Drei Fragen an … die Regisseurin von "Stepping Forward - Wie weit würdest du gehen?"

Stella Kaltenbach

Über 200.000 Flüchtlinge sind 2016 bis Ende Juli nach Deutschland gekommen. Was sind das für Menschen, die eine oft gefährliche Reise auf sich nehmen, um hier ein bessere Leben zu suchen? Darüber handelt der Film "Stepping Forward".

Die Produzenten Ulrike Kübler, Casjen Ennen und Benjamin Wiedenbruch wollten hinter die Fassade blicken. In Malta haben sie für mehrere Monate drei Flüchtlinge begleitet und ihr neues Leben in Europa dokumentiert. "Stepping Forward" wird am 17. Oktober im Cinemaxx Freiburg gezeigt. Zu Gast sein wird die Regisseurin Ulrike Kübler und der Protagonist Ali Konate.


Wie entstand die Film-Idee?

Ich war 2007 auf Malta für ein Praktikum. Schon damals war die Situation ziemlich angespannt. Es gab viele Containerstädte und ein Teil der Bevölkerung Maltas war fremdenfeindlich. Das hat mich so beschäftigt, dass ich in Deutschland meine Magisterarbeit in europäischer Ethnologie darüber geschrieben habe.

2009 bin ich dann wieder nach Malta geflogen und habe in einem Flüchtlingslager gearbeitet. 2011 kamen meine Teamkollegen Casjen und Benjamin auf mich zu und haben gefragt, ob wir nicht einen Dokumentarfilm über dieses Thema drehen wollen. Ich war sofort begeistert von der Idee. Damals haben viele Menschen und auch die Politik die Augen vor dem Problem verschlossen. Das hat uns dazu bewegt einen Film zu drehen und somit aufzuzeigen, wie die Situation in Wirklichkeit ist.

Was für ein Gefühl war es, direkt vor Ort zu sein und die Nöte der Menschen Hautnah mitzuerleben?

Mich hat die dortige Lage sehr traurig aber auch wütend gemacht, weil wir so ein unmenschliches System haben. Die Nationalangehörigkeit steht über den Menschenrechten. Die einzelnen menschlichen Schicksale traten völlig in den Hintergrund, als viel wichtiger wurden die Papiere angesehen. Trotzdem haben die Flüchtling eine Stärke und einen inneren Willen ausgestrahlt, das fand ich sehr faszinierend und ansteckend. Die Menschen dort schauen immer nach vorne und versuchen stets ihre Situation zu verbessern.

Wen möchten sie mit dem Film erreichen?

Wir möchten so viele Menschen wie möglich erreichen. Es ist uns wichtig, dass der Film einem breiten europäischen Publikum gezeigt wird. Mir ist wichtig, dass aus dieser anonymen, großen Flüchtlingsmasse ein Gesicht heraus tritt. Der Film soll uns Europäern zeigen, dass jeder Flüchtling eine eigene Geschichte und auch einen Namen hat.

Zudem soll er die Angst vor dem Fremden nehmen. Mir ist besonders wichtig, dass junge Menschen diesen Film anschauen, um ihre Stereotypen zu überwinden. Darum würden wir auch gerne den Film in Schulen zeigen. Ich würde mir wünschen, dass Leute, die diesen Film gesehen haben, Flüchtlingen offener gegenübertreten und sie nicht als etwas Fremdes, Unheimliches betrachten.