Drohnen für alle: Wie man zum Piloten eines Mini-Hubschraubers wird

Philipp Schulte

Immer mehr Hobbybastler, Unternehmen und Journalisten machen mit Hilfe von Drohnen Fotos und Videos aus der Luft. Felix Hosenseidl von der Freiburger Firma Flymotions bietet mit Drohnen gefilmte Image- und Eventfilme an. Wie so eine Drohne funktioniert und wie man selbst zum Mini-Hubschrauber-Piloten wird:



Die Drohne ist pechschwarz und sieht aus wie eine Riesenspinne. Sie piept, blaues Licht leuchtet auf und ihre Propeller beginnen sich zu drehen. Felix Hosenseidl schiebt den Steuerknüppel nach vorne. Die Propeller drehen sich in Höchstgeschwindigkeit, Grashalme werden nach hinten geblasen, ein Brausen ist zu hören. Dann hebt die Drohne ab.


Es ist ein Testflug für Hosenseidl, den Piloten, und seinen Kollegen und Kameramann Stephan Schneider. Jeder bedient eine Fernsteuerung groß wie ein iPad. Hosenseidl steuert die Drohne, Schneider die Kamera, die an der Drohne befestigt ist. Beide stehen vor der Hochburg bei Emmendingen und wollen an diesem Tag die alte Ruine aus der Vogelperspektive filmen. 30 Meter hoch über der Burg schwebt das Fluggerät, die Kamera fängt sogar die Gipfel des Schwarzwalds ein, die von der letzten Sonnenstrahlen des Tages beleuchtet werden.

Felix Hosenseidl (41) hat vor wenigen Wochen in Freiburg die Firma Flymotions gegründet, die Image- und Eventfilme produziert. Er ist ein Dienstleister, der seinen Kunden Luftvideos anbietet, die mit einer Drohne produziert werden. Sie inspizieren Industrieanlagen oder hohe Bauwerke und machen Videos bei Hochzeiten. „Wir sind billiger als ein Helikopterflug oder Kamerakran“, sagt der Pilot. Auch könne eine Drohne tiefer fliegen als ein Helikopter. So hat Hosenseidl, selber Segelflieger, auch schon den Freiburg Marathon aus der Luft gefilmt.

Doch nicht nur für gewerbliche Zwecke gehen immer häufiger Drohnen in die Luft. Auch viele Hobbypiloten lassen fliegende Kameras steigen. Jeder kann im Elektronikmarkt eine Drohne mit eingebauter HD-Kamera ab 300 Euro kaufen. Einfache Mini-Drohnen gibt es im Netz schon ab 30 bis 40 Euro. Bei Hosenseidls Drohne, die knapp fünf Kilo wiegt, handelt es sich um einen sogenannten Oktokopter mit acht Propellern. Anschaffungspreis: 18000 Euro – ohne Kamera.

Steuern kann man einen Quadrokopter – also ein Fluggerät mit vier Propellern – mit einem Smartphone. Die neueste Kopter-Generation, die nur 500 Gramm wiegt, überträgt die Filmaufnahmen live auf ein iPhone oder iPad. So kann man vom Boden aus den Flug verfolgen. Die Reichweite einer Drohne ist technologieabhängig und reicht von 50 Metern bis zu einigen Kilometern. 



Im Internet finden sich viele Bauanleitungen für Drohnen. „Die Bastlerszene ist groß“, sagt Drohnenexperte Marcus Bösch, der auf drohnenjournalismus.de über das Thema bloggt. Es gebe viele Anwendungsgebiete. So nutze die Feuerwehr Drohnen, um Gebäude zu inspizieren. Umweltschützer spürten Walfänger auf dem Meer auf. Bauern nähmen ihre Felder von oben unter die Lupe. Und auch die Polizei setze in einigen Bundesländern Drohnen ein.

Auch im Journalismus werden die unbemannten Fluggeräte eingesetzt. In den USA ist der Einsatz von Drohnen nach Tornados üblich, um sich ein Bild von der Verwüstung zu machen. TV-Sender nutzen Drohnen, um Aufnahmen von Demonstrationen, Festivals oder Sportevents zu machen. Das Schweizer Fernsehen übertrug dergestalt die Skifahrer des Lauberhorn-Rennens. Und Boulevard-Medien spionieren mit kleineren Drohnen die Anwesen von Stars aus.

Kann man also mal eben zum Nachbarn rüberfliegen und schauen, was der so macht? Besser nicht. Denn Menschen ohne deren Erlaubnis gezielt zu filmen, ist nicht erlaubt. „Ob das bloße Filmen eines Privatgrundstücks unzulässig ist und in das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen eingreift, hängt davon ab, wie gut die Qualität der Aufnahme ist“, sagt der Düsseldorfer Fachanwalt für IT-Recht Christian Terhaag. „Werden Drohnen allerdings über öffentlichem Gelände, zum Beispiel einem Park, gestartet, gilt grundsätzlich, dass Personen, die eher zufällig ins Bild geraten, als so genanntes Beiwerk, durchaus mit gefilmt werden können.“

Ganz wichtig: Wer selber einen Quadrokopter starten möchte, sollte unbedingt eine Haftpflichtversicherung für Flugmodelle abschließen, empfiehlt die Computerzeitschrift c’t-Hardware-Hacks in einem Drohnen-Special (Ausgabe 3/2013). Für Einsteiger biete sich etwa die Haftpflichtversicherung der Deutschen Modellsport Organisation für 40 Euro im Jahr an. Außerdem: Der Quadrokopter darf die Sichtweite des Piloten nicht verlassen und sich dabei maximal 300 Meter entfernen. Als maximale Flughöhe erlauben die meisten Bundesländer 100 Meter.

Der Freiburger Drohnen-Unternehmen Hosenseidl hatte noch keinen Unfall mit seiner Drohne. Er fliegt sie auch über Wasser und unwegsamem Gelände. „Wenn man auf Hindernisse achtet, passiert nichts. Sie kann nicht einfach abstürzen“, sagt er und setzt seine Drohne sanft ins Gras. Das Brausen verstummt. Die Propeller werden wieder sichtbar. Das blaue Licht geht aus. Das fliegende Auge hat die Hochburg aus der Vogelperspektive gefilmt.



Was ist eine Drohne?

Drohnen sind unbemannte Fluggeräte. Ein Multikopter ist ein Mini-Hubschrauber mit mehreren Propellern, der mit hochwertigen Systemkameras oder Action-Kameras ausgestattet wird. Ein Kopter mit vier Tragarmen wird als Quadrokopter, einer mit acht Tragarmen als Octokopter bezeichnet.

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