El Purica

Ein deutsch-costa-ricanisches Ehepaar verkauft fairen Kaffee auf dem Münstermarkt

Anna Castro Kösel

Nora und Andrés Guevara Chaves haben eine Vision: Kaffee losgelöst vom Weltmarktpreis zu verkaufen, um Kleinbauern fairer bezahlen und eine bessere Qualität gewährleisten zu können. Ihren Kaffee "El Purica" gibt’s unter anderem auf dem Münstermarkt.

Die Betreiber

Auf dem Münstermarkt steht seit neuestem ein kleiner rot-weiß gestreifter Kaffeewagen, der im Oktoberwind hin- und hergerüttelt wird. Dahinter steht das junge Ehepaar Nora und Andrés Nora Guevara Chaves. Sie sind die Gründer von "El Purica" – einer neuen Kaffeemarke aus der Region. Der Kaffee wird von beiden in Costa Rica ausgesucht und in Waldkirch von Andrés geröstet. Nora kommt aus Freiburg, Andrés aus der costa-ricanischen Provinz Guancaste.

Beide haben lange für NGOs und Unternehmen in der Nachhaltigkeitsberatung unter anderem in Costa Rica gearbeitet. "Es hat nur immer gefühlt tausend Jahre gedauert, bis sich was getan hat", sagt Nora. So beschlossen sie, selbst ein Teil von der Branche zu werden, um selber den Wandel mit einzuleiten.

Das Konzept

"Wir wollten direkt mit dem Kaffeebauern handeln", sagt Nora. "Wir haben in Costa Rica gelebt und kennen alle Kleinbauern persönlich." Der Direkthandel ermöglicht es ihnen, den Preis anhand der Qualität zu festzulegen, losgelöst vom Weltmarktpreis. "Eines unserer Ziele ist das Abkoppeln des Preises von der Kaffeebörse. Kaffee wird an der Börse wie Öl, als ein homogenes Produkt behandelt. Dabei hat Kaffee doppelt so viele Geschmacksaromen wie Wein!", erklärt Andrés.

Außerdem würden Siegel, wie zum Beispiel Fairtrade, nicht ausreichend faire Preise für die Bauern garantieren, so Nora und Andrés. "Fairtrade orientiert sich auch am Weltmarktpreis und nicht an der Qualität des Kaffees. Sie bieten einen Aufpreis von 20 Cent pro Pfund über dem Weltmarktpreis und wenn die Kaffeepreise besonders niedrig sind, so wie jetzt gerade, dann schreiben sie einen Mindestpreis von 1,35 US-Dollar pro Pfund fest. Das finden wir immer noch recht wenig", sagt Nora. Sie haben nichts gegen Fairtrade, sind jedoch der Meinung, dass ihre Bezahlung transparenter sei.

Die Preise

"Fairtrade zahlt an Kooperativen und nicht direkt an Kleinbauern. Die Kooperative teilt den Aufpreis dann mit seinen Produzenten. Das finden wir nicht transparent genug." Deswegen verhandeln Nora und Andrés den Preis vor Ort mit dem jeweiligen Kleinbauern. Das einzige Kriterium hierfür ist die Qualität. Deswegen sei der Preis, den El Purica seinen Kaffeebauern zahlt, doppelt oder dreifach so hoch wie der Fairtradepreis. El Purica ist Mitglied von Transparent Trade Coffee. Dort und auf ihrer Webseite veröffentlichen sie ihre Preise, die sie an Bauern zahlen. Die Preise der El Purica Kaffees liegen je nach Menge zwischen 7, 60 Euro und 36, 20 Euro.

Die Herkunft

Dass El Purica kein Bio-Siegel hat,verwundere viele zunächst. "Viele Kunden fragen uns: ’Ist das Fairtrade?’ und dann fragen wir zurück: ’Was bedeutet Fairtrade überhaupt?’ Wir möchten, dass gefragt wird, woher de Kaffee kommt, wie und von wem er angebaut wurde, anstatt nur nach dem Siegel zu fragen", sagt Andrés. Bei anderen Produkten achte man in Deutschland schon mehr auf Regionalität und ökologischen Anbau. Aus Noras und Andrés Sicht ist das beim Kaffee aber noch nicht immer der Fall: "Viele Leute scheinen immer noch zu denken, dass der Kaffee einfach aus der Maschine kommt, ohne dass sie seine Herkunft hinterfragen", sagt Andrés.

Trotz fehlendem Gütesiegel wirtschafte man bei El Purica nach hohen ökologische Standards.Man arbeite nach dem europäischen Bio-Anbauprotokoll und setze nur vor der Regensaison Fungizide, in Form von Kupfer, ein. Ansonsten verzichte man auf Dünger. Außerdem ist El Purica Teil des Nama- Low-Carbon-Coffee-Projects – eine Zusammenarbeit mit der costa-ricanischen Regierung und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Teil des Projekts ist es zum Bespiel, Schattenbäume zu pflanzen um den Kaffeeanbau klimafreundlicher zu gestalten und mehr CO2 zu binden.

"Wir machen alles selbst. Wir gehen selber nach Costa Rica, um den Kaffee auszuwählen, den Preis auszumachen, wir rösten selber und haben teilweise auch selbst unsere Packungen designt", erzählen die beiden. Für Nora und Andrés ist El Purica nicht nur ein Geschäft, sondern eine Herzensangelegenheit.

Hier gibt es El Purica Kaffee

Auf dem Münstermarkt: Dienstags, donnerstags, freitags und samstags, im Black Forest Concept Store, im Tee & Tasse in Kirchzarten, im Yeppa Yeppa, im Café im Bad in Merzhausen und online.



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