Efterklang: Sakraler Nachhall

Alexander Ochs

Ein Konzert im Theater? Ob das funktioniert? Hält das die Band aus, hält es die Zuschauer auf den Sitzen? Efterklang aus Dänemark haben am Freitag ein wunderschönes Konzert im Kleinen Haus gegeben.



Einen gewaltigen „Efterklang“ - zu Deutsch: Nachhall - hat das Freiburger Konzert der gleichnamigen dänischen Band ausgelöst. Beim Zuschauer irgendwo zwischen wohliger Wonne und fast sakraler Ergriffenheit angesiedelt. Dabei deutet zu Beginn erst einmal nichts darauf hin – außer, dass der orchestrale Kammerpop der dänischen Ausnahme-Combo im Theater perfekt aufgehoben ist.


Auf der Bühne im Kleinen Haus thront hinten DJ-gleich Mads Brauer mit seiner Elektro-Schaltzentrale, neben ihm Gitarrist Frederik Teige, rechts Thomas Husmer an Drums und Trompete, links Heather Woods Broderick an E-Piano und Querflöte, vorne Bassist Rasmus Stolberg und Sänger Casper Clausen, der auch vor einem Minidrumset steht. Hinten hängt in fünf Stoffbahnen das großartige Artwork ihres aktuellen Albums Magic Chairs. Eine kleine Frau im kleinen Schwarzen, zwei Schnurrbartträger und zwei Vollbärte – und der Elektromann ohne auffällige Gesichtsbehaarung. Insgesamt ein Setting wie auf einem klug arrangierten Gemälde.



Efterklang stellen nicht alles auf den Kopf, beginnen aber mit dem vorletzten Albumtrack „Mirror, Mirror” mit seinem klagenden Einstieg, der sich dann zu einem triumphierenden, hin- und mitreißenden Finale steigert. Harmonischer Gesang, bei vielen ihrer Songs fast schon ein eigenes Instrument, vielschichtiger Sound, häufige Instrumentenwechsel, viel Perkussives – das macht die Musik der Band aus. Eigen, aber artig. Der dürre Schlaks Casper Clausen, in Hochwasserhosen, lindgrünem T-Shirt und förstergrüner Strickjacke gewandet, bedankt sich bei den Zuschauern höflich fürs Kommen.



Auch, wenn mancher Trommelrhythmus und auch die Streicherarrangements vom Band kommen (der fantastische Peter Broderick ist diesmal nicht an Bord), geht von der Combo ein schräger Zauber aus. Auch, wenn es das Publikum erst beim letzten Song von den Sitzen reißt, ist das Staunen im Saal greifbar. Den Mund geöffnet, betrachtet man fasziniert das Bühnengeschehen. „Alike“, „Harmonics“, „Full Moon“ – wie an einer frisch aufgezogenen Perlenschnur reiht sich eine Songperle vom neuen Album an die andere.

Die sechs Nordlichter irrlichtern traumwandlerisch durch einen Kosmos aus melodischem, filigranem, leichtfüßigem und doch komplexem und abwechslungsreichem Indiepop, heiter-sakralen Elementen à la Arcade Fire, hingebungsvollen Chören und einem Bündel an Finessen. Das Spektakel entfaltet einen hypnotischen Sog, befeuert vom sympathischen Hohepriester Casper Clausen, der wie ein zu lang geratenes Rumpelstilzchen beschwörerisch um sein Drumset tänzelt, assistiert von seinen skandinavischen Schamanen.



Alle Blicke sind auf ihn, auf sie gerichtet. „Hier im Theater zu spielen erinnert mich an die Situation als Schüler an der Tafel“, gesteht denn auch der Frontmann. Diese ungewohnte Konzertsituation meistert die Band leichtfüßig. Kein akustischer Zuckerguss trieft aus den Boxen. Die größte Konzentration an Süßem fliegt anschließend durch den Saal: Schokotäfelchen, die die Dänen bei ihrem einzigen Schweizer Konzert auf der Tour ergattert haben.

Zuvor hat Bandmitglied Frederik Teige in Singer/Songwriter-Manier mit Gitarre das Publikum fast im Alleingang aufgewärmt. Kaum ist der erste Song gespielt, kramt Frederik in seinen Taschen und fördert einen kleinen Zettel zutage. „Es ist irgendwie lächerlich: Ich spiele ein wirklich kurzes Set, aber ich kann mich schon nicht mehr dran erinnern“, murmelt er entschuldigend. So verträumt er hier scheint, so träumerisch gibt sich seine ruhige, melodische Musik.



Gesamtprädikat: traumhafter Abend. Das Nachbeben dürfte im oberen Bereich auf der Richterskala verortet werden.

Mehr dazu: