Doch keine Millionärin bei Second Life?

Christoph Müller-Stoffels

Seit Wochen geistert durch die Medien, dass die Deutsche Ailin Gräf in der virtuellen Welt Second Life reale Millionärin geworden ist. Mit ihrem Avatar Anshe Chung hat die hessische Lehrerin durch Immobiliengeschäfte ein Vermögen gemacht, so die Darstellung. Ein Blogger bezweifelt diese Sichtweise.

Der Blogger Don Alphonso widerspricht in einem Beitrag vom vergangenen Montag ganz vehement der Darstellung, dass Ailin Gräf durch ihre Tätigkeit in Second Life tatsächliche Millionärin geworden sei, wie es viele Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung online, die Financial Times Deutschland oder auch Fudder, berichteten.


Seine Aussagen stützt er dabei auf die Pressemitteilung der Anshe Chung Studios, die tatsächlich sehr viel nüchterner darstellen, dass Frau Gräf virtuelle Güter im Wert von, konservativ geschätzt, einer Millionen US-Dollar besitzt. Würde sie allerdings, so mutmaßt Don Alphonso, dieses Vermögen liquidieren wollen, wäre es das Ende für Linden Lab.

Wie realistisch diese Vermutung ist, soll dahin gestellt bleiben. Allerdings kann eine kritische Sicht der Dinge zuweilen hilfreich sein. So stellt Don Alphonso auch in Frage, ob große Unternehmen tatsächlich Pressekonferenzen in die virtuelle Welt verlegen wollen, wo doch schon Gräf "während des PR-Interviews mit virtuellen Penissen beworfen" wurde. Damit nicht genug, erstellten die Übeltäter ein Videodavon, dass sofort im Netz auftauchte. An derartiger PR kann wohl keinem großen Unternehmen gelegen sein.

Fakt ist allerdings, und das hat Don Alphonso in seiner Rage übersehen, dass Ailin Gräf in China ein reales Büro mit zwölf Angestellten hat. Photos davon sind in ihrem Press Kit zu finden. Die Geschichte von der Millionärin, wiewohl sie vielleicht etwas an der Realität vorbei geht, ist doch mehr als nur ein Fake, um die Atraktivität der virtuelle Welt zu steigern.