Dribbelquatsch mit Jonathan

David Weigend

Auswärtssieg in Köln, fudder war dabei. Beschwingt befestigten wir die Christopherusplakette an der Redaktionsmaschine, um den SC Freiburg auf seinen Höllentrip ins Rheinland zu begleiten. Es hat sich gelohnt.



Man könnte fast meinen, die Kölner wollten einen einschüchtern. "Daums neue Wege für die nächste Saison: Box-Star Sturm trainiert FC-Profis", titelt der Express; die Sicherheitsgonzos am Eingang nehmen dem hungrigen SC-Fan selbst Zwergäpfel ab; eine Cheerleadergruppe türmt sich im Müngersdorfer Stadion zu einer Pyramide, das es nur so ein übertriebenes US-Schminktakel ist.


Diese Art der Popcorn-Unterhaltung sei den Kölnern gegönnt, immerhin bietet ihnen ihre Fußballmannschaft wenig Erfreuliches.



Bestens ist hingegen die Stimmung jenseits des Eingangs N 16, hinter dem sich der Gästeblock verbirgt. Hier stehen sie alle beisammen: Die "Wilden Jungs", die Dreisam Bobbele, die U.F.F.F.s! und die Lenzkircher Fans.

Ach gäbe es hier doch auch die guten Lenzkircher Roggzipfel, stattdessen wird man zum Konsum von alkoholfreiem Gaffelkölsch gezwungen. Dazu die Aufforderung: "Hol dir Hennes-Meckern aufs Handy!" Der Geißbockverein und die Sodomie.



Aber bleiben wir auf dem Platz. Sanou bedient Federmann Pitroipa in Minute 12, Federmann Pitroipa bedient den Gästeblock mit Grund zum Torjubel. Die Sonne scheint auf Südbaden, die Kölner "Wilde Horde", von der Mannstärke überlegen, schweigt im Schatten.



In der Halbzeitpause lässt sich der Stadionsprecher zu einem "Noch führt die falsche Mannschaft", hinreißen, ein Satz, der im Verlauf der zweiten Hälfte nicht gerade lustiger wird aus Kölner Sicht. Nachdem FC-Goalie Wessels eine weitere Folge von "Dribbelquatsch mit Jonathan" nur per Foul beenden kann und Iashi den folgenden Elfer mit Links verwandelt (49. Minute), zeigt sich der badische Block von tiefer Freude berührt.

4000 Kehlen singen "Und so spielt ein Aufsteiger!", "Volker Finke!", "Kölle, wir hören nix!" Die Stimmung ist vergleichbar mit der aufgekratzten Halli-Galli, die zwei Tage zuvor im Kölner Stadtteil Mülheim stattfand, als die Sängerin der Scissor Sisters mit einem deftigen "Spritz auf meine Titten!" zum Komplett-Freak Out aufrief.



Aber selbst das wird noch getoppt, von einem vorwitzig aufgelegten Karim Matmour, dem man den goldenen Mittelfinger überreichen möchte für den "arrogantesten Lupfer der Saison". Dass das Ding auch noch reingeht, im Grunde unerheblich (54. Minute).

Im folgenden versäbeln die weißen Rasenengel Hundertprozentige im Minutentakt. Wen juckt's, zumal Fürth in Kaiserslautern patzt. Die Kölner Fans machen schon 20 Minuten vor Schluß die Fliege, unwillig, den apathischen Kick ihrer Elf zu supporten. Die Großmaultruppe vom Rhein, demnächst von einem Boxer auf Trapp gehalten, erinnert doch eher an die ketchupverschmierte Pappunterlage, auf der die Kölner ihre eklige Bockwurst zu mampfen pflegen.



"Wir lasse de Dom in Kölle, 3 Punkte nämme mer mit", so die Aufschrift eines SC-Fan-Transparents.

Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Was bleibt, sind Schweißflecken an den Achseln, gratulierende Gegner und die Gewissheit, eine aufsteigende Mannschaft gesehen zu haben.