Ein Besuch in der Galerie von Wilfried Post

Bernhard Amelung

Wilfried Post (hier mit seiner Frau Margarete) hat eine Galerie in der Brombergstraße. Dennoch versteht er sich weniger als Kunsthändler, sondern mehr als Sprachrohr der Kunst und Vermittler des Künstlers. Ein Portrait, verbunden mit einem Tipp für heute Abend.



Ankommen

An diesem wolkenverhangenen, wintergrauen Nachmittag betrete ich das erste Mal die Galerie. Wilfried Post begegnet mir als freundlicher, zuvorkommender Mann gesetzteren Alters. Nach der Begrüßung hält er sich im Hintergrund. Mit ruhigen Worten, von wenigen, akzentuierenden Handbewegungen unterstützt, lenkt er meine Aufmerksamkeit auf den hellen, lichtdurchfluteten Raum, auf die ausgestellten Gemälde, Fotoarbeiten und Installationen.

Verstaubte Leinwände, zu Paketen geschnürt, leintuchumhüllte Statuen oder zerfallende Möbelstücke und Nippes suche ich vergeblich. Genauso wenig betrete ich katakombenartige Gänge, in denen man sich besser nicht verirren will. Post sagt: „Wir sind eine Galerie.“ In diesen vier Worten steckt ein hoher, auf das Wesentliche heruntergekochter Informationsgehalt.



Anfänge bis 2010

Aus diesem Satz heraus entwickelt sich ein Gespräch, das seinen Ausgang in der Erörterung des Galerie-Begriffs im allgemeinen und der Galerie Post Fine Art im besonderen nimmt. Diese, so erfahre ich, hat ihren Ursprung im Jahre 1988 mit der Eröffnung des „Kunstkabinetts Post“ in Rheinfelden durch Wilfried Post und seine Gattin Margarete. Nicht nur das Kunstwerk selbst, sondern, wie Wilfried Post sagt, „ein tiefes inneres Verlangen, mit Menschen in Verbindung zu treten, ein Wille zu Austausch, Gemeinschaft und Kommunikation“ war es, das ihn dazu bewogen hat, sein Leben der Kunst und den Künstlern zu widmen.

„Deswegen ist Post Fine Arts auch kein Handelskontor, das sich ausschließlich dem An- und möglichst gewinnbringenden Verkauf verschrieben hat.“ Bildende Kunst, fährt Post fort, sei eine Versprachlichungsleistung, die geistige Inhalte, Ansichten und Gefühle in verkörperter Form zusammenfasse und vermittle. Die Sprachmittel können dabei unterschiedlicher Art sein, denn Post Fine Arts ist nicht auf Gemälde konzentriert. Denn so vielseitig der Mensch, so vielgestaltig die Gesellschaft, so unterschiedlich und reichhaltig sind auch die jeweiligen Ausdrucksformen.

Es ist diese offene Herangehensweise an die Kunst und den Kunstbetrieb, die die Galerie Post über die Jahre hinweg beständig wachsen lässt. Das Kunstkabinett Post gründet zunächst, in der Mitte der neunziger Jahre, eine Dependance in Freiburg, um 1997 ausschließlich von Freiburg aus zu agieren.



Galeristenalltag

Doch ohne Kleingeld geht es nicht. „Wo Rechnungen geschrieben und ausgestellt werden, muss Geld vorhanden sein“, sagt Post. Dies führt unweigerlich zur Frage, woher die Zahlungsströme denn kommen und was ein durchschnittlicher Galeristenalltag mit sich bringt. „Außenstehende nehmen doch nur die großen Räume wahr, in denen ein paar Bilder an der Wand hängen“, behauptet Wilfried Post. Und dem Vorurteil, dass Galeristen schrullige Menschen seien, die den ganzen Tag nur Bilderrahmen abstaubten, begegnet er auch heute noch sehr oft.

Doch mehrere Anrufe, die unser Gespräch unterbrechen, sowie ein überquellender Terminplaner sprechen für die Geschäftigkeit des Galeristen. Post Fine Arts gleicht einem Bienenstock, in dem die Ausstellungsräume lediglich vom Geschäftsverkehr beruhigte Waben darstellen.

