Eishockey

EHC Freiburg stellt sich der Kritik der Fans

Benjamin Resetz

Die Wölfe Freiburg hinken den sportlichen Erwartungen hinterher. Fans kritisierten Vorstand und Trainerteam harsch. Jetzt lud der Verein unzufriedene Anhänger zum Fan-Talk ein.

Beim EHC Freiburg, aktuell auf Tabellenplatz elf in der zweithöchsten deutschen Eishockeyspielklasse, stimmen die Ergebnisse nicht. Fehlende Konstanz, Defizite im Torabschluss und zahlreiche Spiele, die trotz komfortabler Führung aus der Hand gegeben wurden, sorgen unter den EHC-Fans für Unmut. In sozialen Medien wurde zum Teil harsche Kritik an Vorstand und Trainerteam laut. Dieser stellten sich die Verantwortlichen nun im Rahmen eines Fan-Talks.


Es ist ein Konzept, das man beim EHC Freiburg aufgreift, wenn die Kritik aus dem Fanlager groß wird: der Fan-Talk. Wie schon in der Vorsaison suchte der Verein das Gespräch mit den Anhängern, da die Leistungen nicht den Ansprüchen genügten – weder den eigenen, noch denen auf den Rängen. So brach sich, nach einer sportlichen Berg- und Talfahrt im bisherigen Saisonverlauf und zuletzt vier Niederlagen in Folge, der Ärger mancher Wölfe-Unterstützer in den sozialen Netzwerken Bahn. Zeit zu reagieren, fand der Verein und lud kurzfristig zur großen Gesprächsrunde. Fast 100 Menschen folgten der Einladung und pilgerten am Mittwochabend zur Franz-Siegel-Halle.

Es entwickelte sich ein munteres Frage-Antwort-Spiel zwischen Fans und Vereinsvertretern. Von diesen waren neben dem ersten Vorsitzenden Werner Karlin, Trainer Leos Sulak und Kommunikationschef Karl Heidegger als Spielerrepräsentanten auch Kapitän Philip Rießle und Stürmer Tobias Kunz zugegen. Die Fragen waren vielfältig, drehten sich um spielerische, personelle oder kommunikative Aspekte. Konsens: Es läuft nicht rund in der dritten Saison nach dem Wiederaufstieg in die DEL 2. Diese sei besser geworden, die Mannschaft könne mithalten, habe aber Probleme, konstant ihr Potenzial abzurufen.

Kritik am Trainer vom Verein nicht mitgetragen

"Warum geht nach einem guten ersten Drittel stets ein Bruch durchs Spiel? Kriegen die Spieler weiche Knie?", lautete eine Frage an die Spieler. Kapitän Rießle antwortete offen: "Das geht natürlich auch an uns nicht spurlos vorbei – auch wir sind nur Menschen und denken in der Kabine darüber nach." Es wurde erörtert, wie Trainer und Führungsspieler nach Misserfolgen auftreten, wie man innerhalb der Mannschaft mit schwierigen Situationen umgehe. "Warum spielt der während der Saison verpflichtete Stürmer Mark Mancari in der Verteidigung, wenn doch das Toreschießen die große Baustellen ist?", so eine andere Frage aus dem Publikum. Zumindest hier konnte der Trainer eine klare Ansage machen: "Wir spielen seit Monaten verletzungsbedingt mit vier, fünf Verteidigern und Mark hat da Erfahrung. Ich würde ihn auch lieber heute als morgen im Sturm einsetzen."

Kritisiert wurde auch die Kaderplanung – nicht zuletzt, da die derzeit erfolgreichsten Scorer der Wölfe (Niko Linsenmaier und Mark Mancari) zu Saisonbeginn überhaupt nicht eingeplant waren. Und auch ihr Konzept, mit nur einem zweitligatauglichen Torhüter (Miroslav Hanuljak) in die Saison zu starten, mussten die Verantwortlichen rechtfertigen und lieferten dabei ungewöhnlich tiefe Einblicke in das Geschäft um den Kufensport. "Der dünne Kader ist auch der überraschend guten letzten Saison geschuldet", erläuterte Sulak. Spieler seien für andere Vereine plötzlich interessant und die Vertragsverhandlungen entsprechend schwierig geworden. Ferner habe man auf mehr Unterstützung vom DEL-Kooperationspartner aus Schwenningen gehofft. Die schwere Verletzung von Leistungsträger Ben Walker tue ihr Übriges. Finanziellen Spielraum für Neuverpflichtungen gebe es kaum, gestand Vereinsvorstand Karlin. "Sollte bis Transferschluss am 17. Februar aber feststehen, dass es in die Abstiegsrunde geht, so werden wir dennoch alles tun, um nachzuverpflichten." Eine erfreuliche Neuigkeit gab es dann aber doch: Verteidiger Gabriel Federolf, der seit Monaten an einer schweren Oberkörperverletzung laboriert, ist wieder ins Training eingestiegen.

Ans Eingemachte ging es, als Vertreter des Freiburger Fanprojekts ausgewählte Fragen aus den Online-Foren an die Beteiligten richteten – und dabei auch eine mögliche Entlassung von Trainer Leos Sulak, wie von einigen Anhängern gefordert, zur Sprache brachten. "Normalerweise würde ich auf so eine Frage nicht antworten, denn damit stellt man einen Trainer bereits infrage", so der Vereinschef, der dann aber doch klar Stellung bezog: "Nicht nur, dass wir voll hinter dem Trainerteam stehen. Wir finden sogar, dass es hervorragende Arbeit leistet." Immerhin hätte Sulak binnen weniger Jahre aus einer Regionalligamannschaft ein wettbewerbsfähiges Zweitligateam geformt, "mit vielen Eigengewächsen, die dem Verein seither treu sind".

Lob gab es für das Penaltykilling der Wölfe, die sich binnen eines Jahres vom schlechtesten zum besten Unterzahlteam der Liga mauserten. Auch die noch nicht kommunizierte sportliche und finanzielle Langzeitplanung des Vereins und der aktuelle Stand zum Bau einer neuen Eishalle wurden thematisiert. "Die ist, bis das SC-Stadion steht, kein Thema", so Karlin.