Durchschrubben, bitte: Fasnet mit den Todtnauern

Clemens Geißler

Gestatten, das sind die Todtnauer Bürschtebinder. 12 Frauen und Männer und eine der unzähligen Zünfte, die am Sonntag die Freiburger Innenstadt durchnarrt haben. Wir haben einen der Schrubber gebeten, zu erzählen, was da genau abging. Get ready to rumble.



Seitdem ich vor zehn Jahren nach Freiburg gezogen bin, fahre ich zur fünften Jahreszeit eigentlich immer nach Hause, weil man Fasnet eben am schönsten in der Heimatgemeinde feiern kann.


Heimat bedeutet für mich: auf den Schauinsland und auf der anderen Seite wieder runter, tief rein in den Hochschwarzwald, nach Todtnau. In der 5000 Einwohner zählenden Stadt am Fuße des Feldbergs sind 13 Narrengruppen zu Hause. Zur Fasnachtszeit ist also ein guter Teil der Bevölkerung im Häs unterwegs.



Im Gegensatz zu sonst kann ich am Sonntag aber die Fasnet vor der eigenen Haustüre in Freiburg genießen. Während sich meine Todtnauer Kollegen im Schwarzwald auf mehrere Busse zur Fahrt in die Stadt verteilen, treffe ich mich mit den anderen Städtern aus meiner Clique, um uns auf den Umzug durch die Breisgaumetropole einzustimmen. Vorglühalarm!

Ein wenig Respekt kommt aber schon auf, angesichts eines so langen Umzuges. Es wird klar, dass es trotz der Kälte ordentlich warm wird unter der Holzmaske.



Um 12 Uhr ziehen wir, die Freiburger Fraktion der Bürsten- und Besenbinder Todtnau, in die Stadt. Wir sind zu zwölft, geschlechtsmäßig gut ausgewogen. Am Karlsplatz treffen wir auf die ersten verstreuten Gruppen aus unserer Heimatstadt, es werden immer mehr. So richtig bewusst war es mir nicht, wie viele das eigentlich sind. Aber zum 75. Geburtstag der Breisgauer Narrenzunft lässt man sich nicht zweimal bitten.

Die Bedienungen im "El Gallo" sind zwar etwas besorgt um ihr Frühstücksbuffet und die darauf aufgebauten Köstlichkeiten, als die verschiedenen bunten Gestalten mit allerlei umgehängten Glocken, Schellen und anderen Gegenständen das Lokal einnehmen. Aber nach einer Schrecksekunde werden auch wir ungewöhnlichen Gäste sehr nett bedient. Wir installieren uns einige Chicken Nuggets und ein paar Desperados, die letzte Stärkung vor dem Abmarsch.



Bei der Aufstellung auf dem Schlossbergring muss ich ein wenig an den Freiburg-Marathon an gleicher Stelle denken, wobei man den Jubiläumsumzug wohl eher weniger als Teil des Trainingsplans einstufen dürfte. Mit etwas Verspätung geht es los.

Vor dem Schwabentor warten die ersten Zuschauer auf den Zug. Wir sind überrascht, wie viele Leute am Streckenrand stehen und wie toll die allermeisten unseren Schabernack mitmachen.

Man muss nämlich wissen, dass wir Todtnauer Bürschtebinder und Bese dafür bekannt sind, die Umzugbesucher kräftig durchzuschrubben mit unseren Bürsten. Eine Riesenschrubberei, wenn's sein muss auch mit der Saubürste. Tut nicht weh, kitzelt nur e weng.

Bei kleinen Kindern gehen wir in die Hocke und nehmen die Maske ab, damit sie keine Angst haben und sehen, dass da ein Mensch druntersteckt. Wir verteilen keine Guzzele, sondern Todtnauer Zahnbürsten, eine traditionelle Erinnerung an unsere Bürstenindustrie. Kommt auch ganz gut an.



Am Münster wartet ein Fernsehteam vom SWR. Im Fernsehen übertragen zu werden ist auch für Narren, die schon lange dabei sind, nichts Alltägliches. Aber viel Zeit, in die Kameras zu winken, bleibt nicht. Rasch sind wir auf der Kajo, auf dem Rotteckring und wieder auf dem Rückweg über die Bertoldstraße. Als wir das Martinstor passieren, kommt es uns vor, als wäre es gerade erst losgegangen, obwohl wir nach drei Kilometern unter den Holzmasken und mit den schweren Narrenutensilien ganz schön ins Schwitzen gekommen sind.



Gott sei Dank gibt es in Freiburg genügend Möglichkeiten, den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. So verteilen sich die Hästräger in all den Kneipen, die kein Schild mit der Aufschrift "Kein Zutritt für Narren" an der Türe haben.

In unserem Fall ist das zuerst der Martinsbräu und danach das Schwabentörle, eine Hochburg für Wesen wie uns. Wir unterhalten uns auch mit einer ganzen Menge Alt-Freiburger, die sich mächtig freuen, wiedermal so viele närrische Freaks in der Stadt zu haben. Man kommt schnell ins Gespräch, verkauft Plaketten und hat ne gute Zeit, trotz Krise. Unser Motto lautet heuer ja auch: "Des bringe mer wieder hi - s'isch scho mängmol hoorig gsi."

Irgendwann machen sich die anderen Todtnauer auf den Rückweg zu ihren Bussen. All die Beeriwieber, Tannengeister, Chruedderwieble und Dichelbohrer, was ein toller Haufen. Trotzdem bin ich dann doch froh, dass ich heute Heimvorteil habe.

Mehr dazu:

Web: Todtnauer Narrenzunft
fudder.de: Polemik zur Fasnet