Drogenschnelltest: So entlarven Polizisten benebelte Fahrer

Adrian Hoffmann

Immer häufiger erwischt die Polizei Autofahrer, die Drogen konsumiert haben. Adrian hat Beamten der Autobahnpolizei Umkirch eine Nacht lang begleitet. Er wollte wissen: Wie erkennen die Beamten, ob ein Autofahrer Drogen genommen hat?



Die Polizei erwischt immer mehr Autofahrer, die Drogen genommen haben. Das liegt daran, dass sie in den vergangenen Jahren deutlich mehr kontrolliert. "Die Folgen im Straßenverkehr nach Genuss illegaler Drogen wollen zu viele noch nicht wahr haben", heißt es im aktuellen Verkehrssicherheitsbericht der Polizeidirektion Freiburg. Dabei sind es neben Raserei und Alkohol die Drogen, die laut Statistik zu den folgenreichsten Verkehrsdelikten führen. Wir wollten wissen, wie man erkennt, ob Autofahrer auf Drogen sind, und haben die Autobahnpolizei Umkirch eine Nacht lang begleitet.


Die Polizei hat zwei Möglichkeiten, bei ihren Kontrollen den Drogenkonsum von Autofahrern nachzuweisen. Entweder mit der Urinprobe aus dem Pinkelbecher oder mit dem so genannten Drugwipe, einem Drogenvortest, den man über die schwitzige Stirn streift, fünf Minuten lang abwartet, und gleich ein Ergebnis vorliegen hat.

Vorher aber müssen Polizisten entscheiden, wen sie überhaupt auf die Standspur winken und genauer überprüfen. Dafür haben sie eine ganz simple Methode: Sie schauen den Fahrern einfach ganz tief in die Augen.

Es ist früher Sonntag, zwei Uhr, als vier Polizisten der Autobahnpolizei Umkirch und zwei Beamte des Bundesgrenzschutzes eine Kontrollstelle am Zubringer Freiburg-Mitte errichten. Heinz Ketterer, 36, Dienstgruppenleiter der Autobahnpolizei, stellt orange-weiße Hütchen vor dem Polizei-Bus und dem Streifenwagen auf, holt einen Leuchter aus dem Kofferraum und fängt an. Die Fahrer machen ganz brav die Fensterscheibe runter, Ketterer sagt laut "Verkehrskontrolle", dann leuchtet er dem Fahrer ins Gesicht, beugt sich weit vor und riecht.

Ja, diese beiden letzten Punkte sind entscheidend. Das Leuchten gibt schnell Aufschluss darüber, ob jemand Drogen genommen haben könnte oder nicht. "Man sieht es an den Pupillen", sagt Heinz Ketterer. Die Pupillen sind bei Dunkelheit groß, deutlich größer als bei Lichteinfluss. Die normale Reaktion auf Licht ist, dass sich die Pupillen zusammenziehen. Bei Menschen, die Drogen genommen haben, ist das nicht so oder es geschieht langsamer, oder die Pupillen flackern. Ketterer hat für solche Fälle mit der Zeit einen Blick bekommen.

Bemerkt Heinz Ketterer, dass die Pupillen sich nur sehr langsam zusammenziehen, gibt er einem seiner Kollegen René Schröter, 26, oder Benjamin Schmidt, 21, den Auftrag, an diesem Kandidaten den Pinkelbecher einzusetzen, oder, wenn das nicht funktioniert (Beliebte Ausrede: “Ich war grade noch in der Disco auf der Toilette”), auf Drugwipe zurückzugreifen.

Das läuft immer gleich ab: Drugwipe ist ein Teststreifen, der ähnlich wie ein Fieberthermometer aussieht. Er ist in ein Gehäuse eingebaut und damit vor Umwelteinflüssen geschützt. Das Gehäuse besteht aus vier Kunststoffteilen (Unterteil, Oberteil, Wischer und Wassertank).

Die Polizisten streifen den so genannten Wischer dem Fahrer, den sie überprüfen, über die verschwitzte Stirn oder über die Achsel. Innerhalb von drei bis fünf Minuten ist das Ergebnis zu sehen: Bildet sich eine zweite rote Linie auf dem Teststreifen, bedeutet das: Der hat Drogen genommen. Und der Test kriegt alles raus, manche Fahrer wollen nicht dran glauben, erst wenn sie erwischt wurden - er erkennt Kokain, Cannabis und Amphetamine/Methamphetamine (Ecstasy).

Auch das Vorbeugen ins Auto des Fahrers und das im ersten Moment aufdringlich wirkende Riechen hat seinen Grund. Heinz Ketterer ist strikter Anti-Alkoholiker und wenn jemand irgendwie in die Nähe von alkoholischen Getränken gekommen ist, merkt er es sofort. Autos, in denen es nach Alkohol riecht, lässt er deshalb grundsätzlich genauer überprüfen.

Es kann dann natürlich sein, dass der Fahrer überhaupt nichts getrunken hat und es letztlich nur die Beifahrer waren, die ordentlich gebechert haben - so wie in dieser einen Nacht: Einer auf den anderen Fahrer tritt zum Alkotest an, und nur einer hat zuviel getrunken. Aber die Polizei will auf Nummer sicher gehen. “Ich kenne da kein Pardon”, sagt Ketterer und lacht.

Georg Schneider, 46, Ketterers Kollege, stellt fest, dass mehr Autofahrer als noch vor ein paar Jahren anständig bleiben. Er führt das auf verstärkte Kontrollen wie diese zurück, wegen derer die Zahl der Polizeimeldungen mit der Überschrift "Cannabis am Steuer" deutlich steigt. Allerdings könnte diese Anständigkeit auch damit zusammenhängen, dass Discobesucher auf der Rückfahrt die Autobahn meiden, weil sie von derartigen Kontrollen wissen. Dadurch wird die Autobahn zwar auch sicherer, der Drogenkonsum aber würde dadurch nicht sinken.

Die Polizisten haben in dieser Nacht erwartet, Discobesucher aus Lahr auf der Rückfahrt zu kontrollieren, wo in einer Disco ein bekannter Techno-DJ aus Frankfurt aufgelegt haben soll, doch selbst kurz nach fünf Uhr auf Streife finden sie keinen. Auch die Franzosen, die in Deutschland feierten und kontrolliert wurden, kamen allesamt nicht aus Lahr, sondern aus Discotheken um Freiburg herum - und tranken weder zuviel noch nahmen sie Drogen.