Drei Freiburger Jung-Komponisten erzählen von ihrem Filmmusik-Studium

Maleen Thiele

Ein Film ohne Musik? Da würde ziemlich viel fehlen. An der Musikhochschule Freiburg kann man Filmmusik studieren. fudder hat mit drei Jung-Komponisten über das Studium und ihr Konzert am kommenden Dienstag gesprochen.

Am Dienstag zeigen die Studierenden des Filmmusik-Studiengangs der Musikhochschule Freiburg ihre selbstkomponierte Filmmusik zu dem russischen Spielfilm "Bed and Sofa" aus dem Jahr 1927. Neun Masterstudierende entwickelten hierfür gemeinsam eine Komposition, die zum einen live von einer kleinen Instrumentalbesetzung bestehend aus Klarinette, Akkordeon und Kontrabass, vorgetragen wird. Zum anderen wird der Film von selbstkomponierten Tonaufnahmen der Studierenden begleitet.


fudder hat sich mit den Jung-Komponisten Marie-Luise Calvero, Sebastián Gómez und Edward Fernbach über ihren Studiengang und die etwas andere Art der Filmvorführung unterhalten:

Ihr studiert Filmmusik an der Musikhochschule Freiburg. Was kann man sich unter diesem Studiengang vorstellen?

Marie-Luise: In dem Studiengang werden die Studierenden zu Filmkomponisten ausgebildet. Neben dem Komponieren nehmen wir unsere Werke auch selbst im Tonstudio auf. Des Weiteren arbeiten wir mit Regisseuren zusammen und vertonen die unterschiedlichsten Filmprojekte.

Was unterscheidet die Filmmusik vom normalen Kompositionsstudium?

Edward: Filmmusik-Komponisten sind eher Dienstleister als normale Komponisten. Während Filmmusik dem Bild dienen muss, steht Komposition für sich alleine. Es findet häufig eine enge Kooperation zwischen Regisseuren und Filmmusikern statt.

Was begeistert euch am Komponieren von Filmmusik?

Sebastián: Ich habe normalerweise Schwierigkeiten, mich mit Wörtern auszudrücken und mit Musikkomposition kann ich meine Emotionen und Gedanken am besten zeigen.

Aber als ich mein Kompositionsstudium begonnen habe, habe ich mir immer gesagt, dass ich nie für Filme komponieren möchte, weil ich bis dahin Filmmusik immer mit Hollywoodfilmen verbunden habe. Das hat mir einfach überhaupt nicht gefallen. Und dann in meinem Studium in Ecuador hatten wir eine Unterrichtseinheit, in der wir untersuchen mussten, wie Musik Filmszenen vermittelt und auch verändert. Das hat mir einfach gezeigt, was für unterschiedliche Wirkungen die gleiche Szene mit anderer Musik auslösen kann.

Dass die Filmmusik den Film auch sehr stark beeinflussen kann?

Sebastián: Ja, genau. Die Musik hat eine sehr große Wirkung auf das gezeigte Bild und verändert dieses auch. Zum Beispiel wenn ein sich küssendes Paar mit einer traurigen Musik unterspielt wird, dann kann man vielleicht vermuten, dass sie sich zum letzten Mal sehen. Ist die Musik fröhlich, vermittelt dass dann gleich etwas ganz anderes.

Wie kann Filmmusik Emotionen am besten vermitteln?

Edward: Es gibt tausende von Antworten, auf die Frage, wie man welche Emotion am besten vermittelt. Man kann Emotionen mit ganz verschiedenen Arten und Stilen ausdrücken. Aber wenn das so fest vorgeschrieben ist, mag ich das nicht. Zum Beispiel, wenn im Tatort ein Cello gespielt wird, weiß man eigentlich sofort, dass jetzt etwas Schlimmes passieren muss. Und das ist überhaupt nicht das, warum ich Filmmusik mache. Mit solchen typischen Klischeeszenen will ich nichts zu tun haben (lacht).

Marie-Luise: Es gibt kein bestimmtes Rezept, um eine Emotion musikalisch auszudrücken. Natürlich arbeiten das Bild und die Musik zusammen. Als Komponistin kann ich mich nach der Emotion im Bild richten – aber auch etwas radikales, ganz gegensätzliches machen. Ich glaube, wir können fast alles machen, um eine Emotion zu vermitteln.

