Dufus bringen das Swamp zum Kochen

Christian Beller

Wenn das New Yorker Bandkollektiv Dufus zum Konzert einlädt, dann weiss man nie was einen erwartet. Seit zehn Jahren gibt es das Anti-Folk-Projekt um Seth Quankmeyer Færgoalzia und so ziemlich jeder, der in dieser Szene aktiv ist, war schon mal daran beteiligt. Bei der ersten Deutschlandtour im vergangenen Jahr war das Bandoberhaupt allein mit der Sängerin Erin Riedel unterwegs, die er bei einem Auftritt aus dem Publikum geholt hatte; bei anderen Konzerten wird jeder, der Lust hat, ein Instrument zu spielen auf die Bühne geholt. Und so wurde gestern auch das gut gefüllte Swamp Teil von Dufus.



Aber noch mal von vorne. Es ist etwa 21:30 Uhr als eine in rotem Umhang und mit selbstgebasteltem Papp-Ritterhelm gekleidete Gestalt die Bühne betritt und seinen Platz hinter dem Keyboard einnimmt.


Es folgt das Bandoberhaupt, in anscheinend ebenfalls selbstgenähten Kleidern, mit der Gitarre und der Bassist und Schlagzeuger mit dicken Schals um den Kopf. Dufus sind für ihre experimentelle und auf den ersten Blick chaotisch erscheinende Musik bekannt und so gibt es zuerst auch mal minutenlang sphärische Klänge zu hören die dann in den ersten Song übergehen.



Als das Publikum dann zum ersten Mal die Gelegenheit bekommt zu klatschen sind dann auch schon 15 Minuten vergangen. Was folgt ist ein über zwei Stunden langes Set aus verhältnismäßig konventionellen Rock und Folk Songs, Musicalmelodien, zappaesken Experimenten, Brüllen, Atmen, verstellten Stimmen und dem gar nicht so zurückhaltenden Swamp-Chor.



Als Instrumente werden unter anderem auch Töpfe, halbvolle Biergläser und ein umgebauter elektrischer Rasentrimmer verwendet und spätestens als das halbe Swamp zum kollektiven Drumsolo antritt weiss man, dass das ein Konzert ist, das einem ewig in Erinnerung bleibt.

Ein bisschen schräg, aber sehr sympathisch ist das alles und Songs wie das in der Zugabe gespielte „Ball Of Design“ sind einfach großartig und kommen erst live richtig zur Geltung. In einem Artikel der Spex formuliert Seth Quankmeyer Færgoalzia was für ihn die Essenz des Anti-Folk ist: „It’s not about the kind of music you make, it’s about the kindness of people you meet.“



Und so passt es auch, dass sie extra um noch in einen Geburtstag hineinzufeiern bis nach Mitternacht weitergespielt haben und vermeintlich traurige Menschen aus dem Publikum kollektiv umarmten. Na jedenfalls schienen am Ende alle glücklich und zufrieden und man darf gespannt sein, was sich Mr. Færgoalzia, der auch schon mehrere Opern inszeniert und mit Jean-Michel Basquiat ausgestellt hat, als nächstes einfallen lässt.

Ich hoffe jedenfalls, dass es Dufus noch öfters nach Deutschland verschlägt.

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