Ein Experte gibt Tipps, wie Du Deine Semesterferien am besten organisierst

Gina Kutkat

Samstag endet das Sommersemester 2017 der Uni Freiburg. Die Studierenden haben nun zweieinhalb Monate Zeit, für Prüfungen zu lernen, Hausarbeiten zu schreiben oder sich zu erholen. Wie man alles schafft, erklärt Psychologe und Trainer Jürgen Smettan im Interview.

Herr Smettan, für die Freiburger Studierenden beginnen bald die Semesterferien. Was raten Sie: erstmal eine Woche Pause oder gleich weitermachen?

Semesterferien heißt ja nicht gleich Freizeit: Viele haben Prüfungen, Klausuren oder müssen eine Bachelor-Arbeit schreiben. So frei ist diese freie Zeit also gar nicht. Man sollte sich fragen: Wie ist mein Plan? Welche Klausuren stehen an, muss ich eine Hausarbeit schreiben? Oder drückt der Geldbeutel? Für jeden ist die Situation eine andere. Wenn man wirklich Freizeit hat, sollte man allerdings richtig Ferien machen und die Zeit genießen.

Die vorlesungsfreie Zeit dauert etwa zweieinhalb Monate. Sollte man sich einen Zeitplan erstellen?

Pläne halte ich für absolut notwendig. Und zwar solche, die den gesamten Zeitraum bis zum wichtigen Termin abdecken. Der Plan sollte also am ersten Tag beginnen und bei der Deadline – beispielsweise einer Hausarbeit – enden. So hat man seine ganze Zeitressource im Blick. Dann ist es wichtig, den Zeitraum sinnvoll zu verplanen, ein paar Termine eintragen reicht nicht.

"Große Probleme erledigt man, in dem man sie in viele kleine zerlegt."

Zum Beispiel: Fünf Stunden Hausarbeit pro Tag, den Rest Freizeit. Oder ist das für jeden verschieden?

Individuell ist sowieso immer alles. Jeder hat eine andere Lernkurve, manche sind Frühaufsteher, manche Nachteulen. Ich würde empfehlen, die gesamten Aufgaben, die man vor sich hat, zu zerlegen. Es gibt den schönen Spruch: "Große Probleme erledigt man, in dem man sie in viele kleine zerlegt." Das ist ein Standard-Prinzip, dass bei allen Aufgaben immer wieder bedacht werden sollte. Der Schlüssel zum Erfolg, wie ich finde.




Wie könnte so ein Zeitplan beispielsweise für eine Hausarbeit aussehen?

Es gibt einen Fünf-Punkte-Plan, den ich in meinen Seminaren immer empfehle, die sogenannte Salami-Taktik. Am Anfang sollte man sich klar machen, was die eigenen Ziele sind. Anschließend folgt die Frage: "Was muss ich dafür alles tun?" und der nächste Punkt: Die Aufgabenzerlegung. Bevor man die Aufgaben angeht, sollte man sie ordnen und Prioritäten setzen, das ist der nächste Punkt. Als Zwischenschritt empfehle ich jedem Studierenden, zwei bis drei Tage zu überlegen, worüber man eigentlich schreiben will. Man muss sich selber durchleuchten, um zu wissen, wo man steht.

Und die letzten beiden Punkte?

Dann kommt das Abarbeiten. Das bedeutet: Den Text schreiben, ordnen und glätten. Gedanken, die gar nicht dazu passen, rausschmeißen. Und als letzte Phase der Textbearbeitung sollte man nochmal alles kontrollieren. Erst danach folgt dann der letzte Punkt, die Zielerreichung. Das ist eine Art Controlling, anhand derer man prüft, ob man sein Ziel erreicht hat.

"Das Fertigwerden an sich ist ja schon eine Belohnung."

Darf man sich danach etwas gönnen?

Das sollte man auf jeden Fall tun. Belohnung ist immer wichtig. Man darf aber nicht die ganze Arbeit nur deswegen machen. Das Fertigwerden an sich ist ja schon eine Belohnung.

Jeder, der in einer Lernphase steckt oder eine Hausarbeit schreibt, erreicht mal einen Tiefpunkt. Wie überwindet man dann den inneren Schweinehund?

