Dr.Web & Smashing Magazine:Freiburg erklärt der Welt wie man Websites gestaltet

Stefanie Stahlhofen

Dr. Web ist das wohl bekannteste deutsche Onlinemagazin für (Web)Designer mit rund 4000 Twitter-Followern. Die englischsprachige Version, Smashing Magazine, ist noch erfolgreicher: Mehr als 270000 Menschen folgen dem Webdesignerblog bei Twitter. Das sind mehr als fünfmal so viele Twitternutzer wie bei Spiegel_Eil, dem meistgenutzen Twitterkanal des Wochenmagazins Spiegel, oder Bild_aktuell, den Top-News der Boulevardzeitung aus dem Hause Springer. Was kaum einer weiß: Die Betreiber von Dr. Web und Smashing Magazine sitzen in Freiburg.

Ein schlichtes orangefarbenes Logo auf weißen Grund, vier Rubriken, eine Suchfunktion.  Smashingmagazine.com, ein Onlinefachmagazin für Webdesigner, kommt unauffällig daher.


Die Überschriften sind ebenso ausführlich wie die Beiträge selbst.„50 New Useful CSS Techniques, Tutorials and Tools“(50 neue und nützliche CSS-Techniken, Anleitungen und Werkzeuge) lautet eine, „How To Convince The Client That Your Design Is Perfect“ (So überzeugt man den Kunden, dass ein Design perfekt ist) eine zweite und  „The Art of The Film Title Design Throughout Cinema History“ (Die Kunst des Filmtiteldesigns in der Geschichte des Kinos) eine dritte. Und oben rechts prangen die stolzen Zahlen dieses unauffälligen Weblogs: mehr als fünf Millionen Leser im Monat und mehr als 200000 Nutzer haben den RSS-Feed abonniert.

Smashing Magazin ist zwar ein Nischenprodukt, aber international erfolgreich – und made in Freiburg

„Die meisten denken, dass wir aus den USA kommen, und sind überrascht, wenn in den E-Mails steht, dass wir aus Freiburg sind“, erzählt Vitaly Friedman (Bild oben links) schmunzelnd. Sein großes, helles Büro mit Blick auf die Dreisam befindet sich in einem Eckhaus an der Kronenbrücke.

Er selbst kommt aus Weißrussland und schrieb mit 14 Jahren seinen ersten Artikel für eine Computerzeitschrift. Mittlerweile ist er 25 Jahre alt und Mitgründer und Chefredakteur von Smashing Magazine.

Lässig sitzt er auf seinem Bürostuhl, die Beine entspannt übereinandergeschlagen. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit goldenem Aufdruck, dunkelblaue Jeans und Turnschuhe. Der junge Onlineredakteur spricht schnell, man merkt ihm seine Begeisterung und den Tatendrang an. Friedman ist überzeugt, dass hinter wirklich guten Artikeln viel Arbeit stecken muss. „Nur dann hat man wirklich Lust, das so weit zu treiben, dass der Beitrag auch gut wird.“

Die Ansprüche sind hoch: „Smashing Magazine soll Webdesigner weltweit ansprechen und für etwas Besonders, Starkes stehen. Die Leute sollen die nützlichen Informationen auf unserer Seite smashing – also umwerfend – finden.“

Das Onlinemagazin bietet unter anderem praxisbezogene Anleitungen zur Bildbearbeitung mit Photoshop und gibt Tipps für die Webseitenprogrammierung. Die Seite will als Inspirationsquelle dienen, weshalb immer wieder besonders gelungene Internetseiten vorgestellt werden.

„Es ist nicht so, dass die Seite nur für Profis ist. Wir haben ein anspruchsvolles Publikum, aber auch Leute, die noch nicht lange dabei sind, können bei uns unglaublich viel lernen“, erklärt Sven Lennartz (Bild oben rechts), Gründer von Dr. Web, Mitgründer von Smashing Magazine und Geschäftsführer der Smashing Media GmbH.

