Drogen, Homo-Ehe, Veggie-Day: Zweierpasch schreiben mit Schülern Battle-Rap zur Bundestagswahl

Christina Fortwängler

"Rap dich zur Wahl": Zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Wiese-Schule haben die Freiburger Rap-Zwillinge Zweierpasch einen politischen Battle-Rap-Text geschrieben. Aufgenommen und gedreht haben sie den Track im Artik.



HipHop-Beats schallen durch den Gemeinschaftsraum der Jugenkulturplattform Artik. Auf den Sofas sitzen zehn Jugendliche, davon zwei Mädchen. Sie wippen mit, ihre Augen sind auf den Text an der Leinwand geheftet, als sie gemeinsam anfangen zu rappen: „Rap dich zur Wahl, rap, rap dich zur Wahl. Rap dich zur Wahl. Ist die Wahl euch egal?“


Heute ist Dienstag, der fünfte Tage des Projekts „Rap dich zur Wahl“, das die Zwillinge Till und Felix Neumann vom Freiburger HipHop-Duo Zweierpasch mit Schülerinnen und Schülern der Freiburger Wiese-Schule durchführen. Dabei ist die Aufgabe, aus den Wahlprogrammen der großen Parteien einen Battle-Rap-Text zu schreiben, in dem verschiedene politische Positionen gegenübergestellt werden.

Jeder Jugendliche hat sich ein Thema ausgesucht und eine Strophe verfasst – ein bisschen Coaching boten Zweierpasch, um die Beiträge in ein geeignetes Versmaß zu bringen und raptauglich zu machen. Zusammen mit Erhard Steiner, Lehrer an der Wiese-Schule und Mitbetreuer des Projekts, haben sie die Idee an der Schule vorgestellt. Zehn Schülerinnen und Schüler im Alter 14 bis 17 Jahren machen nun mit.

Es ist schwer zuzusehen,
denn die Menschen - kämpfen ums Überleben;
Jugendarbeitslosigkeit - mir kommen schon die Tränen,
wie es uns geht - brauch' ich nicht zu erwähnen.

Dieses Thema ist leider schwer zu begreifen,
deswegen rappen wir, ums euch zu zeigen,
damit ihr es versteht, und unsere Löhne steigen.
Das ist mein Aufruf an die Parteien.


Die Jugendlichen rappen einzeln über ihre Meinung zu Jugendarbeitslosigkeit, Veggie-Day, Drogen, politischem Desinteresse, Mindestlohn oder Homoehe – den Refrain bestreiten sie zusammen.

Die Einzelbeiträge werden im Tonstudio im Artik aufgenommen, gemastert und mit Beats unterlegt. Am Ende soll ein etwa vierminütiger Track entstehen. Mit einem Videodreh wird das Projekt abgeschlossen. Erscheinen wird es auf YouTube und optional auf den Internetauftritten der Parteien. Die CDU hat außerdem angekündigt, das fertige Video auf ihrer Wahlparty am 22. September zu zeigen.



Das Hauptaugenmerk des Projekts liege darauf, dass sich die Jugendlichen mit Demokratie und Bundestagswahl beschäftigen, sagt Felix. „Wenn du junge Leute für Politik interessieren möchtest, brauchst du ein geeignetes Medium, das sie anspricht“, sagt er. „Das ist bei uns die Vermittlung über Rap und über Themen, die für sie Relevanz haben.“

Die Idee sei ursprünglich aus dem gemeinsamen Brainstorming mit der Landeszentrale für politische Bildung entstanden, für die Felix tätig ist. „Wir wollten ein Projekt zur Bundestagswahl machen für junge Leute aus allen Bildungsniveaus, die sie mit ihren normalen Angeboten nicht erreichen“, sagt er. Es geht um spielerisches Annähern an politische Inhalte und darum, Motivation zu schaffen, sich mit Demokratie und Bundestagswal zu beschäftigen.

Nach ein paar Durchläufen sitzt der Track

„Record“ ist an der Tür zum kleinen Aufnahmeraum im Artik zu lesen. Ein paar haben hier gestern schon aufgenommen, andere sind heute mit ihrem Part dran. Aufnahmeleiter Christian Soukup spielt die bisherigen Aufnahmen vor, an die sich Evans Rap anschließen soll. Der 16-Jährige steht vor dem Mikro, während Chris instruiert und Tipps gibt. Im Aufnahmeraum muss absolute Ruhe herrschen, der Aufnehmende darf entscheiden, wer zuhören darf. Evan hört sich seine Aufnahme ein paar Mal an, nimmt noch mal auf, bis er zufrieden ist.

Seine Themen sind das Spannungsfeld von Legalität und Illegalität im Bereich Alkohol und Drogen: „Volksdroge Nummer 1 - guter alter Alkohol. Jährlich sterben Tausende, dafür gibt es kein Verbot“, rappt er. Nach ein paar Durchläufen sitzt der Track. Morgen sollen die letzten ihre Beiträge einspielen, am Donnerstag wird dann das Video gedreht.

Los ging es vergangenen Mittwoch, 11. September. Am ersten Tag haben die Schülerinnen und Schüler nur Raptechniken, Reime, Flow und eigene Texte schreiben geübt. Die nächsten Tage standen politische Inhalte im Mittelpunkt. „Wir haben sie ein bisschen recherchieren lassen, welche Positionen es gibt und von welchen Parteien sie vertreten werden“, erzählt Felix.



Das Projekt macht den Schülerinnen und Schülern sichtlich Spaß, und die Motivation ist hoch. Die 16-jährige Seraphina macht gerade ihren Hauptschulabschluss. „Ich fand Politik bisher nicht uninteressant, aber habe mich nicht viel damit beschäftigt“, sagt sie. „Jetzt, wo ich so viel darüber gehört habe, interessiert es mich schon.“ Der 16-jährige Sabri hat bereits Raperfahrung. „Ich habe selbst eine Gruppe, die heißt Feature", erzählt er. "Wir rappen auch über solche Themen. Über Politik und die Welt." Sein Beitrag im Battle-Rap dreht sich um das Thema Mindestlohn. „Ich bin dafür, dass jeder gerecht bezahlt wird“, sagt er.

Felix und Till arbeiten seit mehreren Jahren mit jungen Menschen im Bereich HipHop und haben festgestellt, dass sich gerade schwierige Themen gut im Mantel Rap verarbeiten lassen und so verständlich werden. „Wahlkampf ist ja auch irgendwo ein Battle, das passt gut zu HipHop“, sagt Till. Die Einzelbeiträge sollen im Gedächtnis haften bleiben und einen Lerneffekt erzeugen. „Wenn sie das für sich 30 bis 40 Mal gerappt haben, bleibt einfach hängen, worum es im Wahlkampf geht und welche Positionen es gibt“, sagt Felix.

Rap dich zur Wahl

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

[Foto 1: Zweierpasch]