EchoFM: Im Studio beim Uniradio

Katharina Grewe

Seit fast 5 Jahren hat die Uni Freiburg einen eigenen Radiosender: EchoFM. "Du willst Indiependence?" fragt der Sender mit seinem Slogan, und diese Indiependence scheinen die Freiburger Studierenden zu wollen. Laut einer Studie des Marketing-Lehrstuhls schaltet jeder zehnte Student regelmäßig 88,4 ein. fudder-Autorin Katharina hat die Redaktion am Flugplatz besucht.



Es liegt im hintersten Winkel der technischen Fakultät: Das Studio des Unisenders echo-fm. Aus dem Fenster kann man Bagger sehen, die auf dem Flugplatz alles für den Papstbesuch im September vorbereiten. Auf einem Schrank stehen zwei alte Radios und ein paar getrocknete Blumen, daneben ein Paar Hausschuhe.

An den Wänden hängen überall Karten, Plakate, Ausschnitte aus Zeitschriften sowie Sendebestätigungen aus der Zeit, als es Echo FM noch nicht gab und das Uni-Radio noch als Radioagentur funktionierte. Damals produzierten Studierende noch kürzere, etwa eineinhalb Minuten lange Beiträge. „Die haben wir dann mangels Ausstrahlungsmöglichkeiten an deutsche Privatradiosender verteilt", erzählt Manuel Devant, Leiter der Redaktion und Mann für die Technik.

2004 kam die vorläufige Bewilligung von Medienbehörde und nach über zwei Jahren Studioaufbau sendet Echo FM seit dem 1. Dezember 2006 auf eigener Frequenz -  24h am Tag, 7 Tage die Woche. Die Zulieferungen für das Programm auf 88,4 kommen von der Pädagogischen Hochschule, den Jazz- und Rock-Schulen, dem Jugendhilfswerk, dem Studentenwerk und der Hochschule Kehl.  

Jeder Zehnte steht auf Indie-pendence

Stolz sind sie Radio-Mitarbeiteer auf die Werbung in eigener Sache in den VAG-Fahrzeugen im letzten Jahr. Von einem Radiosender, den keiner kennt, kann längst nicht mehr die Rede sein. Laut einer Studie des Lehrstuhls für Marketing und Gesundheitsmanagement zählte im letzten Sommer jeder zehnte Student zum Hörerkreis von echo-fm. Musik und Programm scheinen also gut anzukommen bei den jungen Menschen in Freiburg.



„Genug von Britney & Co.“
steht auf den Werbeplakaten, auf einem anderen Poster der Leit-Spruch „Du willst Indie pendence? – auf 88,4". Natürlich läuft hier nicht nur Indie-Musik. "So 'ne Adele, die flattert manchmal ins Programm," sagt ein Redakteur. Aber eigentlich stehe das Radio für musikalische Unabhängigkeit, will weniger bekannten Künstlern eine Chance geben und zu dem Einheitsbrei der anderen Sender einen Gegenpol bilden.

ECTS-Punkte statt Honorar - und jede Menge Spaß

Die Wortredaktion in der Georges-Köhler-Allee besteht aus rund 30 Mitarbeitern, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Sendungen produzieren. "In der Regel sind etwa fünf Mitarbeiter im Studio", erzählt Wendelin Schnitzler, der seit 2007 beim Sender ist. Zwei Mitarbeiter sind krank, zwei haben sich wegen Prüfungsstress abgemeldet. Es wird auf Hochtouren gearbeitet in der Redaktion um die Sendung um 16 Uhr trotzdem durchführen zu können. Heute moderiert Wendelin, es geht um die Themen Zukunft der Uni, Segelfliegen, Hollywood-Blockbuster und ein Hörspiel.

Die Mitarbeiter werden nicht bezahlt, aber manche erhalten ECTS-Punkte, die man durch Beteiligung am Programm erwerben kann ohne am Ende eine Klausur schreiben zu müssen. Außerdem bietet das Uni-Radio immer wieder Seminare und Workshops an, in denen man journalistische Fähigkeiten trainiert.

 

Improvisationsalarm: Der Studiogast kommt nicht

Der Zeitplan, der in der Redaktion angeschrieben ist, muss eingehalten werden. Um 16:20 Uhr steht der erste Studiogast auf dem Programm: ein Vertreter der AStA. Der taucht aber nicht auf. Warum, weiß keiner. Um den Gast noch etwas mehr Zeit zu verschaffen, gibt es kurzerhand einen kleinen Netzhinweis. Als um 16:27 Uhr immer noch niemand da ist, wird improvisiert und ein Beitrag, der für eben solche Fälle bereitsteht, abgespielt. „Das kommt immer wieder vor, dass jemand nicht auftaucht", sagt Devant. „Wer also keine Frustrationstoleranz hat, der kann’s lassen. Durchhaltevermögen bis zum geht nicht mehr braucht man, wenn man ein Erfolgserlebnis haben will.“

Der nächste Studiogast ist pünktlich. Konstantin Hansen redet übers Segelfliegen. Bei den Interviews läuft viel spontan. „Wer kommt, kennt das Thema, aber nicht die Fragen. Das Gespräch läuft gut. Manuel Devant ist zufrieden. „Wenn man sich am Ende des Interviews sieben Sachen gemerkt hat, war es ein gutes.“

Bis 19 Uhr wird gesendet. Dann übernehmen wieder andere das Programm, gesteuert vom Riesenradio im Nebenraum. Wenn im September der Papst kommt, wird die Redaktion wohl leer stehen müssen – aus Sicherheitsgründen. Zwei Notfallsysteme sorgen aber dafür, dass weiterhin Musik läuft, sollte ein Programm ausfallen. Die kann man dann also, trotz Tumult auf dem Flugplatz hören. Entweder über 88,4 oder weltweit per Webradio im Live-Stream.