Mobilität

E-Fahrzeuge erobern Dreisamradweg in Freiburg

Jens Kitzler (Der Sonntag)

Segways, Monowheels, Hoverboards, E-Scooter oder E-Boards: Immer neue Arten von Elektrofahrzeugen bevölkern den Freiburger Dreisamradweg. Auch wenn sie das (noch) gar nicht dürfen.

Auf dem Radschnellweg am Freiburger Dreisamufer herrscht wochentags Radel-Rushhour, an schönen Wochenenden dagegen wird er zum Lauf- oder besser Fahrsteg für alle Formen beräderter Freizeitmobilität. Lange dominierten dort Fahrräder, Inline-Skater und natürlich die Skateboards, die in Freiburg mittlerweile normales Verkehrsmittel sind. Wer dieses Pfingstwochenende aber lange genug am Uferweg verweilte, konnte dort auch ein Schaulaufen modernen Elektro-Rollmaterials beobachten. Die Radler müssen sich darauf einstellen, ihre Wege mit neuen Gästen zu teilen.


Die heißen Gyroscooter, Monowheels, Hyper- oder Hoverboards, E-Scooter oder E-Boards und die einst revolutionären Segways gehören neben ihnen fast schon zum alten Eisen. Ihre Fahrer stehen lässig auf Gefährten, die eigentlich Akrobaten vorbehalten wären, übernähme es nicht die Elektronik für den Fahrer, das Gleichgewicht zu halten. Hoverboards sind zweirädrige Bretter, auf denen der Fahrer steht wie auf dem Segway – nur dass nicht mal mehr ein Halt am Lenker notwendig ist. Das Gewicht nach vorne gelegt und das Ding saust los. Nach hinten lehnen, und die Fahrt wird verzögert.

Darf man nur daheim auf dem Hof mit fahren

Noch reduzierter kommen Solo- oder Monowheels daher. Nur noch ein Rad klemmt zwischen den Beinen des Fahrers, auch hier lenkt man durch Gewichtsverlagerung. In den Großstädten sind die Dinger bereits über den Freizeitstatus hinaus: "Ideal für Pendler, die das letzte Stück Weg zum Büro stressfrei zurücklegen wollen", urteilt die "Zeit".

Blöd, dass man sie eigentlich nur zu Hause auf dem Hof fahren darf. Denn für öffentliche Flächen sind sie nicht zugelassen. "Die Hoverboards und ihre Verwandten sind motorbetrieben", sagt Jerry Clark von der Freiburger Polizei. "Damit sind sie kein Sportgerät mehr, das man auf dem Gehweg fahren kann, wie beispielsweise Skateboards." Aber eine Zulassung für die Straße haben sie eben auch nicht. "Das haben eigentlich nur drei Gattungen bisher: E-Bikes, Pedelecs und Segways". In Rheinfelden stoppte die Polizei vergangene Woche einen Neunjährigen auf einem Hoverboard, das 15 Kilometer pro Stunde schnell war. Damit dürfte man es nur noch auf der Straße fahren und benötigte einen Mofa-Führerschein. Zudem müsste man es versichern. Aber natürlich versichert niemand ein Fahrzeug ohne Straßenzulassung. "Und die haftungsrechtlichen Folgen sind viel gravierender als die Tatsache, von der Polizei erwischt zu werden", sagt Jerry Clark. "Man ist nämlich voll haftbar, wenn man damit einen Unfall verursacht."

Im öffentlichen Straßenverkehr nicht erlaubt

Verkaufen tun sich die Dinger trotzdem. Bestellt werden Monowheel und Co. meist im Internet. "Die Scooter verkaufen sich gut", sagt Eyla Hassenpflug vom Bugginger Elektronik-Versand Pearl. "Wir bekommen in der zweiten Augusthälfte sogar noch ein Nachrüst-Set Kart-Sitz für Hoverboards ins Sortiment. Dann kann man auch im Sitzen fahren." Dass die Geräte in der Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt sind, gibt Pearl auf seiner Webseite an. Es stört die Käufer aber kaum.

Voll auf Elektro-Kleinstfahrzeuge setzt auch der Lörracher Händler Marco Schuler mit seiner Firma Sxt-Scooter. Er lässt vorrangig E-Roller in China produzieren und verkauft sie vor allem an Großhändler. Viele seiner Fahrzeuge sehen aus wie die Dinger, mit denen Kinder schon lange zur Schule fahren, nur haben sie unter dem Trittbrett Akkus und einen Motor montiert und sind mitunter auch voll aus Karbon gefertigt, wie teure Rennräder oder Formel-1-Autos. Auch hier steht "Nicht zugelassen" unter den Angeboten auf der Webseite. Der Beliebtheit tue das keinen Abbruch, sagt Schuler: "Die zugelassenen und die nicht zugelassenen verkaufen sich ungefähr 50:50". Aber Sxt hat auch Straßen-konforme Roller im Programm, Sitz, Rückspiegel, Klingel und Licht beeinträchtigen das sonst schlanke Design dann etwas. Egal: "Die Akzeptanz der E-Mobilität steigt und steigt", sagt Marco Schuler. "Wir haben Pendler, die die Teile täglich nutzen."

ADFC fordert Stadt zum Handeln auf

Dass neue Elektrofahrzeuge den Weg aus der rechtlichen Grauzone finden, kritisiert Schuler, dauere in Deutschland länger als in vielen anderen Ländern. Derzeit untersucht die Bundesanstalt für Straßenwesen, was für Geräte auf dem Markt sind und wie sie mit einer neuen EU-Genehmigungsverordnung und der deutschen Gesetzgebung in Einklang zu bringen wären. "Irgendwann hoffentlich werden sie verkünden, wie die Geräte beschaffen sein müssen, um die Zulassung zu bekommen", sagt Marco Schuler. "Wir vermuten: zwei Bremsachsen, eine Leistung von 300 bis 500 Watt, Geschwindigkeit maximal 25 Stundenkilometer." Einen Führerschein braucht man aber auch dann noch.

"Wir haben jetzt schon zu wenig Platz für den Radverkehr", sagt Johannes Bruns vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC, "wenn die ganzen neuen Elektrofahrzeuge dazukommen, wird es noch enger." Das sei aber kein Argument gegen diese Fahrzeuge, sondern dafür, dass die Städte endlich reagieren und die Verkehrswende einläuten sollten. Wie könnte das dann aussehen? "Beispielsweise die Fahrbahn für alle Fahrzeuge freigeben und das Tempo bei 30 begrenzen", sagt Bruns. Und wolle man die Städte und ihre Bürger aus der Dominanz des Autos lösen, passten dazu auch die kleinen Elektroflitzer. "Jede Form von Personentransport, für die nicht anderthalb Tonnen Blech bewegt werden müssen, ist gut", sagt Johannes Bruns.