Aka

Drei Studierende erzählen, was das Besondere am Akademischen Orchester ist

Eyüp Ertan

Am Freitag spielt das Akademische Orchester im Konzerthaus Freiburg sein Jubiläumskonzert zum 55-jährigen Bestehen. Drei Musikerinnen und Musiker des Amateurorchesters erzählen, was für sie das Mitwirken im Aka bedeutet.

Es herrscht Unruhe in der Mensa am Flugplatz. Es ist Dienstagabend, draußen scheint die Sonne – ins Innere können die Sonnenstrahlen jedoch nicht eindringen, die Jalousie ist unten. Die Luft ist stickig, auch weil die Mensa mit über 70 Musikerinnen und Musikern gefüllt ist. Eigentlich sollte die Probe des Akademischen Orchester Freiburgs bereits um 19.30 Uhr beginnen, aber auch fünf Minuten nach Halbacht ist noch kein Ton erklungen.


Der Vorstandsvorsitzende: Karl Rauer

Vor dem Orchester steht Karl Rauer, der Vorstandsvorsitzende des Studierendenorchesters. Rauer, 23 Jahre und Klarinettist, macht kurz vor Probenbeginn einen gestressten Eindruck. Es ist Konzertwoche, am Freitagabend wird das Orchester im Konzerthaus Freiburg neben dem Violinkonzert von Glasunow auch Anton Bruckners vierte Sinfonie aufführen. Ein letzter Appell an das Orchester, die Erinnerung an die später noch stattfindende Mitgliederveranstaltung, ehe gemeinsam mit der Solistin Judith Stapf die ersten Töne des Violinkonzerts erklingen.

"Das Besondere am Aka ist, dass man sich trifft, um auf hohem Niveau Musik machen zu können", sagt er und fügt hinzu: "Es ist zwar ein Amateurorchester, aber dennoch sind alle Leute auf ihren Instrumenten extrem fit." Der Klarinette-Student an der Freiburger Musikhochschule genießt die Atmosphäre im Orchester, die Gemeinschaft, die Kneipenabende nach den Proben. "Manche lernen hier auch ihren Partner oder ihre Partnerin kennen", sagt er mit einem Schmunzeln – Rauer hat 2015 seine Freundin im Orchester kennengelernt.



Die Arbeit im Vorstand bringt jedoch nicht immer nur Positives mit sich – Sorgen bereiten ihm neben kurzfristigen Ausfällen auch die Schwankungen mit Blick auf die Zuhörer-Zahlen. "Natürlich kann man sagen: Wir müssen ein Stammpublikum aufbauen, wir müssen uns etablieren und die Leute müssen wissen, was das Aka ist", sagt er – nur um hinzuzufügen, dass das bei einem Studierendenorchester nicht gehe. "Es funktioniert nur darüber, dass Menschen direkt aus dem Orchester ihre Freunde und Familien einladen, auf Menschen zugehen – und so die ganze Veranstaltung auch persönlicher wird", so Rauer.

Die Konzertmeisterin: Kaoru Feuerlein

Das Persönliche, das Familiäre steht auch für Kaoru Feuerlein im Vordergrund. Sie ist Konzertmeisterin des Orchesters, also die Geigerin, die ganz vorne direkt vor dem Dirigenten sitzt. Wie Karl ist sie seit dem Sommersemester 2014 mit dabei und spielt nun ihr elftes Konzert. "Es ist eine schöne Mischung aus Spielen und Sozialem", sagt sie. "Es entwickeln sich Freundschaften, die sich über die Dienstagsproben hinaus entwickeln", so Feuerlein.

Ihre Rolle als Konzertmeisterin, als Stimmführerin der ersten Geigen, sieht sowohl positive als auch weniger schöne Dinge vor. Sie hebt hervor, dass sie vorne sitzend mit den anderen Streicher-Stimmführerinnen und Stimmführern quasi Kammermusik mache. Auch den Umstand, im engen Austausch mit dem Dirigenten zu sein und sich so einbringen zu können, bereitet ihr Freude. Dennoch gäbe es auch weniger schöne Seiten. "Ich drehe mich manchmal während des Spielens um und werfe einen kritischen Blick zu", sagt sie mit einem Lachen. Dies geschehe aber nur, wenn Stellen, die bereits geprobt worden seien, nicht klappen würden. "Das ist zwar nicht das Angenehmste, aber ich finde, dass man das immer auf eine Art und Weise machen kann, die die anderen motiviert und nicht runtermacht", sagt sie.

Wie viele andere Dinge im Orchesterleben ist auch die Wahl der Stimmführerinnen und Stimmführer basisdemokratisch – Feuerlein wurde pünktlich vor dem Konzert als Konzertmeisterin von ihrer Stimmgruppe bestätigt. Die Jurastudentin freut sich auf das Konzert, diese Momente seien einer der Gründe gewesen, warum sie in das Aka eingetreten sei. "Die Möglichkeit, große Werke spielen zu können und nicht nur im Konzert zu hören, außerdem sich gleichzeitig auch musikalisch, spielerisch weiterzuentwickeln" – dies zeichne für sie das Mitwirken in einem Laienorchester aus.

Der Schlagzeuger: Dominik Jahn

Noch länger als Rauer und Feuerlein ist Dominik Jahn im Orchester. Der 30-jährige Schlagzeuger gehört nicht zu den Studierenden, er ist Lehrer in Bad Säckingen – nicht der einzige Nicht-Studierende im Orchester. Für die Probenarbeit kommt er deshalb jeden Dienstag angefahren, seit 2010 spielt er mit kleinen Unterbrechungen mit. "Ich habe angefangen, als ich noch an der Pädagogischen Hochschule studiert habe – damals war ich ein Exot im Orchester", sagt er. Ein Exot deshalb, weil das Akademische Orchester sich lange vor allem aus Medizin- und Jurastudierenden zusammensetzte. "Wenn ich jetzt die Mitgliederliste ansehe, dann finde ich, dass alles ein bisschen bunter gemischt ist", sagt er mit einem Lachen und fügt hinzu: "Ich glaube, diese Entwicklung und Mischung tut dem Orchester ganz gut."

Auf seine Stimmgruppe angesprochen, sagt Jahn mit einem Schmunzeln: "Wir sind die, die immer als erstes kommen müssen und als letztes gehen – in der Hoffnung, dass bei der Afterparty nach dem Konzert noch etwas vom Buffet übrig ist." Zum Leben eines Schlagzeugers gehört es dazu, das benötigte Equipment selbst von A nach B zu transportieren und wieder zurück. Doch auch er betont, dass die Mischung aus Spaß und Professionalität für ihn der Hauptgrund gewesen seien, dass er schon so lang dabei ist. "Die Programme werden ernsthaft einstudiert, doch das Ganze geschieht immer noch in einem freundschaftlich, entspannten Rahmen", sagt Jahn.

Alle drei freuen sich auf das Konzert am Freitagabend und betonen mit einem Schmunzeln: Das Konzerthaus wird klimatisiert und somit angenehm für die Zuhörerinnen und Zuhörer sein.
fudder-Autor Eyüp Ertan ist selbst Teil des Akademischen Orchesters und spielt das Fagott. Wir hätten auch über die drei Musiker*innen berichtet, wenn Eyüp nicht für fudder schreiben würde, weil wir das Akademische Orchester super finden.

  • Was: Jubiläumskonzert
  • Wann: Freitag, 5. Juli 2019 um 20 Uhr
  • Wo: Konzerthaus, Konrad-Adenauer-Platz 1
  • Eintritt: Zwischen 13 und 19 Euro, Ermäßigt: 8 bis 20 Euro