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Du wirst also Taxifahrer oder Lehrer!? Geschichte im Studiengangcheck bei fudder

Frank Ohlhoff

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psychologie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Geschichte.

Worum geht’s?

Geschichte beschäftigt sich mit der Entwicklung der Menschheit, von ihren Ursprüngen bis hin zur Gegenwart. Dabei wird versucht, Erklärungen für das Denken und Handeln früherer Personen oder ganzer Bevölkerungsgruppen zu finden, und die Zusammenhänge zwischen diesen Prozessen. Außerdem wird ein kritischer Umgang mit der Vergangenheit und ihrer verschiedenen Darstellungsformen, sowie sonstigen Medien, vermittelt.

Gender-Check

Laut der Statistik-Seiten der Uni Freiburg überwiegen die Männer mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

Geschichtsstudierende wollen alle später entweder Lehrer oder Taxifahrer werden. Manchmal scheint vergessen zu werden, dass man Geschichte nicht nur auf Lehramt, sondern auch auf Bachelor und Master studieren kann. Der Wunsch, einmal nur zu unterrichten, ist deswegen nicht bei allen vertreten, sogar bei den Lehramtsstudierenden selbst nicht. Und persönlich kenne ich niemanden, der wirklich als Taxifahrer geendet ist, oder dies auch nur vorhat.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

Es gibt viel zu lesen. Sehr viel. Geschichte ist, wie andere Geisteswissenschaften auch, ein reines Lesestudium. Natürlich hängt es stark vom Dozenten ab, wie viel es dann tatsächlich ist, aber im Allgemeinen ist das Pensum schon ziemlich hoch. Durchschnittlich hat man nur 15 bis 20 Stunden Unterricht in der Woche, und der ganze Rest ist Eigenarbeit, die vor allem darin besteht, Sekundärliteratur und Quellen zu lesen und zu analysieren.

Der beliebteste Spruch

,,Was machst du denn später überhaupt damit?" Diesen Spruch hört man nicht nur von vielen Freunden, sondern auch bei jedem Familienfest. Natürlich ist das Berufsfeld nicht so klar definiert, wie bei einem Medizin- oder Jurastudium, aber die erlernten Kompetenzen können in vielerlei Berufszweigen eingesetzt werden. Zum Beispiel im Journalismus oder Museum, in der Öffentlichkeitsarbeit oder der Geschichtsforschung. Wichtig ist dafür, dass man schon früh Praxiserfahrung sammelt, beispielsweise im Praktikum oder als Werkstudent.

Warum man Geschichte studieren sollte

Weil es einem ein sehr tiefes Verständnis für die Entstehungsbedingungen unserer heutigen Gesellschaftsverhältnisse vermittelt. Warum sieht die Welt heute so aus? Warum handeln bestimmte Bevölkerungsgruppen so, wie sie es heute tun? Viele komplexe Entwicklungen heutzutage werden einem erst dann verständlich, wenn man sich mit ihrer Geschichte beschäftigt. Dadurch erkennt man, dass nichts gegeben und alles vergänglich ist. Außerdem ist das Studienfach sehr breit angelegt, man kann sich mit jedem Themenfeld befassen, das einen interessiert. So bekommt man auch Einblicke in andere Disziplinen wie die Wirtschaft, Soziologie oder Politik. Die Geschichte beschäftigt sich mit allem, sie wird nicht umsonst gerne als "Königsdisziplin der Geisteswissenschaften" bezeichnet.

Das nervt

Die teilweise geringe Wertschätzung von außen. Oft wird das Geschichtsstudium von anderen Studierenden oder den Verwandten nicht ernst genommen. Oder die ganze Disziplin wird als "Laber-Fach" abgestempelt.

Was Geschichtsstudierende in der Vorlesung machen

Ihre größten Multitasking-Fähigkeiten unter Beweis stellen, in dem sie gleichzeitig dem Dozenten gespannt zuhören, hastig Notizen schreiben und nebenbei auf Jodel oder Facebook unterwegs sind. Nur die unzähligen Gasthörer im Seniorenalter schenken dem Dozenten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Wo Geschichtsstudierende anzutreffen sind

Im KG4 (beim Kaffeeverkauf) oder zu Hause.

Work-Life-Balance

Es hängt ganz davon ab, wie ernst man das Studium nimmt und wie ehrgeizig man ist. Der hohe Anteil an Eigenarbeit lässt einen das ganz selbst bestimmen. Mit Minimalaufwand kommt man schon irgendwie durch, kann dann aber in Hausarbeiten und BA/MA-Arbeit nicht unbedingt die besten Noten vorweisen. Desto mehr Interesse man für die Materie aufbringt, desto größer ist die Motivation. Dann fällt es einem gar nicht mehr auf, wenn man mal wieder mehrere Stunden hinter dicken Folianten verbracht hat. Auch die erforderlichen Lateinkenntnisse nachzuholen ist viel Arbeit. Im Allgemeinen hält es sich aber im Rahmen.

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