Drei Freiburger Diebe erklären, warum sie Fahrräder klauen

Katrin Schäfer

Freiburg ist eine Fahrrad-Klau-Stadt. Mehr als 2000 Diebstähle wurden der Polizei im vergangenen Jahr gemeldet, nur knapp jeden zehnten hat sie aufgeklärt. Wer sind bloß die Typen, die auf Deinem Rad in der Dunkelheit verschwinden?

Eines Nachts schnappt sich Anika (26, Name geändert) den Bolzenschneider, knackt das Schloss und schiebt ihre Beute nach Hause. Wochenlang, wird sie später erzählen, habe sie das Fahrrad zuvor beobachtet. Und sich gefragt: Kommt der Besitzer wohl noch mal zurück? Irgendwann war das Vorderrad verschwunden. Ein Zeichen.


"Wenn niemand anders das Fahrrad wertschätzt, warum soll ich es dann nicht mitnehmen?"Anika, 26
Es ist nicht das erste fremde Fahrrad, das Anika stiehlt. Sie wolle es wieder "aufpäppeln", so wie die anderen auch. Neue Reifen, neuer Lack, neuer Sattel. "Wenn niemand anders das Fahrrad wertschätzt, warum soll ich es dann nicht mitnehmen? Es ist doch schade, wenn das Fahrrad nicht genutzt und offensichtlich nicht gebraucht wird."

Allerdings: So wirklich braucht Anika das Rad auch nicht, sie hat ja bereits mehrere. Und was, wenn der ursprüngliche Besitzer es dann eines Tages auf der Straße entdeckt? Anika sagt, sie würde sich freuen – und es ihm zurückgeben.

"Mein Fahrrad wurde mir vorher auch vor der eigenen Haustür geklaut, obwohl es angeschlossen war."Frank, 26
Auch Frank (26, Name geändert) hat schon zwei Mal zugeschlagen. Zunächst nahm er ein vermeintlich herrenloses Fahrrad mit. "Ich finde es vollkommen ok, wenn man eine Fahrradleiche bemerkt und das Schloss knackt, es frisch macht und dann verkauft – weil es dann in Benutzung ist."

Das zweite Fahrrad, das Frank sich angeeignet hat, war allerdings vollkommen in Takt – es stand nur unabgeschlossen in der Stadt. "Ja, vermutlich war es ein dreister Diebstahl", sagt Frank. Seine Rechtfertigung: "Mein Fahrrad wurde mir vorher auch vor der eigenen Haustür geklaut, obwohl es angeschlossen war."

"Ach, ist es nicht ein Geben und Nehmen, mit diesen Fahrrädern, in Freiburg?"Till, 30
Jeder hat vermutlich einen Freund, der betrunken beschloss, dieses leicht zu knackende Fahrrad am Straßenrand wäre eine super Möglichkeit, schnell nach Hause zu kommen. Er habe sich das Gefährt nur kurz ausleihen wollen, um es am nächsten Tag auf jeden Fall zurückbringen.

So erzählt das Till (30, Name geändert). Aber anstatt das gestohlene Gut zurückzugeben, steht es nun schon seit zwei Jahren im Hof.

Till hat ein schlechtes Gewissen. Nur wisse er leider gar nicht mehr, wo er das Rad mitgenommen hat. Für ihn eine romantische Vorstellung. "Ach, ist es nicht ein Geben und Nehmen, mit diesen Fahrrädern, in Freiburg?"

Und was, wenn man erwischt wird?

Ist es ein Geben und Nehmen? Ist es in Ordnung eine Fahrradleiche mitzunehmen, obwohl sie angeschlossen ist? Und auch wenn das Fahrrad nicht angeschlossen ist: Hieße dies im Umkehrschluss nicht, dass es keinen Besitzer gäbe?

Die Mitnahme eines unabgeschlossenen Fahrrads fällt nur unter die Kategorie "Einfacher Diebstahl" – 218 solcher Fälle hat die Freiburger Polizei im Jahr 2015 verzeichnet. Ein angeschlossenes Fahrrad mitzunehmen gilt dagegen als besonders schwerer Fall des Diebstahls. In der Kriminalstatistik für das Jahr 2015 sind in Freiburg 1833 Fälle genannt.

Sollte der Fahrraddieb älter als 18 sein, muss er im ersten Fall mit einer Geldstrafe von zehn bis 30 Tagessätzen rechnen, so Rechtsanwalt Michael Albert. Stiehlt er erneut, droht ihm bereits eine Haftstrafe – von drei Monaten bis zu zehn Jahren.