Drogen, Gewalt und Beethoven

Rebecca Schnell

Ein düsteres, surreales Theaterstück. Ein alter Gerümpellagerraum hinter der Breisgaumilch. Uwe-Horst Engler (No Budget Produktion) hat Anthony Burgess' Kultroman "Clockwork Orange" als "EinMannHorrorShow" mit dem brillanten Stefan Unnasch inszeniert. Unsere Autorin Rebecca und das Publikum waren begeistert.



Eine Location, die perfekt zum düster-surrealen Stück passt. Völlig versteckt hinter der Breisgau Milch an den Zugschienen inmitten allerlei Gerümpel liegen die alten Fabrik- und Lagerräume (unten). Das „Theater“ selbst besteht aus einer minimalistischen Bühne und knapp 40 Plastikstühlen. Auch das Publikum entspricht dem Gegenteil des gewöhnlichen Theatergängers: eher punkig, viele Ohr- und Nasenringe und ein blaues Auge. Auch der Haupt- und einzige Darsteller des Abends, Stefan Unnasch (unten links), ähnelt nicht gerade dem Kinderschokoladenjungen. Die schwarz-gefärbten Haare streng gescheitelt, tatöwiert, gepierct und leichenblass, sitzt er, ganz in schwarz mit weißen Hosenträgern, in einem Ledersessel auf der Bühne. Das wahnsinnige Blitzen in seinen Augen und der grausam verzogene Mund kündigen einen kurzweiligen Abend an, „echt Horrorshow“.




Und tatsächlich entpuppt er sich als absolute Idealbesetzung für den 15-jährigen Alex, der in einem trostlosen Londoner Arbeiterviertel lebt und dessen Leidenschaften Drogen, Gewalt und Beethoven sind. Wir sehen Alex in der Korova Milky Bar, wo er seine drogenversetzte Moloke zu sich nimmt, mit seinen „droogs“ beim „täuschocken“, wenn er rohe Gewalt und Vergewaltigung lustvoll zelebriert und beim Onanieren zur 9. Sinfonie von „Ludwig van“.

Unnaschs Minenspiel variiert virtuos zwischen der Selbstinszenierung eines Künstlers der Grausamkeit und dem trotzigen Gebären eines Pubertierenden, der sich bei „M.“ und „D.“ in der Bärchenbettdecke verkriecht. Gebannt lauscht man dem großartigen Text Burgess´, einer Mischung aus altertümlich-stilisiertem Neusprech und der slawischen Phantasiesprache „Nadsat“. Die Eleganz seiner Bewegungen wird untermalt von Lichteffekten und Musik, von Elektro bis Beethoven, für die übrigens der Regisseur Engler in Person zuständig ist.Auch die Szenen im Gefängnis gehen unter die Haut, wenn sich Alex einem medizinischen Experiment unterwirft, mit dem er von seinen kriminellen Impulsen befreit werden soll.

Es gibt durchaus auch komische Elemente im Stück, doch bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Zu beklemmend ist die Zukunftsvision, die im Roman und auf der Bühne entworfen wird. Es geht um die uralte Frage nach dem Bösen in der Welt und der menschlichen Freiheit. Viel Applaus und Bravorufe nach einer eineinhalbstündigen und rundweg gelungenen Aufführung. Ein großes Lob an den Regisseur und die No Budget Produktion für ihr anti-bürgerliches Theater jenseits des kulturellen Mainstreams.


Weitere Vorstellungen: 22. und 23. Dezember (jeweils 20 Uhr, Bahnweg 6 hinter der Breisgau Milch)
Web: http://clockwork-theater.de/" titel="">Clockwork Orange