Ein bisschen Tinder, ein wenig Foursquare - diese App haben zwei Freiburger erfunden

Daniel Laufer

CheckME - das ist die App, dank der du mit Leuten chatten kannst, die im selben Raum sind wie du. Mitfinanziert hat sie Fußballprofi Max Kruse. Was das ganze soll:



Smartphones sind schuld daran, dass Menschen nicht mehr miteinander reden. So zumindest lautet ein gängiger Vorwurf. Mit der CheckME kann man nun mit den Leuten chatten, die im selben Club, im selben Café oder der selben Uni sind. Öffnet der Nutzer die App, zeigt sie ihm an, welche Orte in seiner Nähe sind - er "checkt" dann in der entsprechenden Location ein und betritt so einen klassischen Chatroom.


Erfunden haben die App zwei Freiburger - Hakan Ay (Foto), 30, und Ibrahim Kurt, 28. Fragt man Ay nach CheckME, erzählt er die Geschichte, wie er Kurt am Flughafen abgeholt hat, das war im Sommer 2013, Kurt war gerade aus der Türkei zurückgekehrt. Die beiden saßen in einem Stuttgarter Café und beobachteten zwei Nachbartische - an dem einen saßen Männer, an dem anderen Frauen. "Es war wie so oft: Sie warfen einander Blicke zu, aber keiner traute sich, den anderen anzusprechen", sagt Ay. Diese Hemmschwelle wollten Ay und Kurt überwinden.

Max Kruse als Investor - und Werbeträger

Sie überlegten sich ein erstes Konzept und gingen damit im November 2013 zu den Digitalpatrioten - einer Freiburger Agentur, die CheckME technisch umsetzen sollte. Schon ohne Werbung koste die Entwicklung einer solchen App allerdings einen sechsstelligen Eurobetrag, so Ay. Er und Kurt hatten Glück: Sie fanden zwei Investoren - einer davon ist der Fußballprofi und Ex-SC-Spieler Max Kruse.

Kruse spielte damals schon in Mönchengladbach. Über einen Bekannten verabredeten sich Ay und Kurt mit ihm in Düsseldorf. "Max wollte neben dem Fußball noch etwas anderes machen. Also präsentierten wir ihm unsere Idee. Er war gleich Feuer und Flamme." Kruse stellte sich seinen Fans auf Facebook Anfang Februar als Mitgründer des "Startup-Unternehmens" vor.

"Bin gespannt, wer mich zuerst in irgendeiner Location entdeckt", schrieb er - und rief dazu auf, CheckME zu installieren. Alleine Kruses Beteiligung genügte schon als erste Werbemaßnahme: Zum Beispiel die Hamburger Morgenpost und Sport1 haben bereits über die App berichtet. Sie soll auch am Freitagabend wieder ein Thema sein, diesmal auf ProSieben - wenn der Fußballprofi zu Gast ist in Stefan Raabs Pokerrunde.

Ganz neu ist der Ansatz der App allerdings nicht: Schon bei Facebook kann der Nutzer angeben, an welchem Ort er sich gerade befindet. Die Location-Apps Foursquare beziehungsweise Swarm haben ihr gesamtes Konzept darum aufgebaut, nach eigenen Angaben werden sie weltweit von 55 Millionen Menschen genutzt. In Deutschland spielen sie trotzdem kaum eine Rolle. Außerdem geben selbst Dating-Apps wie Tinder dem Nutzer an, wie weit sein Chatpartner von ihm gerade entfernt ist. Trotzdem glaubt Hakan Ay an den Erfolg von CheckME. "Unser Killerfeature ist das Check-In, verbunden mit dem Chat. Das gab es in dieser Form noch nicht."

"CheckME ist live"

Im Gegensatz zu den anderen Apps merkt CheckME, wenn ein Nutzer eine Location wieder verlässt, in die er zuvor eingecheckt hat. "Es ist einfach live", so Ay. Man kann sehen, wo in der Stadt andere Nutzer gerade eingecheckt sind. Fügt man außerdem seine Freunde zu den Favoriten hinzu, könne man sie im Auge behalten. "Wie oft gehen abends Freunde von mir in die Stadt - ich weiß aber nicht, wo genau sie sind? CheckME zeigt mir dann zum Beispiel an, dass sie gerade im Karma eingecheckt haben."

"Wäre ich an der Uni und neu dort, könnte ich zum Beispiel fragen: Wo kann man hier Mittagessen?", sagt Ay. CheckME sei also nicht als reine Flirt-App gedacht. Trotzdem habe die App hier Vorzüge - zum Beispiel bei der Anonymität: Der Nutzer kann einen Nickname angeben, eine Telefonnummer braucht er nicht. "Wenn ich in einem Club eine Frau kennenlerne, die mir aber später vielleicht nicht mehr sympathisch ist, kann sie mich danach auch nicht stalken."

Seit dem 9. Januar ist die App nun kostenlos für Apple- und Android-Geräte verfügbar, bereits mehrere tausend Nutzer hätten sich registriert - nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Türkei oder den Balkanstaaten. Derzeit kann man sich nur via Facebook einloggen, bis im April soll dafür aber auch schon eine E-Mail-Adresse ausreichen. Ay und Kurt sind auf die Rückmeldungen der Nutzer gespannt.

Auch von ihnen soll die Implementierung weiterer Features abhängen. "In der Anfangsphase kann man noch tüfteln", sagt Ay. "Jetzt wollen wir gemeinsam mit unseren Nutzern wachsen - aus Freiburg heraus. Hier gibt es ein junges Publikum." Er hofft, CheckME irgendwann auch an der Uni einbinden zu können - dann könnte sich die App auch ohne große Werbemaßnahmen verbreiten.

Gleichzeitig will er die App auch national bekannter machen, irgendwann direkt mit den Clubs zusammenarbeiten. "Wir sind jetzt schon Sponsor der Düsseldorfer Diskothek Rudas Studios." Bei einer neuen Partyreihe im März soll CheckME einen eigenen Stand bekommen - wer sich die App herunterlädt, bekommt dann ein Freigetränk.