Ein bitterer Beigeschmack

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum ein morgendlich eingenommener Orangensaft manchmal überhaupt nicht schmeckt? Das liegt dann entweder daran, dass er schon zu lange geöffnet im Kühlschrank stand, oder weil man sich kurz zuvor die Zähne geputzt hat. Dadurch entsteht auf der Zunge eine unangenehme chemische Konstellation.

In der Zahnpasta sind Auszüge verschiedener Kräuter, wie etwa Kamille, Myrrhe, Salbei, Calendula, Arnika und Rosmarin, enthalten. Diese enthalten Gerbstoffe, die auf den Schleimhäuten der Mundhöhle entzündungshemmend, antibakteriell, sowie blut- und schmerzstillend wirken. Einen ebenso leicht betäubenden Effekt hat das Pfefferminzöl, das hauptsächlich wegen des angenehmen Geruchs der Zahnpasta zugegeben wird.


Von dieser dezent anästhesierenden Wirkung ist nur der vordere Teil der Zunge betroffen. Und genau dort sitzen vermehrt die Geschmacksrezeptoren für süße Sachen. Die Empfindung für die fünf Grundgeschmacksarten süß, bitter, salzig, sauer und

umami sind nämlich unregelmäßig auf der Zunge verteilt. Die bitter-Rezeptoren befinden sich mehrheitlich auf dem hinteren Teil der Zunge.

Hier kommt die Zusammensetzung des O-Saftes ins Spiel. Er enthält nicht nur Zucker und einige Säuren, sondern auch Bitterstoffe, wie etwa das Limonin. Und weil ein Großteil der Geschmacksrezeptoren für süß durch das kürzliche Zähneputzen betäubt sind, wird die Süße ausgeblendet und das Bittere und Saure im Saft kommt deutlicher als gewohnt zum Vorschein und wird als widerlich empfunden.

Den gleichen Effekt kann man auch bei Cola bemerken. Aus gesundheitlichen Gründen wird hier aber davon abgeraten, schon zum Frühstück das braune Zuckerwasser zu sich zu nehmen.