Start-Up Tocsen

Drei Freiburger entwickeln ein Alarmsystem für Fahrradhelme

Gina Kutkat

Sturz, Aufprall, Push-Nachricht: Der Sturzsensor Tocsen setzt einen Notruf ab, wenn ein Mountainbiker schwer gestürzt ist. Entwickelt haben ihn drei Freiburger; bald soll die erste Produktionswelle starten.

Das Szenario: Ein Mountainbiker oder eine Mountainbikerin ist auf einem Trail unterwegs, stürzt und verliert trotz Helm das Bewusstsein. Im Idealfall ist er oder sie nicht alleine oder Leute, die in der Nähe sind, kommen zu Hilfe. Doch was, wenn niemand in der Nähe ist und die verunglückte Person keine Hilfe rufen kann?


Diese Frage haben sich die drei Freiburger Alexander Schumacher, Andreas Botsch und Malte Buttjer gestellt – und beantwortet. Als einer ihrer Freunde beim Mountainbiken auf dem Schönberg stürzt und sich das Genick bricht, sind zum Glück Wanderer in der Nähe, die ihm helfen können. Er hat den Unfall gut überstanden. "Doch das hat uns zum Nachdenken gebracht", sagt der 34-jährige Andreas Botsch, der wie seine Kollegen auch Mountainbiker ist. "Was, wenn es ein Frühwarnsystem für den Fahrradhelm gäbe?" Vor etwa einem Jahr unterhält er sich darüber mit Alexander Schumacher – die Geburtsstunde des Start-Ups Tocsen.

Eine App soll im Zusammenspiel mit dem Sensor arbeiten

Schumacher, der zuletzt als Produktmanager bei einem Sensorhersteller arbeitete, begann zu recherchieren und baute schon kurze Zeit später aus einem Elektronikbaukasten einen ersten Prototypen für einen Sturzsensor. Ein kleines Teil, das auf jeden Helm passt. Mittlerweile haben er und Andreas Botsch auch Malte Buttjer ins Team geholt, der im Bereich digitale Medien als Designer und Entwickler tätig ist. Die drei entwickeln eine App, die im Zusammenspiel mit dem Sensor arbeiten soll. "Dann sind wir mit unserer Idee rausgegangen und haben sie der Mountainbike-Community vorgestellt", sagt der 34-jährige Andreas Botsch. Die ersten Reaktionen sind positiv, die folgenden auch. "Fünf Prozent spricht es gar nicht an, etwa 95 Prozent sind sofort begeistert", sagt Malte Buttjer.

Nach einiger Zeit des Klinkeputzens und der Marktanalyse steht ihre Geschäftsidee für Tocsen: Ein System aus Sturzsensor und App, das einen Sturz erkennt und einen Notruf absetzt, wenn der oder die Betroffene nicht antwortet. "Man klippt sich den Sensor an den Helm und wenn man stürzt, analysiert er die Aufprallstärke", sagt Malte Buttjer. "Liegt sie über dem Grenzwert, bekommt man eine Push-Nachricht aufs Handy." Wenn keine Reaktion erfolgt, aktiviert die App die eingespeicherten Notfallkontakte – via SMS, Whatsapp oder elektronischem Anruf.

Mountainbikeverein reagiert positiv

Außerdem werden alle anderen Nutzer, die die kostenlose App auf ihrem Smartphone installiert haben und in der Nähe der Unfallstelle sind, aktiviert. "Der Community-Gedanke ist uns besonders wichtig", sagt Alexander Schumacher. Die Voraussetzung dafür, dass Tocsen funktioniert, ist natürlich ein Smartphone mit Empfang und genug Akku. Patrick Hecklinger, Pressesprecher von Mountainbike Freiburg e.V., findet den Community-Gedanken super. Die Idee des Sensors ist in seinem Verein positiv aufgenommen worden. "Die Frage ist nur, wie genau die Ortung per Tocsen auch im Gelände funktioniert", so Hecklinger. Selbst in Stadtnähe dauere es teilweise mit mehreren Helfern sehr lange, bis das Rettungsteam irgendwo im Wald ist – trotz Handyortung.

Um die erste Tocsen-Produktionswelle zu finanzieren, haben die drei Gründer eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Ihr Fundingziel sind 13.500 Euro. Dieses Ziel haben sie bei Redaktionsschluss überschritten – die Kampagne läuft noch bis zum 4. Dezember. Wer sie unterstützt, sichert sich einen Tocsen. "Die Kampagne funktioniert wie ein Vorverkauf", sagt der 30-jährige Malte Buttjer. Wo die Sensoren final produziert werden, steht noch nicht fest. "Wir sind aber mit lokalen Unternehmen im Gespräch", sagt Alexander Schumacher.

Tocsen soll Leben retten

Bei zwei Sachen sind sich die drei schon sicher: "Der Sturzsensor wird nicht mehr als 75 Euro kosten und spätestens im Frühjahr erhältlich sein." Um sich voll und ganz auf ihr Start-Up zu konzentrieren, haben Alexander Schumacher und Andreas Botsch ihre Jobs gekündigt und teilen sich nun das Büro mit dem selbstständigen Malte Buttjer. "Jeder von uns hat auch Eigenkapital mit eingebracht", sagt Andreas Botsch.

Die Ziele, die sich die Tocsen-Gründer gesetzt haben, sind nicht gerade bescheiden. Tocsen soll Leben retten, Sicherheit für alle bieten und als Gemeinschaft wachsen. "Sicherheit sollte kein Luxus sein", gibt Alexander Schumacher ihr Motto wieder. Ihre Vision: Tocsen soll irgendwann zur Standardausrüstung werden – und zwar nicht nur für Fahrradfahrer. Ihr Frühwarnsystem ist auch auf andere Sportarten anwendbar.

Und warum Tocsen? Der Name ist eine Kombination des englischen Wortes "tocsin" für Alarmglocke und dem Wort Sensor.
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