Dritter Prozesstag

Ehemaliger Arbeitgeber des Angeklagten wurde bedroht

Patrik Müller & aktualisiert um 17.34 Uhr

Im Mordfall Carolin G. haben am Freitag ein Rechtsmediziner und ein Kriminaltechniker ausgesagt. Außerdem stand ein Endinger Speditionsunternehmer, der ehemalige Arbeitgeber von Catalin C., im Zeugenstand.

Am dritten Tag des Mordprozesses um den Tod der Joggerin Carolin G. am Kaiserstuhl sind neue Details ans Licht gekommen.

Arbeitgeber wurde bedroht

Der ehemalige Arbeitgeber von Catalin C. ist nach der Verhaftung im Juni 2017 bedroht worden. Das hat der Endinger Spediteur Holger Döpke vor dem Freiburger Landgericht ausgesagt.

Knapp eine Stunde lang hatte Holger Döpke geredet im Landgericht. Er hatte erzählt, wie der Angeklagte auf Vermittlung seiner Verwandten Elisabeta N. im Oktober 2015 bei ihm als Fernfahrer anfing, wie er zuverlässig und pünktlich seine Arbeit verrichtete, wie er auch mal freiwillig das Firmengelände fegte.

Nach seiner Aussage fragte ihn Richterin Eva Kleine-Cosack, ob er eine Unterschrift unter seine Ladung bräuchte, ob er Auslagen geltend machen wolle. Döpke schüttelte den Kopf. "Ich habe nur eine Bitte", sagte er, "dass ich keine Drohanrufe und keine Drohbriefe mehr kriege. Wir können nichts dafür, es tut uns auch leid, und natürlich ist es kein Vergleich mit der Opferfamilie – aber auch für uns hat sich die Lebenssituation verändert. Und wir wollen keine Anrufe, dass man uns die Firma anzündet." Von Arbeitgeberseite aus, erklärte Döpke im Zeugenstand, könne man Catalin C. keine Vorwürfe machen.

Catalin C. sei ein untadeliger Angestellter gewesen

Der Rumäne habe in rund eineinhalb Jahren keinen einzigen Unfall gebaut, habe nicht einmal eine Schramme in den Lack seiner Laster gefahren. "Das schafft nur einer von 200", sagte er. Catalin C. habe auch nie verschlafen, obwohl er regelmäßig um drei Uhr in der Nacht anfangen musste.

Döpke habe sich deshalb auch über die Erklärung des Angeklagten am ersten Tag des Prozesses gewundert, dieser hätte regelmäßig größere Mengen Alkohol getrunken. "Wir schütteln alle den Kopf", sagte er. "Ein LKW-Fahrer, der vier Mal in der Woche in die Schweiz fährt, der Zollabfertigungsleuten gegenübersteht oder der Werkschutzsecurity von Großkonzernen – das wäre aufgefallen."

Einschätzung von DNA-Expertin

Am dritten Prozesstag sagte außerdem eine DNA-Expertin des Stuttgarter Landeskriminalamtes aus. Die Diplombiologin Tina Wiest hatte mehrere Proben untersucht, die an der Leiche der getöteten Joggerin genommen wurde. Die Spurenlage sei schlecht gewesen, erklärte sie – die Kleidung zum Beispiel war nass, blutdurchtränkt und verschmutzt. "Für eine DNA-Untersuchung waren die Bedingungen ungünstig", sagte sie. "Es war mehrfach notwendig, die Methodik anzupassen, um überhaupt etwas zu gewinnen." Eine eindeutige, unverrückbare und hundertprozentige Aussage zur Übereinstimmung der Spuren mit der DNA-Probe des Angeklagten, sagte sie, könne sie nicht treffen. "Bei Spuren dieser Qualität ist es üblich, dass wir Personen in Betracht ziehen oder nicht. Und ich habe mich entschieden, ihn in Betracht zu ziehen."

Richterin Kleine-Cosack entgegnete, in Betracht ziehen bedeute ja nur, etwas sei nicht ausgeschlossen. "Das ist für uns schon viel", antwortete Wiest. Für Spuren, die im Intimbereich des Opfers gefunden wurde, läge die Wahrscheinlichkeit, dass die DNA von einer anderen Person sein könne, bei 1:126.000 – bei Spuren von einer Jacke bei 1:200 Milliarden.

Fall Kufstein

Auch der Fall Kufstein kommt zur Sprache. Der Angeklagte steht unter Verdacht, im Januar 2014 die französische Studentin Lucile K. getötet zu haben. Auch hier fanden sich DNA-Spuren. "Ich habe eine Übereinstimmung feststellen können", sagt sie. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist vom selben Spurenleger auszugehen." Theoretisch, schränkt sie ein, könnten auch Verwandte des Angeklagten in Frage kommen, zumindest die in väterlicher Linie.

