Studentenleben

Ein Aussteiger lästert über seine Zeit in einer Freiburger Studentenverbindung

Gina Kutkat

200 Euro Miete in bester Wohnlage: Die Angebote Freiburger Studentenverbindungen sind verführerisch. Auf ze.tt packt jetzt jemand aus, der ein- und wieder ausgezogen ist: Das Leben "auf dem Haus" sei eine Mischung aus Hogwarts und LARP.

Am Sonntag ging auf ze.tt, dem Studierendenmagazin von Zeit-Online, der Artikel "Wie Hogwarts ohne Magie: Wieso ich aus meiner Studentenverbindung ausgetreten bin" online. Darin beschreibt Autor Torben Winter die ersten drei Monate, die er als Probemitglied – als sogenannter Fuchs – in einer Freiburger Verbindung erlebte.


Drei Monate im Verbindungshaus "im schönsten Viertel der Stadt"

Diese nennt er nicht beim Namen, doch wer sich in Freiburg ein wenig auskennt, findet anhand einiger Merkmale im Text schnell heraus, um welche Verbindung es sich handeln könnte: Winter erwähnt den Leitspruch "Einig und treu", bezog sein Zimmer in einem "altertümlichen Raum in einer Altbau-Villa im schönsten Viertel der Stadt", beschreibt die Verbindung als katholisch und trägt als Anwärter ein Band in den Farben Violett und Gold (dieses Detail wurde mittlerweile aus dem Text entfernt).



Das klingt stark nach der KdStV Hercynia, in bester Lage auf dem Lorettoberg beheimatet, bei angehenden Juristen, Medizinern und katholischen Theologen besonders beliebt und mit 145 Jahren Tradition auf dem Buckel. Auch die Prinzipien der Verbindung stimmen überein, und im Semesterprogramm markieren tatsächlich wie vom Autor beschrieben Blümchen Veranstaltungen, an denen Frauen teilnehmen können. KdStV steht übrigens für katholische deutsche Studentenverbindung – deswegen ist es auch nicht korrekt, die Hercynen als "Burschenschaft" zu bezeichnen, wie es in einer ersten Version des Textes zunächst der Fall war.

Wird hier das Studentenleben des späten 19. Jahrhunderts nachgespielt?

Nach drei Monaten will Winter wieder ausgezogen sein, selbst die traumhaften 200 Euro Miete konnten die Nachteile des Verbindungslebens für ihn wohl nicht aufwiegen: Er beklagt feste Hierarchien, fragwürdige politische Äußerungen, das konservative Frauenbild und die Degradierung durch ältere Mitglieder. Ihm sei der Alltag in der Verbindung mit Dresscode und Trinkspielen wie ein Live Action Roleplay (LARP) vom Studentenleben im späten 19. Jahrhundert vorgekommen. Alles nichts für den Autor – die Fuchsenzeit hatte so gesehen ihren Zweck erfüllt.

Was die Aktiven der Hercynia vom Text ihre mutmaßlichen Ex-Fuchsen halten, war für uns leider nicht zu ermitteln: Die Chargen (so nennt man den Vorstand der Aktiven einer Verbindung) haben auf eine Vielzahl von Anrufen und Mails nicht reagiert.

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