heute. Da muss ich um jeden Helfer kämpfen.

Was hat sich verändert?

Henning Kosog: Mein Eindruck ist, dass sich viele Leute nicht mehr verbindlich festlegen wollen. Sie nehmen sich die Zeit dazu nicht, weil immer irgendetwas dazwischen kommen könnte.

"Das Open Air Endingen soll familiär und nahbar sein." Henning Kosog

Wie hat sich das Konzept des Open-Air-Festivals über die Jahre entwickelt?

Henning Kosog: Das Open Air Endingen war schon immer ein familiäres Festival, das guten Bands aus der Region eine Plattform bieten will. Junge, unbekannte Musiker sollen die Möglichkeit haben, mit bekannteren Künstlern aufzutreten. Daran hat sich nichts geändert. Über die Jahre sind wir jedoch größer geworden. Das Open-Air findet an zwei Tagen statt. Wir sind gewachsen, haben aber Sinn und Zweck dieses Festivals nicht aus den Augen verloren: Das Open Air Endingen soll nahbar sein.

Worauf blickst du gerne zurück?

Henning Kosog: Auf trockene Festivaltage. Wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Pech mit dem Wetter. 2017 mussten wir den Freitag komplett absagen. Nach einem Gewitter stand das Festivalgelände fünf Zentimeter hoch unter wasser. Da ging ein richtiger Fluss drüber. Wir konnten nur noch eine Art Afterparty im Festzelt anbieten.

Und vom Wetter einmal abgesehen?

Henning Kosog: Wir hatten die Bands Jupiter Jones und Die Happy zu Gast, den Rapper Das Bo. Viele musikalische Highlights.

Was verdirbt dir als Veranstalter die Laune?

Henning Kosog: Die Laune verderben, ist vielleicht zu stark formuliert. Ich finde jedoch schade, dass im ländlichen Raum die Wertschätzung für hochkarätige Musik zu kurz kommt. Wir holen Bands wie Jupiter Jones in unser kleines Endingen und es kommen nur 300 Gäste. Das verstehe ich nicht.

Was denkst du, woran das liegt?

Henning Kosog: Ich denke, es ist für viele Menschen einfacher, ein Straßen- oder Hoffest zu besuchen. Dort tritt eine Coverband auf, es herrscht eine Dauerbeschallung, man kann unbelastet hingehen und nur konsumieren. Im Vergleich dazu ist Musikkultur natürlich anstrengend.

Eine kuriose Anekdote aus deiner Zeit als Veranstalter?

Henning Kosog: Als wir 2011 Das Bo zu Gast hatten, konnten viele Besucher mit dem Namen nichts anfangen. Sie kamen, waren mit dem Künstler und der Musik nicht vertraut. Als er seinen Hit "Türlich, türlich" anstimmte, drehten sich die Besucher zu mir um und waren sehr erstaunt. Sie waren begeistert. "Was ihr hier aus dem Boden stampft, ist großartig", sagten sie. So ein ehrliches Feedback tut gut.

Was hast du für die kommenden Jahre geplant?

Henning Kosog: Vor einiger Zeit hatten wir einen Bandwettbewerb für Nachwuchsbands im Programm. Diesen mussten wir einstellen, weil die Bandlandschaft nicht so viel hergegeben hat. Das sieht seit ein paar Jahren wieder anders aus. Es gibt viele gute, junge Bands in der Region. Vielleicht wird es wieder einen Bandcontest geben.#
Henning Kosog

Henning Kosog, 39, ist der zweite Vorsitzende des Open Air Vereins, dem er zusammen mit Johannes Meyer vorsteht. Kosog, gelernter Werkzeugmechaniker, lebt in Herbolzheim.

Was: Open Air Endingen
Line-up: Shitstorm Surfers, Intoxicated, Hangrod, Rockin’ Carbonara (Freitag, 27. Juli) ; S.A.D., Casually Dressed, Ansa Sauermann, Walter Subject und Otto Normal (Samstag, 28. Juli)
Wann: Freitag, 27. Juli, und Samstag, 28. Juli, jeweils ab 18 Uhr
Wo: Schambachtal (bei der Traubenannahmestelle), 79346 Endingen

Eintritt: Karten gibt’s für 5 Euro (inklusive Getränkebon) an der Abendkasse, Besucher unter 16 Jahren haben freien Eintritt.

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