Sebastián: Filmmusik erklärt und ergänzt aber auch bestimmte Elemente, die im Bild manchmal nicht sofort sichtbar sind, um die Geschichte des Films zu unterstützen.

Am Dienstag zeigt ihr den Stummfilm "Bed and Sofa" mit eurer selbstkomponierten Filmmusik. Von was handelt der Film?

Marie-Luise: "Bed and Sofa" ist ein Stummfilm des russischen Regisseurs Abram Room aus dem Jahr 1927. Es geht um ein Liebesdreieck zwischen zwei Männern und einer Frau, die zusammen in einem kleinen Zimmer wohnen. In dem Film werden viele kontroverse Themen der 20er Jahre aufgegriffen. Dennoch ist der Film auch sehr humorvoll.

Reizt euch der Film aufgrund der Filmmusik?

Edward: Der Reiz für uns war einfach die Aufgabe. Die Idee war, live-gespielte Filmmusik und Tonaufnahmen zu verbinden. Dafür haben wir zunächst eine kleine Instrumentalbesetzung ausgewählt. Abwechselnd dazu werden von uns komponierte Tonaufnahmen gespielt. So schaffen wir zwei von einander getrennte, aber dennoch irgendwie zusammenhängende Filmmusikwelten. Und da die Urheberrechte für den Film schon lange verjährt sind, konnte jeder von uns komponieren, was er wollte.

Was ist die Schwierigkeit daran, die Filmmusik live zu spielen?

Edward: Es kann einfach so viel passieren. Es werden bestimmt mal falsche Töne gespielt, die Einsätze verpasst oder wir werden technische Probleme haben (lacht).

Ihr steckt so viel Zeit in die Komposition von Filmmusik. Hängt euch das nicht irgendwann zum Hals raus?

Edward: Natürlich ist die Produktion manchmal anstrengend und stressig. Aber es macht als Komponist einfach Spaß, wenn die eigene Musik dann gespielt wird. Das ist wirklich ein sehr erfüllendes Gefühl.

Was kann das Publikum bei eurem Konzert erwarten?

Edward: Die Zuschauer können sich darauf freuen, dass die Musik zum Film größtenteils live gespielt wird. Abwechselnd dazu werden, für Stummfilme typische Instrumente wie Klavier und Geige abgespielt, die wir vorher aufgenommen haben. Das wird so eigentlich nie gemacht und deswegen ist das schon etwas Besonderes. Und die Zuschauer können sich auch auf einen zeitlosen und schönen Stummfilm freuen.
Über die Komponisten:

Marie-Luise Calvero ist 28 Jahre alt und kommt ursprünglich von den Philippinen. Nach ihrem Bachelor in Komposition, zog sie nach Freiburg um das Masterstudium der Filmmusik zu beginnen, bei welchem sie momentan das letzte Semester absolviert.

Der 24-jährige Sebastián Gómez ist ebenfalls für das Masterstudium nach Freiburg gezogen. Ursprünglich kommt er aus Ecuador. Dort studierte er Musikpädagogik und Komposition. Die Instrumente, die er spielt, sind Klarinette und Klavier.

Edward Fernbach ist 32 Jahre alt und kommt ursprünglich aus den USA. Er lebt jedoch seit bereits 9 Jahren in Freiburg. Neben dem Studium arbeitet er als Gitarrenlehrer in der Jazz & Rock Schule Freiburg. Er spielt Mandoline, Banjo, Kontrabass und Gitarre.

Was: Stummfilm "Bed and Sofa" mit Filmmusik der Filmmusikklasse der Musikhochschule Freiburg
Wann: Dienstag, 24. April 2018, 20 Uhr
Wo: Kammermusiksaal, Hochschule für Musik Freiburg, Schwarzwaldstraße 141

Die Komponisten:

Pablo Beltrán, Carlos Cárdenas, Elena Gutina, Yeji Lee, Manuel Mühl, Daniel Raab, Marie-Luise Calvero, Sebastián Gómez, Edward Fernbach.

Live-Musik gespielt von:

Karl Rauer (Klarinette), Ante Mamula (Akkordeon), Damian Milosavljević (Kontrabass), Leitung: Sven Thomas Kiebler.

Musik - Tonaufnahmen:

Sylwia Popławska (Geige), Duc Anh Nguyen (Klavier).