Dr. Web ist die Website, mit der 1998 alles begann. Sven Lennartz arbeitete als freier Webdesigner und stellte fest, dass seine Kunden immer eher Texte als Design wollten. Er hatte bereits Bücher geschrieben. „Da dachte ich mir, das kann ich auch.“  Er stellte seine Beobachtungen und Erfahrungen als Webdesigner ins Netz. Seitdem leistet drweb.de erste Hilfe für Webentwickler und -designer, Marketing- und Medienmenschen.

Die Seite hilft beim Erstellen von Internetseiten, vermittelt die besten Praktiken, verfolgt Trends. „Dr. Web ist für die Leute, die das Internet machen“, erklärt der 48-jährige Erfinder des Onlinemagazins. Er sitzt in einem bunten Hawaiihemd am Schreibtisch und blickt durch seine Hornbrille konzentriert auf einen großen Flatscreen. Warum Dr. Web und Smashing Magazine so erfolgreich sind? Er zuckt mit den Schultern. „Wir haben konsequent auf eine Sache gesetzt. Wenn wir etwas veröffentlichen, ist es fachlich und objektiv.“



Die Tipps von Dr. Web sind nicht nur hilfreich, sondern auch gratis. Das verbreitet sich schnell über Twitter und andere Kanäle – der Bekanntheitsgrad des Onlinemagazins wächst. Waren die ersten Artikel noch unbebildert, folgten schon bald Illustrationen und schließlich Texte mit 50 oder gar 100 Bildern. Anfangs war Dr. Web eine „Nebenbeschäftigung“ von Lennartz, mittlerweile ist die Seite sein Fulltimejob. Das Projekt finanziert sich über Werbung, wobei Lennartz betont, dass die Artikel werbeunabhängig und objektiv sind.

Im Oktober 2009 übernahm die Smashing Media GmbH das von der Ägypterin Noura Yehia gegründete Designerblog Noupe.com. Noupe ist vor allem in arabischen Ländern bekannt und ergänzt damit Smashing Magazine und Dr. Web bestens, musste allerdings laut Lennartz erst mal von „Sponsormüll“ befreit werden.

Für Dr. Web, Smashing Magazine und Noupe schreiben Experten aus aller Welt. Auch Friedman war lange Zeit Autor bei Dr. Web. Im August 2006 hatte Lennartz den Gedanken, „so etwas wie Dr. Web mal auf Englisch zu versuchen“. Friedman hatte schon lange auf Englisch gebloggt und war von der Idee begeistert. Bis dato hatten die beiden sich nie persönlich gesehen – obwohl sie sich seit über zwei Jahren kannten.

Mit dem großen Erfolg von Smashing Magazine kommen die ersten Treffen. Beide stellen fest, dass sie eine gemeinsame Redaktion brauchen.

Seit einem Jahr ist die Smashing Media GmbH nun in Freiburg ansässig, Lennartz hat Lübeck und Friedman dem Saarland den Rücken gekehrt. „Ich habe die Stadt gewählt, weil es die lebenswerteste Großstadt Deutschlands ist“, sagt er, und macht eine kurze Pause. „Hat man uns gesagt.“ Er lacht.

Verleger Hubert Burda aus Offenburg bezeichnet den Oberrheingraben gerne als „zweites Silicon Valley“, lobt die Ausstattung mit Hochschulen und das geistige Potenzial der Region. Mehr Webdesigner als anderswo gibt es in Freiburg nach Meinung von Friedman und Lennartz nicht, die Szene ist international; für Lennartz waren es vor allem praktische Gründe, die ihn für einem Umzug nach Freiburg motiviert haben: Der für die Werbung zuständige Geschäftspartner ist Freiburger. „Aber die Freiburger dürfen sich schon freuen, dass es hier diese berühmte Webseite gibt“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Scrollt man auf der „About-us-Seite“ des Smashing Magazines nach unten, stößt man  auf den Link „Freiburg entdecken“. Hier zeigt der Hobbyfotograf Fotos seiner Wanderungen und hofft, dass „ein paar Besucher kommen“.