Ein Fahrer, zwei Fahrräder – ist das erlaubt?

Holger Schindler

Darf ein Radler ein zweites Fahrrad mit der einen Hand neben sich her rollen, während er mit der anderen Hand am eigenen Lenker steuert? Oder muss er dafür 60 Euro hinblättern? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie jetzt ein Fall aus Freiburg zeigt.



Auch fürs städtische Ordnungsamt war bei einem solchen Fall die Sachlage offenbar derart unklar, dass man ein bereits eingeleitetes Bußgeldverfahren schlichtweg so lange liegen ließ, bis es verjährt war (fudder-Story dazu: So viel müssen Fahrradfahrer zahlen, wenn sie gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen).


Die ganze Geschichte kam am 24. Oktober 2008 ins Rollen: Ein Freiburger IT-Spezialist, nennen wir ihn Christoph Schlicke (sein wirklicher Name ist der BZ bekannt), kauft sich einen neuen Drahtesel und radelt in besagter Weise heim – einhändig lenkend, mit der anderen Hand das zweite Rad neben sich führend. Als er durch die Joseph-Brandel-Parkanlage in Haslach fährt, stoppt ihn ein Polizist.

So gehe das nicht, erklärt ihm der Ordnungshüter. Was denn konkret nicht in Ordnung sei, will der Zurechtgewiesene wissen – womit er den Polizisten wohl schon leicht in Rage bringt. Viel zu unsicher sei diese Fahrweise, argumentiert der Beamte. Das weist Schlicke jedoch von sich. Er fahre langsam und vorsichtig und habe die Sache im Griff.

Daraufhin entgegnet der Polizist, so schildert es Schlicke heute, mit nur einer Hand am Lenker könne man doch überhaupt nicht richtig bremsen – worauf Schlicke antwortet: "Ich glaube mich zu erinnern, dass ich eben noch unterwegs war, dann auf Ihr Zeichen hin gebremst habe und schließlich direkt vor Ihnen zum Stehen gekommen bin. Ich kann Ihnen das aber gern erneut vorführen, wenn Sie wollen."

Nun ist der Ordnungshüter richtig sauer. Er nimmt Schlickes Personalien auf und erklärt dem Radler laut dessen Schilderung: "Wenn ich den Bußgeldkatalog nur lang genug durchblättere, werde ich schon etwas finden, womit ich Sie drankriege."



Ladung nicht vorschriftmäßig?

Etwa vier Wochen später erhält Christoph Schlicke Post vom Ordnungsamt – einen Bußgeldbescheid über 60 Euro. Der Vorwurf: "Sie führten das Fahrzeug, obwohl die Ladung nicht vorschriftsmäßig war." Schlicke marschiert unverzüglich aufs Ordnungsamt, um zu widersprechen. Das Bußgeld erscheint selbst der Sachbearbeiterin unangemessen. Schlicke solle, so ihr Vorschlag zur Güte, stattdessen 30 Euro an die Stadtkasse zahlen, dann sei alles erledigt. Doch auch dies verweigert der Beschuldigte . Die Dame vom Amt erklärt ihm zum Abschied, man werde die Sache nun nochmals prüfen und dann entweder unverändert weiter betreiben oder den Tatbestand anpassen oder einstellen. Auf jeden Fall werde er schriftlich benachrichtigt.

Seither hat Christoph Schlicke nichts mehr gehört vom Ordnungsamt. Auf Anfrage der BZ erklärte nun Petra Zinthäfner vom Presseamt der Stadt, die Sache sei mittlerweile verjährt, eine Mitteilung gehe in Kürze raus. "Wir sind auf einen Hinweis der Polizei hin tätig geworden. Der Ausgang der Angelegenheit wäre aber nicht klar gewesen, deswegen wurde nichts weiter unternommen."

Rechtslage nicht eindeutig

Der Freiburger Fachanwalt für Verkehrsrecht Gernot Müller-Dalhoff von der Kanzlei Faller & Abraham bestätigt, dass die Rechtslage nicht eindeutig ist: "Es gibt kein ausdrückliches Verbot für diese Art, ein zweites Rad mitzuführen. Allerdings gelten natürlich die allgemeinen Vorschriften der Straßenverkehrsordnung.

Man muss also stets Rücksicht und Vorsicht walten lassen. Insofern kann im Einzelfall durchaus eine Ordnungswidrigkeit vorliegen. Am Ende müsste ein Gericht die konkreten Umstände bewerten und entscheiden." Christoph Schlicke jedenfalls ist froh, dass er auf seinem Recht beharrt hat.

Dieser Artikel ist heute ebenfalls in der Badischen Zeitung erschienen. [Fotos: Thomas Kunz]

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