Ein alter Irer

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wer Eamon de Valera war? Der Sohn eines Kubaners und einer Irin wurde zwar in Amerika geboren, kam aber schon in seinem zweiten Lebensjahr ins beschauliche Limerick auf die Insel seiner Mutter. Dort studierte er Mathematik und wurde sogar zum Professor berufen. Doch deutlich bekannter und berüchtigter wurde er für seine politische Karriere bis in die höchsten Ämter der Insel.

Nachdem er gegen Ende des ersten Weltkriegs in die neu gegründete Sinn Fein eintrat, wurde er sogar ins Britische Unterhaus gewählt. Da er aber für die irische Unabhängigkeit kämpfte, kam er ins Gefängnis. Von dort floh er in die USA, wo er viel finanzielle Unterstützung für Irland und dessen Unabhängigkeitskrieg einsammelte.


Als dieser vorbei war, konnte de Valera zurückkehren. Doch gleich kämpfte er weiter – mit Rebellen gegen die Teilung Irlands. Er legte jedoch die Waffen nieder und gründete 1926 eine neue Partei, die schon 1932 zur stärksten Kraft im irischen Parlament wurde. De Valera wurde irischer Premierminister und schaffte als erste Amtshandlung den Treueeid ab, den alle irischen Abgeordneten auf die Britische Krone leisten mussten.

Das Amt des Regierungschefs der grünen Insel behielt er bis 1948 und wurde in den 50er Jahren noch zweimal für je drei Jahre wiedergewählt. Im Zweiten Weltkrieg blieb Irland unter ihm neutral, was wohl den Abstand zum britischen Nachbarn verdeutlichen sollte.

Doch wie in fast jeder Biographie, die vor so viel Partiotismus, Strebsamkeit und Vaterlandsliebe nur so strotzt, gibt es auch bei Eamon de Valera einen Haken, der in Erinnerung bleiben wird: Seinen größten Fauxpas leistete er sich im Frühsommer 1945. Er ging persönlich in die Deutsche Botschaft in Dublin und kondolierte Deutschland zum Tode Adolf Hitlers. Er war weltweit der einzige Regierungschef, der das tat.