„In unseren Tätigkeitsbereich fallen beispielsweise gutachterliche Tätigkeiten“, sagt Post. Hier hat der beauftragte Galerist den Nachweis zu erbringen, dass ein ihm zum Kauf oder Verkauf vorgelegtes Gemälde auch tatsächlich von dem behaupteten Künstler stammt. Verifizierung und Authentifizierung heißen die Fachbegriffe hierfür. „Doch wir nehmen nicht jeden Auftrag an. Wir vermögen ja nicht, alle Epochen der Kunst abzudecken. Wie jede andere Galerie haben auch wir unser Fachgebiet: den deutschen Expressionismus und die Nachkriegsmoderne.“

Ein weiterer Aufgabenbereich bildet die Verwaltung und Pflege von Nachlässen. Auch hier ist die Galerie Post Fine Arts aufs oben genannte Fachgebiet spezialisiert. Posts Anliegen hierbei ist, nur wenig berücksichtigte Künstler wieder sichtbar zu machen, zum Beispiel den Expressionisten Rudolf Möller (1881- 1967).

Ein drittes Tätigkeitsfeld stellen antike Rahmen und Einrahmungen dar. „In Sachen Rahmen kenne ich mich aus“, meint er nachdenklich, und schiebt eine Anekdote nach. „Ich habe einen Händler, der mich regelmäßig informiert, wenn er historische Rahmen ins Haus bekommt. Eines Tages rief er mich aufgeregt an und erzählte von einem Rahmen, den er unbedingt für mich beiseite legen wolle. So ein exquisites Stück habe er schon lange nicht mehr in seinen Händen gehalten. Tage später stand ich in seinem Atelier und hielt einen Rahmen in der Hand, den ich mehrere Jahre zuvor gemeinsam mit einem Bild an einen Kunden verkauft hatte. In sochen Augenblicken ensteht Sorge um die Wertschätzung von Kunstwerken und Enttäuschung über respektlose, kommerzgierige Austauschbarkeit."



Galerie als Schutz- und Rückzugsraum

Wilfried Post möchte Künstlern einen Schutz- und Rückzugsraum zur Verfügung stellen. Denn im Unterschied zu einem bloßen Bilderverkaufsgeschäft ist bei Post Fine Arts von Kaufen und Verkaufen nicht die Rede. Die ausgestellten Gemälde tragen keine Preisschilder. „Wir wollen nicht, dass sich jemand mit einem der bei uns vorgestellten Kunstwerke umgibt, nur, weil der Preis für das Werk ein sehr hoher ist; beziehungsweise weil der Kunde denkt, er müsse Künstler A oder B jetzt bei sich zuhause hängen haben, weil dieser gerade angesagt sei.“

Auf meine Frage, ob er denn schon einmal potentielle Käufer abgewiesen habe, nickt Wilfried Post. Es sei schon vorgekommen, dass jemand seine Galerie betreten habe auf der Suche nach dem ‚teuersten Bild’. „Wir wollen, dass ein Mensch, ein potentieller Käufer, sich für ein Kunstwerk entscheidet, weil es zu ihm spricht, weil sich über dieses Gespräch eine persönliche Beziehung zwischen Kunstwerk und Mensch aufbaut. Das ist uns wichtig.“

Wilfried Post will daher den Künstlern, die er mit seiner Galerie vertritt, auch genügend Zeit und Freiraum schaffen, um sich zu entwickeln und mit ihnen ihre Kunst. „Keiner unserer Künstler soll sich unter Druck gesetzt fühlen“, sagt er, „auch, wenn ich mit allen den kritischen Dialog führe." Von Einstufungen wie „weiter“ oder „reifer“ versucht Post Abstand zu nehmen. Denn gerade in der Kunst sei Qualität nicht zwingend an Alter oder an Zeit gebunden.



Was: Stummfilmpianist Günter A. Buchwald spielt zu Filmen der Avantgarde
Wann: Heute, Freitag, 5. Februar 2010, 19.30 Uhr
Wo: Galerie Post Fine Arts, Brombergstraße 17c
Eintritt: frei