Eek a Mouse im Jazzhaus: Besuch vom Reggae-Opa

Manuela Müller

"Dieser Mann ist Sex" urteilt unsere Rezensentin Manuela nach dem gestrigen Auftritt von Eek a Mouse im Jazzhaus. Pinni Wally, Ganja Smoking und Wah-do-dem - auf geht's zu ein paar Zeilen Jamaikaurlaub.



Gestern hat der jamaikanische Reggae-Opa Eek-a-Mouse in meinem Wohnzimmer gespielt. Naja, fast! Er war mit seiner Band im Jazzhaus, was Wohnzimmeratmosphäre bedeutet. Doch am Anfang wirkt alles noch ein bisschen flau. So richtig warm wird Eek-a-mouse bei den ersten Songs "Physically" und "I like them all" nicht. Deswegen trägt er heute auch statt des sexy Netzunterhemds eine Lederweste und darunter ein Neoprenanzug-look-a-like-Oberteil. Die vier, fünf Jahre, die seit dem letzten gesehenen Eek-A-Mouse-Konzert vergangen sind, merkt man ihm an, so der Gedanke nach den ersten Liedern. Wo steckt die Kraft dieses mittlerweile 52-jährigen Energiepakets?




Mit gemütlichem Roostsreggae geht das Konzert des Jamaikaners im Jazzhaus los. Als nach seiner Frage "How are you feeling" ein müdes Jubeln kommt, versucht er die Reggaefans mit seiner Kamera anzuspornen. Nach dem Motto: Wenn ihr gefilmt werdet, müsst ihr doch mal ein bisschen Jubeln. Große Wirkung zeigt das allerdings nicht. So richtig Feuer und Flamme sind die Freiburger noch nicht.

Das wird auch von der Band bemerkt: Kurze Diskussion, süffisantes Grinsen des Protagonisten und dann wird die Setlist geändert: Die Band spielt den Oldie "Joly": "Habe ich das nicht damals bei meinen Eltern im Radio gehört?" Heute läuft es in Reggae-Version. Jetzt ist der Funke übergesprungen. Kurz später singt das Publikum im Jazzhaus-Keller "Irie, Irie" und " I smoke ganja" auf Anweisung von Eek-a-mouse. Verheißungsvolle Blicke schickt der Zwei-Meter-Mann ins weibliche Publikum – und überhaupt: Dieser Mann ist Sex. Kann der sich überhaupt ohne lasziven Hüftschwung bewegen?



Als er das erste Mal Scatman-like anfängt, Silben wie ring, ding, bam oder la aneinander zu stottern, ist auf den Gesichtern der Reggae-Fans gleich eine Veränderung zu erkennen. Diejenigen, die ihn kennen, wirken erleichtert, dass es endlich losgeht. Diejenigen, die ihn zum ersten Mal live sehen, sind erstaunt, dass sich diese Musik hier in Freiburg ganz anders anhört als auf der Platte. Da steckt Feuer drin. Klassiker wie "Pinni Wally", "Ganja Smoking" und "Wah-do-dem" heizen die Stimmung an. Als das Tanzbein so richtig in Schwung ist, ist der Zauber auch schon vorbei. Klassisch ist im Jazzhaus um Viertel nach zehn Schluss.

Ins Schwitzen gekommen ist Eek-a-mouse an dem Abend nicht. Deshalb gibt die Band eine Zugabe, bei der Eek-a-mouse noch einmal richtig Gas gibt, um das Publikum nach zwei weiteren Klassikern erschöpft zurückzulassen. Hoffentlich bis nächstes Jahr! Denn diese Performance gibt es nicht auf Platte, auch wenn der alte Mann schon heftiger auf der Bühne abgegangen ist.

[Fotos: Eek a Mouse Website]

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