Drei Asse sind nicht genug

Anselm Müller

Pokern ist seit geraumer Zeit ziemlich angesagt. Pokerwelle , einer der deutschen Marktführer, hat seit Juni über 300 Turniere in Deutschland veranstaltet, darunter jenes, das gestern abend in einem Freiburger Irish Pub ausgetragen wurde. Anselm, der bis vor kurzem keinen Schimmer hatte von Blinds, Flop und Turn, versuchte sein Glück am Tisch.



Texas Hold’ em

Bis kurz vor der Anmeldung hatte ich von den Regeln der Pokervariante "Texas Hold’em" noch nie gehört. Nachts habe ich zwar öfters im Fernsehen Pokerspiele gesehen, doch diese meist nach kurzer Zeit weggeschaltet. Auch im Internet gibt es schon länger einige online Spielcasinos. Ich wusste zwar, was ein Straight Flush ist und ein Poker, aber gespielt hatte ich noch nie. Erst recht kein Turnier. Die besten Vorraussetzungen, um als Greenhorn gnadenlos unterzugehen. Kurz vor meiner Anmeldung erklärte mir ein pokererfahrener Freund die Regeln des Texas Hold’ em. Er erläuterte auch die Fachtermini.




Ein blindes Huhn findet ein Korn

Meine Strategie war es, nur bei sehr guten Karten mitzugehen. Nach kurzer Zeit saßen nur noch sieben von zehn Spielern am Tisch. Ich hatte mein Ziel erreicht, wenigstens nicht als erster die Runde zu verlassen. Je länger das Spiel dauerte, umso besser konnte ich einschätzen, wann es das Mitgehen wert war und ab welchem Punkt es ratsamer war, zu passen. Meine defensive Spielweise schien aufzugehen.

Einer nach dem anderen verließ den Tisch. Bis am Ende nur noch ein mir gegenübersitzender Spieler und ich übrig waren. Hinter uns hatten sich einige Zuschauer versammelt, die dieses Duell verfolgten. Am Schluss hatte ich wieder Glück und schlug meinen Gegner mit einer Neun. Er hatte leider nur eine Acht. Mit diesem Sieg war ich für die Endrunde qualifiziert, die um 23 Uhr begann.

Ein Spiel, ein Drilling und weg vom Tisch

Kurz nach 23 Uhr. Ich war einer der 44 Finalteilnehmer von insgesamt 180 angetretenen Spielern. Die Luft im Dubliner war stickig und rauchdurchtränkt. An den Tischen durfte weder geraucht noch getrunken werden. Ich bekam meine zwei hole cards. Zu meiner Freude waren es zwei wunderschöne Asse. Nachdem der Groupier den Flop ausgeteilt hatte, lag ein weiteres Ass aus. Ich hatte also den höchstmöglichen Drilling, den es gibt.

Berauscht von meiner Hand fing ich zu setzen an. Nach den ersten zwei Setzrunden gab es nur noch einen Spieler, der mitging. Jedes Mal jedoch, wenn er hätte setzen können, erhöhte er nicht den Einsatz. Ich aber erhöhte immer. Bis ich zum Schluss siegessicher alles gesetzt hatte und der Showdown kam. Karten hinlegen!

Zu meiner Bestürzung musste ich feststellen, dass mein Gegenüber eine Straße hatte. So ist das. Alles gesetzt und alles verloren. Als erster war ich aus der Finalrunde ausgeschieden. Meine Verweildauer am Tisch belief sich auf drei Minuten.



Face to Face
Die 180 Turnierteilnehmer waren gestern zumeist Männer zwischen fünfzehn und Mitte vierzig, insgesamt sehr heterogen. Auch vier Frauen erreichten das Finale.

Nach dem Reiz am Pokern gefragt, antwortete Christian Hageleit, Leiter des gestrigen Turniers: „Es geht darum, auszuloten, ob ich meinen Gegner überzeugen kann. Funktioniert ein Bluff oder nicht?
Ferner ist die Face to Face-Situation natürlich um ein Vielfaches interessanter als die online Version.“ Hageleit sieht den Höhepunkt der Spielbeteiligung noch lang nicht erreicht. „Ich habe im September angefangen. Die Entwicklung der Teilnehmerzahl steigt stetig. Wir erwarten, dass erst in 12 bis 18 Monaten der Höhepunkt erreicht sein wird.“

Ich will auf jeden Fall irgendwann noch einmal mein Glück versuchen.