Wölfe Freiburg

EHC Freiburg will Namensrechte an maroder Eishalle verkaufen

Benjamin Resetz

Die Franz-Siegel-Halle ist die meistgenutzte Sportstätte in Freiburg. Hier wird längst nicht nur Profi-Eishockey gespielt: Nutzer gibt es viele – und bald einen neuen Namen.

Eishockey, von den Profis bis zu Jugend- und Amateurmannschaften, aber auch Eiskunstlauf und zahllose Freizeitsportler schnüren in der altehrwürdigen Eisarena die Schlittschuhe. Doch das traditionsreiche Gemäuer ist marode. Bis sich die Stadt zu einem Neubau durchringt, wird saniert und erweitert, was das Zeug hält. Auch der Name der Halle steht zum Verkauf.


Sie ist alt, sie ist baufällig und mutet an wie ein Relikt aus grauer Eissport-Vorzeit. Ex-EHC-Stürmer Ben Walker meinte nach seinem ersten Training auf Freiburger Eis scherzhaft, sie habe "sicher jede Menge Geschichte". Die Franz-Siegel-Halle versprüht ihren ganz eigenen Charme: Die muffige Luft im Kabinengang, die marode wirkende Holzkonstruktion, die das Hallendach stützt: Es sind Zustände, wie sie wohl nahezu jeder Fußball-Bezirksligist brüsk ablehnen würde.

Und doch lieben die Freiburger ihr in die Jahre gekommenes Gemäuer an der Ensisheimer Straße, das den Eissportlern und Freizeit-Schlittschuhläufern noch eine ganze Weile erhalten bleiben muss. Denn eine neue Halle, wie sie der EHC Freiburg als Betreiber seit Jahren fordert, wird es vor 2024 definitiv nicht geben. "Bis dahin wollen wir die Halle so gut wie möglich modernisieren und zumindest in einen zumutbaren Zustand für Zuschauer, Aktive und Breitensportler bringen", sagt EHC-Präsident Michael Müller. "Sie ist zwar unsere geliebte Halle, aber inzwischen eine Zumutung."

Bedarf besteht allemal, denn die Franz-Siegel-Halle ist weit über ihre eigentliche Kapazitätsgrenze ausgelastet. Nicht nur die DEL-2-Eishockeycracks des EHC trainieren und spielen in der kalten Spielstätte mit dem diffusen Licht. Die Eiskunstläufer der ESG Freiburg trainieren hier ebenso wie die Eisstockschützen. Und Eishockey spielen hier nicht nur die Profis. Auch Amateure nutzen die Freiburger Eissporthalle, ebenso sieben Nachwuchsmannschaften, das Altherrenteam des EHC sowie die Para-Eishockeymannschaft, die in der kommenden Saison in den Bundesliga-Spielbetrieb einsteigt. Sie alle benötigen mehrmals in der Woche dieselbe Eisfläche. Hinzu kommen noch Hobbymannschaften.

"60 Prozent der Hallenauslastung macht allerdings der Publikumslauf aus", stellt Michael Müller klar. "Eine neue Halle ist daher nicht nur eine Investition in den Verein, sondern in eine der wichtigsten Sportstätten der Stadt." Meist sind auch nach den Spielen des EHC noch Freizeit-Hockeymannschaften auf dem Eis.

Die Halle bleibt nun ganzjährig geöffnet

Deshalb wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Halle so nutzerfreundlich wie möglich zu machen. Neue Beleuchtungsanlagen, neue Tontechnik, eine Videoleinwand, renovierte Kabinen, neue Schlittschuhe für den Publikumslauf oder ein neuer Vip-Raum sind nur einige Neuerungen. "Außerdem bekommen wir acht neue Container, in denen Kabinen für den Nachwuchs untergebracht werden – auch Damenkabinen", sagt EHC-Geschäftsführer David Bartholomä. So könnten auch Frauen- und Mädchenteams den Spielbetrieb aufnehmen.



Über 100.000 Breitensportler locke die Halle jede Saison aufs Eis. Schulklassen, Kindergärten, Freizeitläufer – sie alle nutzen die einzige Eissporthalle in der Region. Deshalb kam die Vereinsführung nun auf die Idee, die Halle das ganz Jahr über zu öffnen. Bisher wurde die Eisfläche stets von April bis August abgetaut. Erfahrungswerte gebe es keine, verrät Bartholomä. "Wir haben das aber durchgerechnet und festgestellt, dass wir wohl weder mehr Energie verbrauchen, noch mehr Geld für den Betrieb ausgeben werden." Im Gegenteil: Wirtschaftlich mache der Ganzjahresbetrieb Sinn. Zu 60 Prozent sei die Halle bereits für den Sommer ausgelastet. Für die noch freien Hallenzeiten werden Anfragen gesammelt.

"Wir haben die Zusage der Stadt. Mehr können wir noch nicht verraten" Michael Müller
Eine ganz besondere Neuerung wird es wohl zur kommenden Saison geben, denn erstmals in seiner Geschichte werden die Namensrechte am Freiburger Eistempel vermarktet. "Wir haben die Zusage der Stadt. Mehr können wir noch nicht verraten", sagt Michael Müller. Damit würde der Ex-Präsident des Vorgängerklubs ERC Freiburg, Franz Siegel, unter dessen Führung die Halle gebaut wurde, nicht mehr Namenspatron sein – nach fast 50 Jahren.

Am Wochenende steht wieder der Profisport im Mittelpunkt – oder besser im Mittelkreis. Dort ist auch das Motto zu lesen: "Sportstadt Freiburg – wir wollen alle eine neue Halle." Am Freitag beim Heimspiel gegen Bad Nauheim wird die alte Halle wieder zum Schauplatz des alljährlichen Teddy Bear Toss. Dabei werfen die Zuschauer selbst mitgebrachte Stofftiere in der ersten Spielunterbrechung aufs Eis. Die Plüschtiere werden gereinigt und von der Hilfsorganisation "Luftfahrt ohne Grenzen" an Kinder in Krisenregionen verteilt.
Wölfe wollen punkten

Heimspiel für den EHC Freiburg am Freitag, 19.30 Uhr, gegen den EC Bad Nauheim. Sportlich steckt der Eishockey-Zweitligist in einer schwierigen Situation: Nur zwei ihrer zurückliegenden elf Spiele konnten die Wölfe gewinnen und finden sich auf dem drittletzten Tabellenplatz wieder. Es gilt also zu punkten. Das Problem: Es fehlen fünf Stammkräfte in der Abwehr. Gleichzeitig sorgt der jährliche Teddy Bear Toss für ein Highlight während der ersten Spielunterbrechung. Dann sind alle Zuschauer aufgefordert, mitgebrachte Plüschtiere aufs Eis zu werfen, die später an hilfsbedürftige Kindern gespendet werden. Am Sonntag, 18.30 Uhr, gastiert der EHC dann bei den Ravensburg Towerstars.