Drei Reifen zerstochen, weil ich drei Kinder hab

Gina Kutkat

Alexandra F. ist eine Ex-Freundin mit stechendem Charme. Ihrem verflossenen Kurschatten hat sie unter anderem die Porschereifen zerstochen, die Karosserie mit "Arsch"-Schriftzug verschönert und ein anderes Auto des Ex spontan ausbrennen lassen. Gestern fand die ätzende Soap im Amtsgericht ein Ende.



Der Tathergang

Alexandra F., 35 Jahre alt und ledig, saß am gestrigen Verhandlungstag auf der Anklagebank. Acht Sachbeschädigungen zum Nachteil ihres Ex-Freundes  Gerhard D. soll sie begangen haben. "Wie räche ich mich richtig?" Die Liste der Sachbeschädigungen, die Alexandra F. vorgeworfen werden, liest sich wie ein Handbuch über die gemeinsten Racheakte.

Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern im Alter von 7, 11 und 14 Jahren machte aufgrund einer Borderline-Störung im Jahre 2004 in der Glottertal-Klinik eine Kur.



Dort lernte sie den 46 jährigen Gerhard D. kennen, der sich wegen seiner Depressionen in psychischer Behandlung befand. Die beiden begannen eine Beziehung, die nach drei Monaten von ihm beendet wurde. In der darauf folgenden Zeit wurde der Kontakt von Alexandra F. immer wieder hergestellt und die beiden hatten weiterhin sexuellen Kontakt.

Nachdem Gerhard D. endgültig klarmachte, dass er sich mit Alexandra F. keine Beziehung vorstellen könne, nannte sie ihn in mehreren SMS ein "Arschloch" und kündigte an, erst Ruhe zu geben "wenn du aus dem Glottertal raus bist."



Kurze Zeit später fand Gerhard D. seinen VW-Golf mit drei zerstochenen Reifen vor. Für ihn ein Symbol für die drei Wochen, in denen er sich bei ihr nicht gemeldet hatte. Alexandra F., die diesen ersten der acht Anklagepunkte gestanden hat, verduzt mit einer anderen Erklärung. "Ich habe drei Reifen zerstochen, weil ich drei Kinder habe."

Im April 2006 trifft Gerhard D. die Angeklagte in der Diskothek "Heuboden" in Umkirch wieder. Begleitet von seiner neuen Lebensgefährtin, sieht er Alexandra F. an diesem Abend auf dem Parkplatz der Diskothek. Eine Stunde später entdeckt er den zerstochenen Vorderreifen seines Porsches. Für ihn besteht kein Zweifel, dass Alexandra F. die Schuldige ist.

Drei Monate später findet er seinen VW-Golf mit den Worten "Wichser" und "Arsch" beschmiert vor, auch der Porsche wird kurz darauf mit selber roter Lackfarbe mit denselben Worten versehen. Außerdem sind eines Morgens die Schlösser seiner Garage und die des VW-Golfs mit Sekundenkleber verklebt.



Nach einer Partynacht im Kagan sieht Gerhard D. die Angeklagte vor der Diskothek herumlungern und dann schnell in einer Seitenstraße verschwinden. Auf der Rückfahrt bemerkt er, dass die Ledersitze seines Porsches mit Nagellackentferner verätzt wurden. Auch hier war ein Zufall für ihn ausgeschlossen.

Zentraler Punkt der Anklage gegen Alexandra F. ist die Beschuldigung zur Brandstiftung. Von den Nachbarn geweckt, sieht Gerhard D. eines Nachts seinen VW-Golf von innen ausbrennen. Eine Stunde später wird Alexandra F. in ihrem Auto von der Polizei in Glottertal aufgegabelt, Gerhard D. hatte die Beamten verständigt und seine Ex-Freundin als Verdächtige genannt.

Gerhard D. bezichtigt Alexandra F., alle acht Straftaten begangen zu haben, die Angeklagte äußert sich zu der Tat nicht. Sieben Zeugen, darunter Polizeibeamte, Hauptkommissare und Streifenpolizisten bestätigen Zeitpunkte und Angaben des Klägers.



Das Urteil

Die Staatsanwaltschaft erklärt Alexandra F. in allen acht Anklagepunkten für schuldig, da sie keinen Zweifel an den Aussagen des Gerhard D. sieht. Alexandra F. hat nach Meinung der Staatsanwältin aus enttäuschter Liebe gehandelt. Aufgrund des erheblichen Sachschadens werden 120 Tagessätze zu jeweils 25 € vorgeschlagen.

Die Richterin zweifelt ebenfalls nicht an der Schuld von Alexandra F., setzt jedoch aufgund der geringen Einkünfte der Angeklagten die Tagessätze auf 10 Euro herab.

Hintergründe

Alexandra F. hatte eine schwere Kindheit. Sie lebte neun Jahre bei ihren Eltern und wurde von ihrer Mutter körperlich misshandelt. Sie kam in eine Pflegefamilie, doch die Umstände verbesserten sich nicht.

Später arbeitete sie als Rettungssanitäterin als eine der ersten Frauen bei der Bundeswehr, wurde jedoch aufgrund ihrer Schwangerschaft entlassen. Ihre drei Kinder sind von drei verschiedenen Vätern, mit keinem hatte sie eine lange Beziehung.

Alexandra F. leidet unter einer Borderline-Strörung und wird von starken Schlafstörungen geplagt. Aufgrund dieser Diagnose wurde sie zur Frührentnerin erklärt. Gerhard D. wusste von ihrer Krankheit nichts.

Heute lebt Alexandra F. mit ihren drei Kindern zusammen im Glottertal und bekommt bei der Betreuung Unterstützung. Sie möchte gerne wieder arbeiten und strebt eine Floristenausbildung an.



Ungereimtheiten & Kurioses

Zentraler Punkt der Verhandlung war der Abend im Juli 2006, an dem das Auto in Brand gesteckt wurde. Gerhard D. wohnt in Lauchingen und entdeckte den Brand um 3.30 Uhr morgens. Eine Stunde später wurde Alexandra F. in ihrem Auto im Glottertal angehalten. Normalerweise benötigt man für die Fahrt von Lauchingen nach Glottertal eine gute Stunde. Im Auto von Alexandra F. fand die Polizei Frostschutzmittel sowie ein Feuerzeug.

Für den Verteidiger noch kein Anhaltspunkt dafür, dass Alexandra F. die Tat begangen hat. "Nur weil ich im Winter eine Badehose in meinem Kofferraum liegen habe, bin ich noch längst nicht verdächtig."