Fall Maria

Dreisam-Mord: Kein Treffer in der DNA-Datenbank

Frank Zimmermann (aktualisiert um 12 Uhr)

Die Polizei Freiburg tappt weiter im Dunkeln, wer die 19-Jährige Maria L. aus Freiburg Mitte Oktober vergewaltigt und ermordet hat. Der Abgleich von DNA-Spuren mit der bundesweiten DNA-Datenbank war erfolglos.

Die Polizei Freiburg teilte am Freitag mit, dass der Abgleich von DNA-Spuren, die an der Leiche der 19-Jährigen gefunden wurden (Hintergrund: Männliche DNA im Mordfall Maria L. gefunden) , erfolglos gewesen sei. Keine der in der bundesweiten DNA-Analyse-Datei (DAD) gespeicherten Personen passt mit den aufgefundenen DNA-Spuren der Tatnacht überein.


Ende September umfasste die DNA-Datei laut Angaben des Bundeskriminalamts 1,16 Millionen Datensätze. Davon sind 862000 Personendatensätze – Daten, die Personen identifizieren – sowie 300000 Spurendatensätze, die an Tatorten in ganz Deutschland sichergestellt wurden. Seit Einführung der Datei 1998 wurden 229 430 Treffer erzielt.

104 Personen gaben bereits DNA-Proben ab

Nach Angaben der Polizei hatten zudem 104 Personen eine freiwillige DNA-Probe mittels Abrieb durch ein Wattestäbchen aus der Mundhöhle abgegeben. Dabei handele es sich überwiegend um Personen aus dem engeren und weiteren Umfeld des Opfers, Besucher der "Big Medi Night"-Party, einer Party der Offenen Fachschaft Medizin in der Mensa Institutsviertel, sowie Personen, die sich im Umfeld des Tatorts aufgehalten haben. Die Bereitschaft zur freiwilligen Abgabe einer DNA-Probe sei sehr hoch und liege bei nahezu 100 Prozent.

Noch immer arbeitet die 40-köpfige Sonderkommission "Dreisam" nach Angaben der Polizei "mit Hochdruck" daran, aufzuklären, was am 16. Oktober geschehen ist. Derzeit werten die Ermittler 740 Spuren aus, etwa 450 Personen wurden bereits vernommen. Insbesondere im studentischen Umfeld wird die Polizei auch in den kommenden Tagen die Vernehmungen fortsetzen. Allein in der Thomas-Morus-Burse, wo Maria L. seit einem Jahr wohnte, leben 250 Studierende. Man werde auch weiterhin auf freiwilliger Basis DNA-Proben nehmen, sagt Polizeisprecherin Laura Riske: "Wo wir die Möglichkeit haben, freiwillig zu speicheln, machen wir das." Die Bevölkerung mache da "unheimlich gut" mit und gehe fast schon offensiv auf die Polizei zu.

Wenn jemand die Entnahme einer Speichelprobe verweigert, benötigt die Polizei in jedem Fall weitere Hinweise, die eine angeordnete Probeentnahme rechtfertigen. "Die Indizien müssen sich verdichten", sagt Riske. Und Staatsanwalt Ralf Langenbach ergänzt: "Es muss einen Tatverdacht geben, er muss aber nicht dringend sein." Eine solche Entnahme kann die Staatsanwaltschaft beantragen, anordnen muss sie schlussendlich ein Richter des Amtsgerichts.

Ein Massengentest macht nur Sinn, wenn die Verdächtigengruppe eingegrenzt werden kann

In Betracht kommt auch ein Massengentest, der juristisch als Reihenuntersuchung bezeichnet wird. Allerdings muss auch hier die Gruppe definiert und eingegrenzt werden. "Es müssen Personen sein, die auf Täter zutreffende Prüfungsmerkmale erfüllen", erklärt Langenbach mit Verweis auf Paragraf 81 h der Strafprozessordnung. Diese Merkmale können zum Beispiel Geschlecht, Alter, Wohnort, Vereinszugehörigkeit oder die Teilnehmer einer Veranstaltung sein, im konkreten Fall zum Beispiel die Speichelentnahme aller männlichen Gäste der Mensaparty. "Man kann nicht einfach alle männlichen Einwohner Freiburgs testen, es müsse eine Verhältnismäßigkeit geben, sagt Langenbach

Nach dem Abgleich mit der DNA-Datenbank des BKA wird das an der Leiche sichergestellte Genmaterial einer männlichen Person auch international abgeglichen. "Das läuft bereits", erklärt Riske.

Nichts Neues gibt es in Bezug auf das herrenlose Rad, das mitten auf dem Dreisamuferweg nahe des Tatorts abgestellt war. "Es gehen dazu aber nach wie vor Hinweise ein." Ob an dem von Experten des LKA untersuchten lila Damenrad DNA gefunden wurde, die mit der DNA der unbekannten männlichen Person an der Leiche identisch ist, kann die Polizei noch nicht sagen. So ist weiterhin offen, ob das Rad überhaupt in Zusammenhang mit dem Verbrechen steht.
Die Ermittler haben folgende Fragen:

Wer hat am frühen Sonntagmorgen zwischen 2:40 und 8:20 Uhr ungewöhnliche Beobachtungen an der Dreisam gemacht?

Wer hat die 19-Jährige oder ihr abgebildetes weißes Damenfahrrad im Zeitraum von Mitternacht bis zum Auffinden am Sonntag gegen 8:20 Uhr gesehen und kann sachdienliche Hinweise zum Geschehen machen?

Wer kann sachdienliche Angaben zur Herkunft oder zu einem möglichen Eigentümer des lilafarbenen Damenrads machen?

Wem sind an ihm bekannten Personen im Nachgang zur Tat ungewöhnliche Kratzer aufgefallen?

Die Polizei bittet Zeugen, sich unter 0761-882 5777 bei der Kriminalpolizei zu melden.

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