E-Bike: Testfahrt auf dem Elektrofahrrad

Alina Ganter & Anezka Albrechtova

Nicht nur Rentner sind auf Elektrorädern unterwegs. Wir haben ein Modell des Faulpelzbikes rund im die Freiburger Innenstadt getestet. Selbst passionierte Radler könnten sich an dieses Stück Treterleichterung gewöhnen. Aber das E-Bike hat auch seine Macken.



Aufsteigen

"Nicht erschrecken beim Antreten, es geht gleich los", warnt Armin Winter. Er ist Mechaniker beim Fahrradladen Extratour am Schwabentorring. Es ist Freitagabend, nass, kalt und dunkel. Damit der Ledersattel nicht feucht wird, werde ich in der Garage eingewiesen.

Eigentlich sieht mein Flyer C8 aus wie ein normales Fahrrad, außer, dass vor dem Hinterrad eine kleine Box mit einer Batterie sitzt. Sie lässt sich nur mit Hilfe des Schlüssels für das Bügelschloss am Hinterrad abnehmen.

Auf der linken Seite des Lenkers befindet sich die kleine Schaltzentrale, die mir den Füllstand der Batterie anzeigt und an der ich regulieren kann, wie stark ich unterstützt werden möchte. Glücklicherweise kein technischer Schnickschnack, an dem ich noch vor dem Losfahren verzweifeln würde.



Die ersten hundert Meter fühlen sich komisch an. Es ist, als würde man mit sehr starkem Rückenwind fahren, mit dem Unterschied, dass sich der Motor nur beim Benutzen der Pedale einschaltet.

Elektrofahrräder, sagt Armin Winter, gibt es seit knapp fünfzehn Jahren, dieses Modell, der Flyer C8, existiert seit fünf bis sechs Jahren. "Wir haben ihn seit vier Jahren im Sortiment und seitdem schon über hundert Stück verkauft."

Die große Nachfrage, die in den vergangenen Wochen und Monaten aufgekommen ist, findet er sehr verwunderlich. "Das liegt vielleicht auch an den hohen Spritpreisen." Immerhin findet man die günstigsten Modelle in einer Preisklasse um 2000 Euro, von einer Studentin wie mir also nicht zu bezahlen.



Abschließen

Sonntagmittag, Anezka und ich fahren mit dem Flyer und einem normalen Fahrrad in die Innenstadt, um des Elektrofahrrad auf Alltagstauglichkeit zu testen. Bei den Fahrradständern vor dem KG II stoßen wir auf erste Probleme. Der Flyer hat am Hinterrad zwar ein Bügelschloss, aber in Fahrradknack-Capital Freiburg empfiehlt sich noch ein weiteres Schloss. Nach ein paar Anläufen haben wir eine etwas komplizierte, aber recht sichere Variante gefunden. Immerhin ist mein Flyer knappe dreieinhalbtausend Euro wert!



Tragen

Wie macht sich der Flyer, wenn man ihn Treppestufen hinaufträgt? Nicht leicht. Bei 25 Kilo Kampfgewicht komme ich ganz schön ins Schwitzen, als ich das Fahrrad die Stufen hoch trage. Allerdings gibt es am Vorderrad und unter dem Sattel - absichtlich oder nicht - praktische Bügel, an denen man gut zupacken kann. Störend sind dabei die Metallpedale, die bei jedem Schritt gegen das Schienbein stoßen. Eine Gummipolsterung wäre wünschenswert.



Überbrücken

Die Stadtbahnbrücke. Anezka wartet unten und kommt mir dann strahlend entgegengefahren. Als überzeugte Nicht-Radlerin - und dementsprechend untrainiert - fährt sie lässig die Brücke hoch, den Motor im hohen Gang. Sie ist überzeugt: «Das Rad würde ich mir sofort kaufen, wenn es nicht so teuer wäre."



Beim Brücken hochfahren und Antreten bekommt der Flyer die Bestnote, hier wird die komfortable Erleichterung spürbar.

Anschauen

Wir schieben unsere Räder Richtung Stadttheater und ernten schiefe Blicke, einerseits auf den ebenso urigen wie praktischen Seitenspiegel (der einer weiteren Passantin hilft, eine Fliege aus ihrem Auge zu reiben), andererseits auf den tiefen Einstieg des Flyers, der bei uns jungen Leuten doch etwas unangebracht wirkt.

Vor dem Cinemaxx fragen wir zwei junge Familien, ebenfalls ausgerüstet mit Zweirädern, was sie von dem Pedelec halten. Sie sind sich einig: Elektrofahrräder seien was für Rentner, ein richtiger Radler brauche so was nicht. Auch nicht in Anbetracht des Kindersitzes auf dem Fahrrad der Mutter? "Nein. Viele Mütter sind nach der Geburt dick und sollten lieber ohne Hilfsmittel fahren um das wieder herunter zu bekommen", sagt sie.

Auch optisch kommt unser Flyer nicht besonders gut an, wird als plump eingestuft. Von der Ästhetik her gefällt uns eigentlich auch nur der Ledersattel.



Schieben

Problem: Man war einkaufen und auf dem Heimweg ist da plötzlich diese wahnsinnig steile und lange Rampe, die man das Fahrrad samt vollem Einkaufskorb hochschieben muss. Mit dem Flyer hat man dieses Problem nicht, denn am rechten Lenker befindet sich ein kleiner, unscheinbarer Hebel, der durch kurze Hilfen des Motors das Schieben erleichtert. Zum Fliegengewicht wird der Flyer dadurch nicht, aber immerhin hebt die zusätzliche Unterstützung das Gewicht des Motors auf.

Bedienen

Das Elektrorad hat einen Tretlagermotor. Er ist in der Mitte des Fahrrads angebracht und überträgt die Energie zusammen mit der Muskelkraft über die Kette auf das Hinterrad. Durch die zentrale, tiefe Lage ist das Gewicht gleichmäßig verteilt, behindert allerdings Wendungen auf engem Raum.

Die Batterie des Elektrofahrrads reicht für knapp fünfzig Kilometer und besteht aus Nickel-Metall-Hydrid. Wenn sie leer ist, kann sie einfach abgenommen und über das Ladegerät an eine Steckdose angeschlossen werden.

Zudem ist sie robust, wetterfest und wartungsfrei: Bei Extratour musste angeblich erst ein einziges Mal eine Reparatur an einem Pedelec vorgenommen werden, und das nur, weil der Besitzer selbst an der Elektronik herumbastelte.

Fazit

Tretfaule werden vom Elektrofahrrad begeistert sein. Besonders bei Steigungen und beim Anfahren ist der unterstützende Motor ein Luxus, der uns im direkten Vergleich aufgefallen ist: schließlich musste bei unserem Test immer einer von uns kurbeln, während der andere gemütlich vorausfuhr.

Die Frage bleibt allerdings: wer braucht sowas? Für Rentner und Menschen, die körperlich nicht (mehr) in der Lage sind, die Kraft zum Selbertreten aufzubringen, bietet das Elektrofahrrad in jedem Falle eine umweltschonende und aktive Alternative zum Kraftfahrzeug. Schade nur, dass astronomische Preise und die seniorenorientierte Optik viele potentielle Kunden abschrecken.