Dreieinhalb Jahre Artik: ein Rückblick

Isabelle Galioit & Marius Buhl

Am Samstag schließt das Artik unterm Siegesdenkmal seine Tore, es macht der Straßenbahn Platz. Wann und wo das Jugendzentrum neu geöffnet wird, kann derzeit niemand genau sagen. Zeit für einen Rückblick:



1323 Tage, also 3 Jahre und sieben Monate ist es her, seit das Artik am 5. Mai 2012 seine Türen offiziell öffnete. Ginge es nach den Betreibern, wäre damit nicht Schluss. Doch das Artik muss raus aus der Unterführung unterm Siegesdenkmal - die neue Stadtbahn gefährdet die Statik. Wann es weitergeht - und vorallem: wo - steht in den Sternen. Zeit für einen Rückblick.


Die Eröffnungswoche des Artiks im Frühjahr 2012 sollte bereits eine Vorschau sein auf das, was die Betreiber dreieinhalb Jahre lang anbieten würden. Sonntag: Tag der Kunst, Montag: Tag der Politik, Dienstag: Tag des Theaters, Mittwoch: Tag der Kultur, Donnerstag: Tag des Hiphops, Freitag: Tag für Tanz und Musik, Samstag: Tag der Workshops, Sonntag: Tag für Film und Fotografie. Und an jedem Abend eine kleine Party.

Parwaneh Mirassan Teil der Geschäftsführung des Artiks. Rückblickend erklärt sie noch einmal die Funktion des Jugendzentrums. "Wir wollten die Plattform sein, die Bühne. Darauf austoben durfte sich jeder!" Ausgetobt hat sich zum Beispiel der Chaos Computer Club Freiburg - und zwar vom ersten bis zum letzten Tag. Der CCC suchte damals einen Raum, das Artik hatte Platz. Im Gegenzug organisierte der CCC mit und bot Workshops an. In einem dieser Workshops bastelten sie einen Geigerzähler, in einem anderen einen Quadcopter, einen Hubschrauber mit vier Motoren. Neben dem CCC waren die Filmemacher von Blackwood Films und die Aktivisten von Viva von Agua ständige Nutzer. Es gab einen Proberaum und ein Studio, darin Tanzveranstaltungen wie Tango,
Swing und Forró.

Musik aus Norwegen und Dancebattles

Parwaneh Mirassan erinnert sich vor allem an zwei Events. Zum einen das "Black Forest Dance Battle". Hier traten junge Freiburger in Tanzwettkämpfen gegeneinander an. "Die Stimmung war wahnsinnig, überall im Artik wurde getanzt, auch zwischen den Wettkämpfen!", sagt Parwaneh. Zum anderen das Projekt "Musik fra Norge" - Musik aus Norwegen. Dabei haben norwegische Musiker mit Freiburger Schülern elektronische Musikinstrumente selbst gebaut und danach damit eine Party gegeben.

Politisch neutral, aber nie unpolitisch

Das ArTik war politisch neutral, aber nie unpolitisch. Sei es eine Podiumsdiskussion zum Flüchtlingsthema oder ein Netzwerktreffen zu Lärm in der Innenstadt und der KOD-Problematik - im Artik wurde diskutiert und informiert.

Neben diesen Projekten war das Artik aber auch einfach Ort zum Abhängen und Freunde treffen. Wer an einem Werktag ins ArTik stolperte, erlebte es wahrscheinlich so: Die Gittertür am Eingang angelehnt, im Café machte jemand Hausaufgaben, ein anderer räumte die Bar auf und
wiederum andere schleppten alte Sofas durch die Gegend.

Ganz konkret fassen ließen sich die Strukturen des Artik nie. Die Strukturen waren seit jeher fluktuativ und von den Ehrenamtlichen geprägt, die gerade da waren und sich einbrachten. Ein Mitglied schätzte "die offene, flexible, unkomplizierte und minimal bürokratische Arbeitsweise." Es wurde viel ausprobiert und umgeworfen, viel gelernt und umstrukturiert.

Und das Artik war ein Netzwerk: "Wer im Artik mitgemacht hat, kennt jetzt überall Leute, die er jederzeit anrufen kann", sagt Mirassan. Das Artik war für junge Freiburger ein Wohnzimmer. Hoffentlich bleibt es das.

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