Drehbuch auf der Müslipackung

Adrian Hoffmann

Ihr Toskana-Urlaubsvideo kam besser an als alle anderen Filme. Die Freiburger Michael Lotz, 30, Philipp Faber, 29, Nico Birkner, 31, und Gunnar Grah, 31 - allesamt Doktoranden der Biologie - haben beim letzten Video-Slam in der Mensabar den ersten Platz gemacht. In ihrem trashigen Film, den wir nächste Woche auf fudder zeigen werden, geht es um WM-Tickets, die Taliban und die FDP. Ein Interview mit den Hobby-Regisseuren:





Die Crew (von links): Gunnar Grah, Nico Birkner, Michael Lotz, Philipp Faber


Seid ihr eigentlich überrascht gewesen über Euren Sieg?

Michael Lotz: Also wir haben ja schon mal einen Urlaubsfilm eingereicht, und da haben wir gewonnen. Das heißt nicht, dass wir nicht überrascht waren, aber wir waren eben schon mal dabei. Wir haben uns schon ein bisschen Hoffnung gemacht, weil wir wussten, dass so ein Urlaubsfilm einigermaßen gut ankommt bei den Leuten.

Diese Urlaubsfilme sind also zu Eurer Masche geworden?

Philipp Faber: Ja, wir werden das auch wieder machen.

Also war das gar nix so Spontanes, sondern ihr wusstet vor dem Urlaub schon, dass Ihr einen Film machen werdet?

Nico Birkner: Was wir jetzt ganz genau machen wollen, das wussten wir vorher nicht. Aber daß wir einen Film drehen wollten, war klar. Wir haben eine Kamera mitgenommen und am Strand auf die Rückseite einer Müslipackung das Drehbuch geschrieben.

Auf eine Müslipackung?

Nico: Ja.

Macht Ihr das immer so? Wo habt Ihr eigentlich das erste Video gedreht?

Nico: Da waren wir auf Korsika. Wir haben uns vorher eine Kamera bei Ebay ersteigert, eigentlich nur, um unseren Urlaub zu filmen.

Michael:
Es war schlechtes Wetter, uns war langweilig, wir hatten keinen Bock, am Strand zu liegen, wir saßen vor unserem Hänger ? und da haben wir uns überlegt: Wir drehen einen Film.

Nico: Der Film hieß “Bad Odour", Schlechter Geruch. Es ging um korsische Apfelcola, die ganz furchtbar stinkt und vom französischen Geheimdienst und von der CIA für eine neue Massenvernichtungswaffe gehalten wird. Damals haben die USA verzweifelt versucht, im Irak die vermuteten Massenvernichtungswaffen zu finden. Wir haben gedacht, daß die Iraker sie vielleicht an die Korsen verkauft hatten. So einen kleinen ernsthaften Hintergrund hatte die Sache schon.



Und wie hieß Euer Film dieses Mal?

Philipp: Vorverkauf.

Was hat es damit auf sich?

Nico: Es geht darum, dass die Tickets fürs WM-Finale aus der DFB-Zentrale verschwinden. Es läuft darauf hinaus, dass sich drei Interessensgruppen, eben der DFB, die Taliban und die FDP um die Tickets schlagen.

Und wie kommt man bitte auf so was?

Michael: Das letzte Mal, als wir in Urlaub waren, haben wir uns ein bisschen über den WM-Vorverkauf aufgeregt. Es wusste niemand so richtig, wie es geht.

Philipp: Und hauptsächlich haben wir uns darüber geärgert, dass wir mit Sicherheit keine WM-Tickets bekommen werden.

Ihr habt keine?


Michael (lacht):
Doch. Für das Achtelfinale in München, wenn ich Glück habe, spielen die Deutschen dort mit.

Nico: Wir haben uns für den Film eben überlegt, dass der DFB im Grunde genauso eine Verbrecherorganisation ist wie die Taliban.

Also es hat ein klein wenig einen ernsten Hintergrund: Nämlich dass Ihr es wirklich nicht so toll findet, wie der DFB vor der WM auftritt?

Philipp: Ja, auf jeden Fall. Zwei von uns sind große Fußballfans. Die beiden anderen schauen Fußball, wenn sie müssen.

Nico: Und obwohl ich kein Fußballfan bin, passt es mir nicht, wie die Tickets vergeben werden.

Was für Gegenstände habt Ihr eigentlich zum Drehen des Films verwendet?

Michael: Wir hatten nix groß dabei. Wir haben uns zum Beispiel mit Nutella geschminkt, ich war ja Rambo. Wir haben uns einen Cajal von einer Frau ausgeliehen.

Nico: Und das Brotmesser war mein Säbel, ich spiele einen arabischen Terroristen.

Ihr habt aber im wirklichen Leben nichts mit Schauspielerei zu tun?

Nico: Nee. Ich war früher in der Theatergruppe.

Philipp:
Wir bemühen uns halt.

Wie haben fremde Leute auf euch Nutellabeschmierten reagiert?

Philipp: Manche haben schon komisch geschaut, am Strand zum Beispiel, einer hat uns den Vogel zeigt.

Nico: Auf dem Weg zum Strand musste ein Mann mit Hund stehen bleiben, weil der Hund so dermaßen Angst vor unserem Rambo hatte, der blieb stocksteif stehen und hat sich geweigert, weiterzulaufen. Irgendwann hat der Mann seinen Hund gepackt und an uns vorbeigetragen.

Und wie endet Euer Film?

Michael: Der Gunnar spielt den italienischen Eisverkäufer, und der vertickt dann die WM-Karten am Strand unter der Hand, nachdem sich die anderen drei, Rambo, Taliban und FDP ausgenockt haben.

Stichwort ausgenockt - wie hat die Konkurrenz beim Videoslam auf Euch reagiert?

Nico: Die meisten fanden es lustig. Aber die, die sich ernsthaft mit Film beschäftigen, die sind vielleicht etwas angepisst. Dabei haben wir schon auch viel Arbeit reingesteckt. Wenn da andere Leute mit professioneller Kamera, Kameramann und professionellem Schnitt da wahnsinnig viel Arbeit reinstecken oder das sogar eine Diplomarbeit ist oder so, dann sind die natürlich enttäuscht. Das kann ich verstehen. Wir haben einen Aldi-PC und die mitgelieferte Schnittsoftware, das ist unser Produktionsstudio.

Philipp: Manche Filme waren auch irgendwie so Kunstsachen. Da gab es ein interaktives Musikvideo, was kein Mensch verstanden hat. Wenn man einen Film hinterher erklären muss, funktioniert er nicht.

Michael: Und wir haben es alle nicht kapiert. Das Publikum eben auch nicht.

Und man muss halt auch als “Profi” nach dem Zuschauerinteresse gehen, oder?

Michael: Uns hat es einen Riesenspaß gemacht, und ich glaube, den meisten Zuschauern auch. Die Zweitplatzierten haben auch die ganze Zeit gelacht.

Wie viele der Zuschauer wollen jetzt das nächste Mal mit Euch in Urlaub?

Michael: Einige, ja, einige.

Philipp: Aber eher wegen der WM-Tickets.