EHC-Vize Dirk Philippi zum 5:4-Sieg: "Das war episch"

Joachim Röderer

Die "Wölfe" des EHC Freiburg haben am Sonntagabend als Aufsteiger gegen den amtierenden Meister Bad Tölz mit einem sensationellen 5:4-Sieg ein entscheidendes siebtes Spiel erzwungen. "Das war episch", sagt EHC-Vize Dirk Philippi über den Erfolg. Was die Erfolge des jungen Teams für die Zukunft des Vereins bedeuten:

Was war das für ein Eishockeyspiel am Sonntagabend in der Franz-Siegel-Halle! Innerhalb der letzten zwei Spielminuten drehten die "Wölfe" im sechsten Playoff-Spiel gegen den Meister aus Bad Tölz einen 3:4-Rückstand in einen 5:4-Sieg. Der entscheidende Treffer durch Eigengewächs Tobias Kunz fiel 34 Sekunden vor Schluss. Nun hat der EHC sogar Chancen, durch einen Sieg im alles entscheidenden siebten Match in Bad Tölz sich für das Viertelfinale der Zweitliga-Aufstiegsplayoffs zu qualifizieren.


Das Siegtor löste unglaubliche Emotionen auf den Tribünen aus. Hatten Sie da nicht Angst um die Statik der alles andere als taufrischen Franz-Siegel-Halle?

Dirk Philippi: Da muss ich ganz egoistisch sagen: Da plagten mich andere Sorgen. Ich hatte mehr Angst um mein Herz als um die Halle.

Wann haben Sie zuletzt solche Jubelstürme erlebt wie am Sonntagabend?

Da muss man sich schon sehr, sehr lange zurückerinnern. Es gab schon einmal Spiel 7 gegen Hannover, das auch sehr mitreißend war (Zum Anhören: Dirk Philippis damalige Radio-Reportage auf fudder). Aber das gestern hat durch die Kumulation in den letzten 90 Sekunden noch mal eine ganz eigene Dramatik gehabt. Das war schon episch.

Unabhängig davon wie Spiel 7 am Dienstag endet: Was bedeuten diese Siege schon jetzt für den Wiederaufbau des Vereins?

Für uns ist es riesige Motivation, es der Mannschaft gleichzutun: immer weiter zu arbeiten und immer an sich zu glauben. Wir müssen in der Führungsebene des Vereins an unser Konzept glauben, so wie die Mannschaft an ihr System glauben muss.

Das Besondere ist, dass eine Freiburger Mannschaft auf dem Eis steht mit vielen jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchsbereich.

Das ist das Schöne daran und das freut mich wahnsinnig für die Jungs. Wir haben sie einfach ins kalte Wasser geschmissen. Und letztlich haben am Sonntag zwei der Nachwuchsspieler, die bei uns das Eishockeyspielen gelernt haben, die Partie entschieden. Natürlich unter der Hilfe von ein paar erfahrenen Cracks. Aber solche Spiele zeigen auch, dass das Konzept fruchtet. Man muss keine Angst haben, auf seine eigenen Kräfte zu vertrauen.

Sie hatten am Sonntagabend mehr als 2000 Fans in de Halle. Wie bewerten Sie den Zuspruch der Zuschauer?

Das ist nicht selbstverständlich in der Oberliga. Da gibt es viele anerkennende Blicke von außerhalb. Auch gerade die Bad Tölzer loben uns über den grünen Klee. Es ist unsere größte Baustelle, nach den Geschehnissen der Vergangenheit die Zuschauer wieder zurückzugewinnen. Das klappte schon in der vierten Liga, der Trend hat sich jetzt in der Oberliga fortgesetzt. Das beweist: Freiburg ist sehr wohl eine Eishockeystadt und hat auch dieses Potenzial an Zuschauern.



Jetzt gibt es am Dienstagabend noch einmal eine Belastungsprobe für Ihr Herz: das siebte und entscheidende Spiel in Bad Tölz. Was da noch drin für Ihre jungen Wölfe?

Jetzt gibt es ein richtiges Endspiel, da ist ja das Wunderschöne am Playoffsystem. Prinzipiell ist alles drin. Bad Tölz bleibt natürlich Favorit. Sie sind amtierender Meister, haben Ansprüche auf die zweite Liga. Wir fühlen uns in unserer Rolle wohl. Wer unsere Jungs am Sonntag gesehen hat, der weiß, dass sie jetzt auch noch das Sahnehäubchen wollen.

Denken Sie überhaupt an die zweite Liga? Wie sieht Ihre Zukunftsperspektive aus – gerade mit Blick auf ein neues Eisstadion?

Momentan ist die zweite Liga kein Thema für uns. Wir wollen uns Stück für Stück weiterentwickeln. Wenn die neue Halle dann da ist, steht ihr sicher eine Zweitliga-Mannschaft gut zu Gesicht. Das wäre das mittelfristige Ziel. Wir wollen unseren Stamm an talentierten Spielern möglichst halten – das ist eine Schwierigkeit, die ja auch andere Freiburger Mannschaften kennen. Das wird unsere Hauptaufgabe sein, die Eigenen an uns zu binden und dann die Mannschaft so verstärken, damit sie in zwei, drei Jahren um den Aufstieg mitspielen kann.

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  [Fotos: Patrick Seeger]