Das mit dem Schweinehund ist immer so eine Sache: "Der Geist ist willig und das Fleisch ist schwach", das wussten die alten Mönche schon. Aufschieberitis ist nichts Neues, sondern gehört schon immer zum Wesen Mensch. Wenn man etwas erreichen will, muss man Kräfte aktivieren und Energie freisetzen. Ich nehme immer das Sportler-Beispiel: Am Anfang muss man sich zwingen, dann macht’s Spaß und dann braucht man’s.

"Wenn sich jemand zu viel vornimmt, führt das ziemlich häufig zu Stress und Überlastung."

Prokastinierer müssen sich also zwingen?

Wichtig ist, dass man den Einstieg in die Arbeit nicht zu stark belastet. Denjenigen, die Dinge gerne aufschieben, empfehle ich, klein anzufangen. Zum Beispiel mit einer Viertelstunde konsequenter Arbeit, während der man alles andere abschaltet. Auf keinen Fall Musik hören, während man geistig arbeitet: Es gibt empirische Studien, die beweisen, dass man sich nur auf eine Sache konzentrieren kann.

Ist es besser, in der UB zu lernen?

Es muss nicht zwingend die Bibliothek sein. Wichtig ist, dass es ein Ort ist, der ein Arbeitsklima verbreitet. Der schon automatisch eine gewisse Konzentration befördert. Gegen Arbeiten von Zuhause spricht nichts Prinzipielles, wenn man dort auch einen abgetrennten Arbeitsbereich hat.

Woran merkt man, dass man überlastet ist und was tut man dann?

Wenn sich jemand zu viel vornimmt, führt das ziemlich häufig zu Stress und Überlastung. Deswegen sollte man dort anpacken, wo man die Ziele formuliert: Punkt 1 der Salamitaktik. Jeder muss für sich prüfen, woher die Ziele kommen und für wen man etwas macht. Wer überfordert ist und sich die falschen Ziele gesetzt hat, sollte eventuell überlegen, ob das Studium gut für ihn oder sie ist oder ein Wechsel besser wäre.

"Nicht alleine arbeiten, sondern sich mit anderen zusammen tun."

Sie geben regelmäßig Seminare zu den Themen Zeitmanagement. Was ist die wichtigste Methode, die Studierende mitnehmen?

Eine uralte Technik, die aus der Pädagogik bekannt ist. Es geht um die Art, über wissenschaftliche Inhalte nachzudenken, die sogenannte 5S-Methode. Es geht darum, nicht einfach loszulesen, sondern sein Denken zu strukturieren: Sichten, sich fragen, suchen, schreiben, sicher – das sind die fünf Schritte. Dahinter steht eine Technik, durch die man seine Gedanken auf den Text fokussiert.

Ihr Appell an alle Studierenden, für die jetzt die Semesterferien beginnen?

Nicht alleine arbeiten, sondern sich mit anderen zusammen tun. Arbeitsgruppen bilden, sei es zu zweit, zu dritt oder zu viert. Diejenigen, die lieber alleine arbeiten, sind nicht die erfolgreichsten. Alleine hat man immer Begrenzungen, man sieht nicht alles. Mit anderen zusammen kann man die Arbeit aufteilen, sich austauschen und somit voneinander profitieren.
Jürgen Smettan studierte Psychologie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg. Als Trainer, Gutachter und Seminarleiter war er viele Jahre freiberuflich tätig. Von 2007 bis 2012 leitete er die Sektion Wirtschaftspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Seit 2010 ist er hauptamtlicher Dozent für VWL, Mikro- und Makroökonomie an der Berufsakademie Sachsen. Jürgen Smettan gibt Seminare zu den Themen "Zeit- und Selbstmanagement" und "Schneller lesen – mehr erinnern" im Rahmen der Reihe "Erfolgreich studieren" des Studierendenwerks Freiburg.

Das Studierendenwerk bietet verschiedene Kurse zu folgenden Themen an: Optimierung der Lerntechnik, Verbesserung des Zeitmanagements, Lösen von Schreibblockaden, Stimmbildung und viele mehr. Die meisten davon werden von der Psychotherapeutischen Beratung des Studierendenwerks durchgeführt und finden wieder im Wintersemester statt.