Aussage des Gerichtsmediziners

Die zentrale Erkenntnis vom Vormittag im Landgericht war: Der Täter ging laut gerichtsmedizinischem Gutachten äußerst brutal vor – sein Opfer dürfte noch gelebt haben, als ihm die schweren Verletzungen zugefügt wurden.

Gerichtsmediziner Markus Große Perdekamp hat die getötete Joggerin noch am Abend des Fundes untersucht, die Obduktion dauerte von 21.30 Uhr bis 3.45 Uhr. In Saal IV des Freiburger Landgerichts erzählt er von Rissquetschwunden und Brüchen der Schädelkapsel, von Würgemalen, Stauungsblutungen und Verletzungen im Intimbereich. "So ein perverses Dreckschwein", ruft ein Mann im Publikum. Eva Kleine-Cosack, die Vorsitzende Richterin, ermahnt ihn nicht.

Stumpfes Schädel-Hirn-Trauma

Große Perdekamp liest seinen Bericht weiter vor. "Die Befunde haben ergeben, dass sie an den Folgen eines stumpfen Schädel-Hirn-Traumas nach mehreren Schlägen gegen den Kopf starb." Der Tod sei innerhalb weniger Minuten eingetreten. Carolin G. dürfte noch gelebt haben, als ihr die schweren Verletzungen zugefügt wurden. Ob sie bei Bewusstsein war, ist unklar. Die Würgemale am Hals könnten laut Obduktionsergebnis aber durchaus darauf schließen lassen, dass sie schnell ohnmächtig wurde.

Doch theoretisch, sagt Große Perdekamp, könne es sogar sein, dass sie später das Bewusstsein für kurze Zeit wiedererlangte. Unklar ist der genaue zeitliche Ablauf: Schlug der Angreifer zuerst zu, würgte er sein Opfer zuerst? "Das lässt sich aus den Verletzungen nicht rekonstruieren", sagt der Experte. "Da muss man zurückhaltend sein." Tatwaffe war laut Große Perdekamp ein "röhren- oder stangenförmiges Schlagwerkzeug."

Der Angeklagte Catalin C. hatte zum Auftakt des Verfahrens eingeräumt, die Joggerin mit einer - fast leeren - Schnapsflasche erschlagen zu haben. Das sei durchaus möglich, erklärt der Experte. Bei der Obduktion fanden die Experten Hinweise auf mindestens sechs Schläge auf den Kopf. "Bei einer Einwirkung von Glasflaschen könnten die nötigen Energien dann erreicht werden, wenn die Flaschen beim Auftreffen am Kopf intakt bleiben." Tatsächlich fanden die Ermittler am Tatort keine Scherben.
Catalin C. und die Geister seiner Vergangenheit (BZ Plus): Am zweiten Prozesstag hat eine alte Bekannte des Angeklagten ausgesagt. Sie glaubt, dass dessen Frau sein dunkles Geheimnis kannte.

Wenige Spuren am Tatort

Sie fanden ohnehin nur wenige Spuren. Die Joggerin starb an einem Sonntag, erst am Donnerstag darauf entdeckte ein Polizeihund die Leiche. Das Wetter war kühl und nass. Laut Aussage eines beteiligten Kriminaltechnikers hatte der Regen mögliche DNA-Spuren des Täters vom Körper gewaschen. Auch eventuelle Schleifspuren waren nicht mehr aufzufinden.
Der Mordprozess gegen Catalin C.

  • Vorschau auf den vierten Verhandlungstag
    Am Montag, 4. Dezember 2017, sollen zwei Rechtsmediziner und ein Kriminalbeamter aus Tirol vernommen werden. Der Angeklagte Catalin C. steht im Verdacht, im Januar 2014 die französische Studentin Lucile K. in Kufstein getötet zu haben – erst die Zusammenarbeit der deutschen und der österreichischen Ermittler brachte diese auf die Spur des Fernfahrers.
  • Vorschau auf den fünften Verhandlungstag
    Am 5. Dezember könnte laut Stark, wenn das Verfahren nach Plan laufen sollte, das forensisch-psychiatrische Gutachten an die Reihe kommen. Psychiater Peter Winckler wird sich unter anderem zur Frage äußern, wie gefährlich der Angeklagte ist – und ob die von der Staatsanwaltschaft vorgesehene Verhängung der Sicherungsverwahrung sinnvoll ist. Die Plädoyers könnten am 14. Dezember gehalten werden.

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