Drachenfruchternte (11)

Müslüm Erikci

Ärger mit dem Hennatattoo, Schwitzen auf der Drachenfrucht-Plantage, Rektortragen beim Lehrertag: In Müslüms Leben ist allerhand los, wie sein aktueller Bericht suggeriert.



Liebe Fudder-Leser,

nach zweiwöchigem Examen kamen mir zwei Ferienwochen sehr gelegen. Die Examen waren eigentlich eine Vorbereitung aufs nächste Schuljahr, in dem meine Klassenstufe ihren Abschluss schreibt. Aus Neugier schrieb ich mit.


In der Woche vor den Ferien ließ ich mir ein Hennatattoo machen. Natürlich war mir klar ,dass es für Aufsehen sorgen würde, aber ich schätzte die ganze Sache falsch ein. Etwa ¾ meiner Klasse kannte nicht den Unterschied zwischen einem Hennatattoo und einem echten Tattoo.

Die halbe Schule glaubte, ich hätte mich tätowieren lassen. Es dauerte nicht lang, bis die Disziplinlehrer Wind davon bekamen, so dass ich es mühselig abwaschen musste.



Am Freitag der selben Woche war Lehrertag. Ich erwartete nichts besonderes und irrte mich erneut.

Der Lehrertag begann damit, dass unser Direktor auf den Schultern zweier Schüler auf seinen Platz getragen wurde.
Dann folgten die Lehrer, begleitet von der Musik unseres Schulorchesters, das nur aus Tambourinen bestand.

Den ganzen Vormittag über war die Stimmung am Kochen und am Ende wurden den Lieblingslehrern Geschenke überreicht. Wenig später hatte ich ein Badmintonturnier, das in einer kleinen Halle stattfand, deren Türen stets geschlossen waren. Auch die Ventilatoren standen still, damit die Federbälle nicht irritiert wurden. Dafür schwitzte man sehr. Es war heiß, stickig und es tropfte von der Decke.



In den Ferien war ich bei meinem zweitältesten Gastbruder, der seine eigene Drachenfruchtplantage besitzt. Dieses Jahr hat er sich selbständig gemacht. Einmal in zwei Monaten sind die Früchte reif.



Die Ernte war Schwerstarbeit, denn es war unglaublich heiß und die Dornen der Drachenfruchtbäume ähneln Kaktusstacheln. Wir ernteten etwa 150 Kilo Früchte. 1 Kilo ist umgerechnet etwa 2,30 Euro wert.

Am Ende der Ferien wurde ich mit meinem Vater zu einem „Kenduri“ eingeladen, ein islamisches Fest, mit dem sich der Gastgeber für etwas bedanken will, etwa für eine Geburt.



In unserem Fall dankte der Gastgeber Allah dafür, dass seine Sportverletzung verheilt war. Beim Golfspielen hatte er unglücklicherweise einen Golfball ans Auge bekommen.

MfG, Müslüm