Interview

Drei Studierende erzählen, warum sie sich beim Buddyprogramm für Geflüchtete engagieren

Maleen Thiele

Im Sommersemester 2018 führt der Verein "Uni für Alle" sein Buddyprogramm zwischen Geflüchteten und Studierenden fort. fudder hat mit drei Studierenden gesprochen, die sich bei "Uni für Alle" engagieren.

Der Verein "Uni für Alle" setzt sich für einen gerechteren Zugang zur Bildung ein, indem er versucht, die Uni für studieninteressierte Geflüchtete zu öffnen. fudder hat mit den Mitgliedern Marisa Raiser, Fabiana Kutsche und Marius Fröhle über den Verein gesprochen. Die drei Studierenden engagieren sich seit mehreren Semestern ehrenamtlich für die Initiative. Das Buddyprogramm soll auch in diesem Semester studieninteressierte Geflüchtete und immatrikulierte Studierende der Uni Freiburg zusammenbringen und sucht aus diesem Grund wieder neue studentische Buddys.

Was kann man sich unter Uni für Alle vorstellen?

Marius: Das Programm richtet sich an studieninteressierte Geflüchtete, die das Ziel haben, ein Studium zu beginnen. Denen wollen wir den Weg erleichtern. Das grundsätzliche Ziel ist es, die Uni für Geflüchtete zu öffnen.

Marisa: Sobald man immatrikuliert ist, fängt die Uni an, einen zu betreuen. Nur vor dem Studium existiert keine Beratung. Diese Betreuung versuchen wir zu geben, damit die Geflüchteten den Studierendenalltag an einer deutschen Hochschule kennenlernen.

Fabiana: Wir als Verein haben jedoch das Selbstverständnis, dass unsere Arbeit eigentlich Aufgabe der Universität wäre und nicht von freiwilligen Studierenden. Doch da die Uni dies nicht leistet, müssen wir uns darum kümmern.

"Mit dem Buddyprogramm versuchen wir, Studierende der Uni Freiburg und studieninteressierte Geflüchtete zu matchen." Fabiana, Uni für Alle

Euer Buddyprogramm soll Kontakt zwischen Geflüchteten und immatrikulierten Studierenden aufbauen?

Fabiana: Genau, mit dem Buddyprogramm versuchen wir, Studierende der Uni Freiburg und studieninteressierte Geflüchtete zu matchen. Natürlich schauen wir dabei, dass diese ähnliche Interessen im Studium sowie der Freizeit haben. Nachdem die Buddys zugeteilt wurden, geht es vor allem darum, herauszufinden, was der Gasthörende möchte. Wenn er oder sie zum Beispiel möglichst viele Veranstaltungen besuchen will, kann man mit ihm oder ihr das Vorlesungsverzeichnis anschauen oder in verschiedene Kurse gehen. Natürlich können die Buddys auch ihre Freizeit miteinander verbringen oder sich bei anderen Problemen helfen. Das ist eigentlich jedem Paar selbst überlassen.

Marisa: Wir haben auch tatsächlich alles schon gehabt. Es gibt Leute, die durch das Programm beste Freunde wurden. Und es gibt andere, die sich gerade mal zwei Mal gesehen haben.

Bietet ihr für die Buddys auch verschiedene Aktivitäten neben dem Programm an?

Marisa: Wir veranstalten eine Art Stammtisch in immer unterschiedlichen Kneipen, damit man sich bei einem Kaffee oder Bier auszutauschen kann. Wir unternehmen aber auch gemeinsame Ausflüge, wie wandern oder ins Kino gehen.

"Die Sprachbarriere war für viele ein großes Problem." Marisa, Uni für Alle

Studieren jetzt auch einige aus dem Buddyprogramm in Freiburg?

Marisa: Für einige war das Programm schon der Anstoß, in Freiburg weiterzustudieren. Es hat aber relativ lange gedauert, da viele erstmal die Voraussetzungen erreichen mussten, die für ein Studium an einer deutschen Hochschule zu erfüllen sind. Zum Beispiel war die Sprachbarriere für viele ein großes Problem. Natürlich weiß ich jetzt nicht, wie maßgeblich es war, dass sie schon vor ihrem Studium Kontakt mit der Uni hatten, aber ich glaube, dass das Programm für einige den Einstieg erleichtert hat.

Was hat es mit dem Service-Learning-Programm der Uni auf sich, an dem ihr teilnehmt?

Marius: Das ist eigentlich eine ganz coole Angelegenheit. In dem Programm soll ehrenamtliches Engagement in Praxis und Theorie vermittelt werden. Den Praxisteil können die Studierenden durch eine Mitarbeit beim Buddyprogramm erreichen. Dafür bekommen sie einen ECTS Punkt. Die restlichen fünf Punkte erhalten sie durch universitäre Kurse und Workshops. Das ganze kann man sich dann im BOK-Bereich anrechnen lassen. Ich finde, mit Hilfe des Programms kann man sich besser mit seinem Ehrenamt auseinandersetzen und auch einiges für die eigene Arbeit lernen.

Aus welchen Gründen engagiert ihr euch persönlich für Uni für Alle?

Marisa: Wir haben bei der Vereinsgründung einfach eine Lücke erkannt. Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen der Uni und studieninteressierten Geflüchteten. Für mich ist es aber auch wichtig, was zu machen, was in meinem Kompetenzbereich liegt. Wir bieten in dem Programm etwas an, was die Leute sowieso jeden Tag machen – nämlich studieren.

Fabiana: Mir ist klar geworden, dass ein guter Zugang zur Bildung ein großes Privileg ist. Geflüchteten wird dieser Zugang nicht so leicht ermöglicht wie uns. Ich möchte von meinem Privileg einfach gerne etwas abgeben, damit alle die gleichen Bildungschancen haben.
Der Verein Uni für Alle Freiburg gründete sich 2015 mit dem Ziel, die Uni für studieninteressierte Geflüchtete zu öffnen. Im Rahmen eines Gasthörendenprogramms mit begleitendem Buddyprogramm will man den Geflüchteten den Weg zu einem regulären Studium erleichtern. Derzeit gibt es etwa 35 Buddypaare. Die Studierenden versuchen hierbei, den Geflüchteten den Studienalltag an einer deutschen Hochschule näherzubringen. Darüber hinaus werden gemeinsame Aktivitäten geplant, wie Sprachkurse, Kneipenabende oder Ausflüge.


  • Was: Infoveranstaltung für Geflüchtete
  • Wann: Mittwoch, 11. April 2018, 18 Uhr
  • Wo: KGI, HS 1009, Haupteingang am Platz der Alten Universität

  • Was: Infoveranstaltung für Studierende
  • Wann: Dienstag, 17. April 2018, 18 Uhr
  • Wo: KGI, HS 1015, Haupteingang am Platz der Alten Universität

Das Orga-Team trifft sich jeden Montag um 20 Uhr im AstA in der Belfortstraße 24.

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