Ein bisschen Glück gefällig?

Meike Riebau

"Schlechte Nachrichten gibt es schon genug," sagt Heide-Marie Smolka. Deshalb hat sie im Internet die "Meldestelle für Glücksmomente" gegründet: Hier kann jeder seinen persönlichen Glücksmoment hinschicken, der dann dort veröffentlicht wird. Mehr als 1500 Einsendungen gab es bis jetzt, die Meldungen reichen von kleinen Freuden wie "Vogelgezwitscher" bis hin zu traurig-schönen Nachrichten wie "Ich bin froh, dass ich beim Tod meiner Mutter dabei sein durfte."

Glücksmoment Nr. 66 stammt von Gerda aus Salzburg: „In der Früh ein frisches Semmerl mit Marmelade“.  Richard L. macht es glücklich, jemanden, den er gern hat, dabei zu beobachten, wie er ganz gebannt einen Film schaut. Maria aus St. Pölten ist glücklich, wenn sie ausmistet und nur das behält, was auch in die neue Wohnung mitdarf. Und auf Zettel Nr.1365 meldet jemand, dass er zum ersten Mal in seinem Leben mit seinem 80-jährigen Vater von Mann zu Mann über bestimmte Dinge reden konnte, wodurch er eine „große Wärme“ verspürt habe.1541 Meldungen hat Heide-Marie Smolka mittlerweile online gestellt. Und immer noch ist sie überrascht, belustigt und berührt von den Einsendungen. Die Meldungen, die sie bekommt, reichen von Schokoladeessen über Krankheit bis zum Tod. Aber das findet sie auch richtig und wichtig. „Auch wenn ich bei der ein oder anderen Nachricht denke, das ist aber heavy“ Die Nachrichten zu bewerten, sei vermessen. „Glück eben nicht nur Schokolade essen, sondern vielschichtiger“, so die Psychologin.

Dass wir mittlerweile tagtäglich unter immer mehr Stress und Druck stehen, ist nichts neues. Smolkas Seite soll einen kleinen Beitrag leisten, die Glücksfähigkeit zu trainieren. „Denn das darf man nicht vergessen: Glücklich zu sein ist auch eine Frage des Trainings. Und dazu gehört – neben anderen Dingen – auch, dass man sich diese kleinen Glücksmomente bewusst macht. Die Menschen, die meine Seite besuchen, sollen inspiriert werden."Ursprünglich stammt die Idee von zwei Lehrern aus der Schweiz, die mit ihren Schülern durch die Straßen zogen,  Passanten befragten und die Antworten aufschrieben. Heide-Marie Smolka trug sie ins Netz. „Aber wir stehen noch am Anfang, ich würde gerne noch viele Meldestellen im wirklichen Leben einrichten“. Zwei davon gibt es schon, beide in Österreich: Ein Hotel und ein Geschäft für Gartenteiche haben schon Tafeln aufgestellt, auf denen Menschen sich verewigen können.„Aber ich träume von Meldestellen an vielen anderen, ungewöhnlicheren Stellen – Bibliotheken, Krankenhäusern oder Konzertsälen – da sind keine Grenzen gesetzt.“ Bisher ist die Seite fast nur in Österreich bekannt. "Aber deutsche Glücksmomente sind natürlich genauso willkommen". Gefragt nach ihrer Lieblingsnachricht sagt sie - fast etwas entschuldigend – es sei eine kleine, sogar etwas absurde Nachricht: „Als die Fliege endlich wieder zum Fenster hinausflog.“


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